Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Magazin
15.02.2022
09.05.2022 15:45 Uhr

EZE im ICE: Gesinge, Geschminke und Geschlürfe

Bild: SBB CFF FFS/stgallen24
stgallen24-Praktikant Patrice Eze pendelt jeden Tag mit dem Zug von Erlen über Romanshorn nach St.Gallen und zurück. Dabei begegnet er immer wieder komischen Gestalten oder wird Zeuge von skurrilen Momenten. Die Geschichten dazu teilt er in seiner Kolumne «EZE im ICE».

Letztens musste ich mit Entsetzen feststellen: Die Thurgauer haben definitiv ein Wurmloch im Apfel. Mich als «Thurgauooo» schmerzt diese Erkenntnis nach 20 Lebensjahren sehr. Die Fahrt von St.Gallen nach Romanshorn verlief noch ruhig. Doch als ich in den Zug Richtung Erlen einstieg, fingen die skurrilen Erlebnisse an.

Zuerst kam einer aus dem anderen Waggon angetrabt und liess folgende bezaubernde Worte in einer engelsgleichen Tonlage aus seiner «Schnorre» entfliehen: «Opp Oppa Gangnam Style. Uhh sexy Lady.» Eine Sekunde lang war ich völlig perplex. Gedanklich stempelte ich ihn aber dann als Betrunkenen ab.

Also blickte ich wie viele andere wieder auf mein Smartphone und bemerkte, es ist Donnerstag, 17.40 Uhr. Eigentlich früh, um schon betrunken zu sein. Doch bevor ich weiter darüber spekulieren konnte, ob dieser junge Herr betrunken, high, verrückt oder einfach nur schamlos war, ereilte mich schon das nächste Erlebnis.

Ein weiterer junger Herr und zwei weibliche Begleitpersonen waren auf der Suche nach den freien, heiss begehrten Sitzplätzen. Eine Rarität, wenn man zweite Klasse zur Feierabendzeit fährt. Als sie nicht fündig wurden, wollten sie weiter, um sich im nächsten Waggon umzusehen. Der junge Herr, sichtlich genervt von seinen Begleiterinnen, sagte, dass es dort eh keine Plätze mehr habe. Doch die beiden ignorierten ihn sehr geschickt und liessen ihn zurück. Kurze Zeit später traten sie den Walk of Shame an. Mit einem lauten, schelmischen «Sali zäme!» begrüsste er dann die zwei jungen Damen. 1:0 für ihn.

Kurze Zeit später machten es sich zwei andere Damen im Vierer neben mir gemütlich. Sie quatschten und tratschten ein bisschen hin und her. Auf einmal packte die eine ihre Kosmetiktasche aus und begann sich während der Zugfahrt zu schminken. Kann man von mir aus machen, aber bisschen wackelig war die Fahrt schon. Ich hoffe einfach mal, dass ihre Visage schlussendlich nicht allzu verschmiert aussah.

Während sich die eine Dame schminkte, empfand es die andere als nötig, ein wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Ein Bedürfnis, das jeder nachvollziehen kann. Also packte sie ihre Capri Sun aus und schlürfte. Und schlürfte. Und schlürfte. Diese Päckchen haben nur Platz für 200 Milliliter. Was schlürft die da weiter? Hat sie nicht gemerkt, dass die Capri Sun schon leer ist? 

Aber die Dame schlürfte weiter und weiter und wollte einfach nicht aufhören. Man hätte meinen können, sie wolle Flüssigkeit samt Päckchen durch den dünnen Strohhalm saugen. Zumindest würde die Verpackung so nicht irgendwo in der Natur landen. Vielleicht hat es die junge Dame ja nur gut gemeint. Ich weiss es nicht. Doch was ich weiss: Im Abendverkehr sind die Thurgauer definitiv merkwürdiger als die St.Galler. Immerhin war mein Sitznachbar, der entspannt auf seinem Laptop auf die Tasten hämmerte, normal.

Haben Sie auch schon lustige oder verstörende Begegnungen in Bus und Bahn gemacht? Teilen Sie diese mit mir unter redaktion@stgallen24.ch.

Gruss von EZE im ICE: Ja, die Strecke fährt man mit dem Thurbo und nicht mit dem ICE. Aber das Wortspiel war zu gut, um es liegen zu lassen. ;)