Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Stadt St. Gallen
02.12.2021
04.12.2021 09:57 Uhr

«Existiert Corona im Sitzen nicht?»

Die neuen Massnahmen treffen viele Bars hart
Die neuen Massnahmen treffen viele Bars hart Bild: pez
Ab heute gelten die neuen Corona-Massnahmen im Kanton St.Gallen. Am härtesten trifft es – mal wieder – die Gastro- und Eventbranche. Die Ungewissheit und Enttäuschung bei den Betroffenen ist gross.

Die Regierung des Kantons St.Gallen hat am Mittwoch eine Maskentragpflicht in sämtlichen öffentlich zugänglichen Innenräumen beschlossen. Dazu gehören zum Beispiel Museen, Bibliotheken, Fitnesscentren und Badeanstalten sowie Bars und Clubs. Zudem muss die Konsumation von Getränken und Speisen im Sitzen erfolgen. Die neuen Massnahmen treffen die Branche hart und führt bereits kurz nach der Bekanntgabe zur Schliessung zweier Clubs. 

Weniger Konsum wegen Sitzpflicht

Für Ruedi Gamper, Inhaber der Südbar, sind die beschlossenen Massnahmen – besonders die Maskenpflicht – nicht nachvollziehbar. «Draussen läuft jede dritte Person mit einer selbstgebastelten Maske rum. Diese schützt bestimmt fantastisch», sagt der Barbetreiber ironisch. Wenn die Gäste nur noch sitzend konsumieren dürfen, könne die Südbar nur noch die Hälfte, also 40 bis 50 Personen, reinlassen. «Existiert Corona unter 1,50 Metern nicht mehr oder warum darf man im Sitzen die Maske ausziehen?».

Das Konsumverhalten sei auch anders, wenn die Gäste sitzen. So meint Gamper, dass im Stehen mehr getrunken werde. Doch glücklicherweise habe er noch den «Glüähwiiwald». Dort stellt er nun auf ein Take-Away-Angebot um und kann so noch zusätzlich Gäste bedienen. Dennoch rechnet er mit nur einem Drittel des eigentlichen Umsatzes.

Ruedi Gamper, Inhaber der Südbar, ärgert sich über die neuen Massnahmen Bild: Instagram

«Ich bin enttäuscht»

Auch Sebastian Amiel, Inhaber der Vibez Bar, macht sich Sorgen um seinen Betrieb. Dadurch dass nur noch im Sitzen konsumiert werden darf, muss er den Innenbereich komplett schliessen. «Polizist spielen kostet mehr als zu schliessen.» Dafür könne er seine Gäste draussen im beheizten Zelt bedienen.

«Ich finde es schade, dass wir in der Gastro-Branche wieder die Leidtragenden sind, obwohl wir nachweislich nicht die Treiber der Pandemie sind.» Wenn noch das 2G-Prinzip eingeführt werde, rechne er mit 50 bis 60 Prozent weniger Gästen. Ohne finanzielle Unterstützung werde es knapp, so der Inhaber des Vibez.

Sebastian Amiel vom «Vibez» schliesst seine Innenräume Bild: Matilda Good

Zwei Clubs schliessen

Laut Walter Tobler, Präsident des Gastroverbandes, war eine Erweiterung der Maskenpflicht absehbar. Die Umsetzung sei kein Problem, aber die rückläufigen Reservierungen und steigenden Stornierungen seien eins: «Seit der Einführung des Zertifikates sind die Reservierungen rückläufig. Wir haben auch Stornierungen von Weihnachtsessen wie blöd. Dies wird jetzt wohl noch mehr zunehmen.»

Doch die Clubszene treffe es am brutalsten. Dort werde vorwiegend im Stehen konsumiert. Das ist ab Donnerstag, 2. Dezember, jedoch nicht mehr erlaubt. Deshalb gaben die zwei grossen Clubs «IVY» und «Trischli» auf Social Media bekannt, dass sie ihre Türen vorerst schliessen. Das «Alpenchique» feiert hingegen weiter: Mit Masken und Zertifikatspflicht.

Was 2G für die Branche bedeuten würde, sei noch nicht absehbar. Jetzt heisse es die kantonalen Massnahmen umzusetzen und abwarten, was der Bundesrat am Freitag entscheidet, sagt der Gastropräsident weiter.

Gastropräsident Walter Tobler Bild: zVg

«Die Ungewissheit ist unangenehm»

Etwas positiver sieht es das Theater St.Gallen: Für Werner Signer, Noch-Geschäftsführer Direktor Konzert und Theater St.Gallen, kam eine Erweiterung der Maskenpflicht nicht überraschend, aber es sei eine vergleichsweise harmlose Massnahme. Mit weniger Besuchern sei dennoch zu rechnen: «Mit der neuesten Corona-Entwicklung wächst die Verunsicherung wieder, was auch den einen oder anderen vom Theater- oder Konzertbesuch abhalten könnte.»

Die Ungewissheit und das erneute Anziehen der Schraube sei auch für das Theater sei unangenehm. Unterm Strich ist man aber erleichtert, dass man trotz neuen Einschränkungen den Theater- und Konzertbetrieb weiterführen kann.

Werner Signer ist Geschäftsführender Direktor der Genossenschaft Konzert und Theater Bild: FS
pez/stgallen24