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Kanton
05.01.2022

St.Galler Eltern wehren sich gegen Maskenpflicht

(Symbolbild)
(Symbolbild) Bild: Pixabay
Die Maskenpflicht gilt seit dem 3. Januar 2022 auch für Kinder der vierten Klasse. Viele Eltern sind deswegen empört und gingen am Montagabend auf die Strassen. Auch eine Petition wurde lanciert.

Seit Montag heisst es auch für Viertklässler in St.Galler Primarschulen «Maske auf». In einer Mitteilung vom 29. Dezember gab der Kanton St.Gallen bekannt, dass die Maskenpflicht neu auch für die Primarschüler der vierten Klasse gilt. Damit solle die Ausbreitung der neuen Coronavirus-Mutation Omikron eingeschränkt werden.

5000 Unterschriften gesammelt

Der Aufschrei war gross: Vor allem in Telegram-Gruppen drohten Eltern, dass ihre Kinder keine Maske tragen werden oder gar Zuhause bleiben. Man versucht auch, sich untereinander zu vernetzen: Eltern suchen andere Eltern, die abwechselnd die Kinder im Homeschooling unterrichten. Genaue Zahlen, wie viele Eltern tatsächlich ihre Kinder deswegen nicht mehr in die Schule schicken, liegen dem Bildungsdepartement nicht vor, wie es auf Anfrage von stgallen24 heisst.

Seit dem 30. Dezember werden im Rahmen einer Petition eifrig Unterschriften gegen die neue Regelung gesammelt. Bisher gingen bereits über 5000 Unterschriften ein (siehe Box). Nach Artikel 33 der Bundesverfassung muss die Behörde, an die sich die Petition richtet, davon Kenntnis nehmen. Sie ist aber nicht verpflichtet, sie zu behandeln oder zu beantworten.

Bald Fernunterricht?

Die Aktivität der Masken-Gegner stieg nicht nur auf Social Media. Auch im echten Leben traten Eltern und Kinder in Aktion. So versammelten sich am Montagabend etwa hundert Personen vor dem Bildungsdepartement und legten Kerzen wie auch Zeichnungen nieder. Die Eltern fürchten sich vor Ausgrenzung ihrer Kinder, wenn diese keine Maske trügen, wie eine Mutter gegenüber «FM1Today» erzählt. Auch wollten die Kinder die Maske nicht mehr tragen, weil sie über Kopfschmerzen geklagt haben sollen.

Das Thema Maskenpflicht könnte aber bald ganz vom Tisch sein: So könne es mit Blick auf die hohen Fallzahlen bald sein, dass gleichzeitig mehrere Lehrer ausfallen und im Extremfall wieder auf Fernunterricht umgestellt werden müsse, wie Thomas Minder, Präsident des Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz, im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erzählt. Die grösste Schwierigkeit sei, wenn man Schüler in Präsenz unterrichten und gleichzeitig Fernunterricht abhalten müsse. «Man muss sich dann überlegen, ob man nicht alle Schüler daheim lässt», sagte Minder.

Argumente der Maskenpflicht-Gegner:

  • Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) geht davon aus, dass die Anwendung der Maske bei jüngeren Kindern oft nicht korrekt erfolgt und das zuverlässige Tragen einer Maske über längere Zeit schwierig ist. Es wird generell empfohlen, bei Kindern unter zwölf Jahren keine Maskentragepflicht anzuordnen. Diese Position wird ebenfalls von Pädiatrie Schweiz vertreten.

  • Die Co-Ki-Studie der Universität Witten/Herdecke berichtet von vielfältigen – teils gravierenden – Nebenwirkungen bei Kindern, die über längere Zeit eine Maske tragen. Gerade die emotionalen Auswirkungen sind bei kleineren Kindern schwer aufzufangen, da die Eigenreflektion und das Verständnis für die Situation oft noch fehlt.

  • Dazukommt, dass die Mimik speziell beim Spracherwerb und beim Erlernen des Lesens essenziell wichtig sind (vgl. das Lehrmittel Leseschlau). Deshalb sei die Maskentragepflicht während dieser Lernphase besonders nachteilig.

  • Nicht zuletzt gibt es auch aus medizinischer Sicht gute Gründe, in der Maskenfrage nach Alter zu differenzieren. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass es insbesondere bei kleinen Kindern durch das Tragen von Masken leichter zu Nebenwirkungen kommen kann als bei Erwachsenen – die physiologischen und anatomischen Verhältnisse zwischen Kindern und Erwachsenen unterscheiden sich nun einmal deutlich (vgl. Blog von Kinderarzt Renz-Polster). Bei hoher Aktivität aber können Gesichtsmasken nach den vorliegenden Studien zu teils deutlichen physiologischen Veränderungen und teils starker subjektiver Beeinträchtigung führen. Da kleinere Kinder praktisch nur über zwei Aktivitätsniveaus verfügen (ruhiges Spiel oder aber hohe Aktivität), ist dieser Aspekt nicht zu vernachlässigen.

Aus all diesen Gründen wird der Bildungsrat gebeten, das generelle Maskenobligatorium ab der 4. Klasse per sofort aufzuheben.

pez/stgallen24