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21.01.2022
09.05.2022 15:47 Uhr

EZE im ICE: Wie viel Dezibel sind im Zug erlaubt?

Bild: SBB CFF FFS/stgallen24
stgallen24-Praktikant Patrice Eze pendelt jeden Tag mit dem Zug von Erlen über Romanshorn nach St.Gallen und zurück. Dabei begegnet er immer wieder komischen Gestalten oder wird Zeuge von skurrilen Momenten. Nun teilt er seine Geschichten in seiner Kolumne «EZE im ICE».

Das Benutzen des öffentlichen Verkehrs bringt viele Risiken mit sich. So könnte man sich beispielsweise eine Corona-Infektion einfangen, Opfer einer Entgleisung oder Geiselnahme durch Terroristen werden oder Wahrscheinlicheres: man wird von «Bahnhof-Hängern» angepöbelt, durch «Abzocker» und «Gutmenschen» in knalligen Jacken belästigt, oder von Normalos, die im Zug zu nervigen Tratschtanten mutieren, genervt. Weil geteilte Aufregung doppelte Aufregung ist, möchte ich meine Geschichten Ihnen, lieber Leser, nicht vorenthalten:

Letztens hatte ich das Vergnügen, gegenüber zweier Damen zu sitzen, die das Regeln der Lautstärke elektronischer Geräte wohl besser im Griff haben, als das der eigenen Stimme.

Reden im Zug ist natürlich nicht verboten und belebt die sonst eher düstere Stimmung im Abendverkehr. Aber ich denke, man könnte sich doch ein bisschen zurückhalten. Sich so laut zu unterhalten, dass selbst die Personen im hinterletzten Wagon das Gespräch vollends mitverfolgen können, ist definitiv zu laut. Da nützen selbst die besten «Noise-Cancelling Headphones» nicht.

Na ja, wenn man eh nicht weghören kann, dann kann man ja auch richtig zuhören, was Trudi und Margot so lautstark zu besprechen haben. Das Thema der beiden Kaffeetanten: Taschendiebe – auch so ein lästiger «ÖV-Typ», aber dem widme ich mal eine eigene Story.

So erzählte also Trudi, dass ein Mann versuchte, ihr die Brieftasche zu «stibitzen». Einen schwarzen Handschuh habe er getragen. Just in diesem Moment habe sie aber bemerkt, dass sich eine Hand in ihrer Jackentasche befindet. Diese habe sie dann blitzschnell festgehalten. Der Gauner habe sich allerdings loslösen können und flüchtete über alle Berge. Margot, vermutlich die Tochter von Trudi, sagte daraufhin aber nur, dass sie sich nicht wundern müsse, beklaut zu werden, wenn man so protzig mit offener Tasche und heraushängender Brieftasche durch die Gegend läuft. Es folgt ein böser Blick von Mama Trudi, die den Rest der Fahrt beleidigt aus dem Fenster starrte.

Eine andere Frau, wir nennen sie hier Liselotte, die ebenfalls im Vierer hockte, wollte sich gerne in das Gespräch einklinken. Die vielen Dezibel konnte man durchaus als Einladung für eine offene Diskussionrunde verstehen. Liselotte wurde aber von den beiden Damen ignoriert und schwieg nach zwei gescheiterten Versuchen ebenfalls für die restliche Fahrt. Was auch gut ist, denn geredet wurde definitiv schon genug in diesem Zug.

Haben Sie auch schon lustige oder verstörende Begegnungen in Bus und Bahn gemacht? Teilen Sie diese mit mir unter redaktion@stgallen24.ch.

Gruss von  EZE im ICE: Ja, die Strecke fährt man mit dem Turbo und nicht mit dem ICE. Aber das Wortspiel war zu gut, um es liegen zu lassen. ;)