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Stadt St. Gallen
14.10.2021
18.10.2021 10:29 Uhr

St.Galler baut verrückte Lego-Welten

Pascal Schafflützel in seinem Lego-Shop «Gallusbrick».
Pascal Schafflützel in seinem Lego-Shop «Gallusbrick». Bild: Patrice Ezeogukwu
Pascal Schafflützel betreibt einen Lego-Shop in der Stadt St.Gallen. Bei «Gallusbrick» gibt es alles, was das Lego-Herz begehrt – und vor allem Profi-Beratung. Nebenbei macht der 37-Jährige auch Youtube-Videos.

Eigentlich ist der 37-jährige Pascal Schafflützel Betriebsleiter der Mensa in der Kantonschule Trogen, aber an zwei Tagen in der Woche macht er die Türen seines Lego-Shops an Krüsistrasse 12 auf. Dort baut er nicht nur ganze Welten aus den bunten Steinen, sondern berät seine Kunden als selbsternannter Lego-Fachmann auf höchstem Niveau. Mit der Eröffnung seines Shops erfüllte sich der St.Galler einen Lebenstraum. Im Interview spricht er über seine Faszination.

Pascal Schafflützel, wie lange baust Du denn schon mit Lego?

Seitdem ich eigentlich denken kann... Wir hatten schon immer Lego und Duplo Zuhause – da wächst man einfach rein.

Viele Kinder haben mit Lego gespielt, aber nur die wenigsten haben später einen Shop eröffnet. Wie kam's?

Das habe ich gemacht, weil es in St.Gallen keine Person gab, die verrückt genug war, um einen Shop zu eröffnen. Meine Frau hat mich auch sehr motiviert. Fünf Jahre lang habe ich meine Familie mit diesem Hirngespinst genervt. Vorher war hier ein Coiffeurladen und ich habe mir geschworen, dass ich hier einen Lego-Laden eröffne, sobald es den Coiffeur nicht mehr gibt.

Was macht deinen Shop besonders?

Man kann im Manor, in der Migros, im Coop oder im ZolliBolli Legos kaufen, aber stell dir vor, dein Götti-Meitli wünscht sich Lego und du selbst hast keinen Plan vom Thema... Da kriegst du im Migros oder Coop keine gute Beratung. Ich gehe auf die Kundenwünsche und deren Preisklasse ein und empfehle ihnen ein passendes Set. 

Also betreibst Du quasi ein Lego-Fachgeschäft.

Genau. Ich unterstütze Kunden, wenn sie spezifisch etwas suchen, wenn mal etwas kaputt gegangen ist oder sie einfach generell Hilfe benötigen. Da gibt es eigentlich keine Grenzen.

Dein Lego-Shop trägt den Namen «Gallusbrick» – wie bist Du darauf gekommen?

Gallus für meine Heimatstadt St.Gallen und Brick ist Englisch und heisst Ziegelstein – aber so werden Legosteine auch noch genannt.

Führst Du den Shop alleine?

Nein, ich habe eigentlich schon jemanden der mir aushilft. Er ist auch ein grosser Lego-Fan und hat viel Ahnung von der Thematik, aber da er derzeit eine Zusatzausbildung macht, kann ich den Laden nur mittwochs und freitags öffnen.

Pascal Schafflützel ist Inhaber von Gallusbrick. Hier verkauft er Lego und beratet seine Kunden. Bild: Patrice Ezeogukwu

Hauptberuflich bist Du Mensa-Leiter. Gibt es Pläne, dich ganz dem Lego-Shop zu widmen?

Der Verkauf von Einzelteilen läuft im Moment sehr gut, aber momentan reicht es nicht, nur von den Lego-Einnahmen zu leben. Zwar besteht wegen Corona auch eine höhere Anfrage fürs Online-Geschäft, aber die Leute kommen schon gerne in den Laden. Was die Zukunft bringt weiss ich nicht, bin aber offen für alles.

Gibt es Parallelen zwischen dem Kochen und Lego?

Kreativität. Wenn man nicht kreativ ist, kann man beides nicht. Auch als Koch muss man kreativ sein, Zutaten kombinieren, wissen was zusammenpasst, Neues ausprobieren. Bei Lego ist es gleich. Es darf jetzt nicht so aussehen, als hätte es ein Dreijähriger zusammengebaut, aber es darf Elemente haben, bei denen man sieht, dass es nicht von Lego ist. Das macht es ja dann auch wieder spannend.

Bist Du denn auch offizieller Lego-Partner?

Nein, das bin ich nicht.

Also treibst Du alles selbst auf?

Ich habe schon meine Händler und kann auch direkt bei Lego einkaufen. Alles, was man hier im Laden sieht, gehört dem Geschäft. In den zwei Jahren hat sich jetzt schon einiges angesammelt.

Wie viele Stunden pro Woche baust Du selbst mit Lego?

Momentan wegen der Ausstellung sehr viel... Wie viele Stunden das sind, kann ich gar nicht sagen. Beim Legobauen kann man schon mal die Zeit vergessen. 

Auf welche Lego-Konstruktion bist Du besonders stolz?

Die Ninjago-Welt zählt zu meinen liebsten Stücken, aber auch der Sessellift im Winter-Wonder-Land ist der Killer! Als Kind wollte ich immer einen Lego-Sessellift. Eines Tages habe ich mich einfach mal hingehockt und das Grundsystem zusammengebaut, die Sessel gebaut und so weiter. Für die Ausstellung «Steinchenwelt» fahren jetzt noch Elfen rundum.

Allerdings tausche ich diese vielleicht in der Hälfte der Ausstellung mit Star-Wars-Charakteren aus. Den Sessellift gibt es als Bauplan zum herunterladen und auch als fertiges Set für 120 Franken, dieser verkauft sich am besten.

Du erstellst die Baupläne selbst?
Ja, genau. Ich habe etwa eins bis zwei Downloads pro Woche für acht Franken. Es dauert etwa vier bis fünf Stunden bis der Bauplan fertig erstellt ist und funktioniert. Man muss auch Teile verwenden, die es auf dem Markt gibt, sonst frustriert man die Leute, wenn sie für ein einzelnes Teilchen zehn Franken ausgeben müssen.

Es gibt welche, die erstellen Baupläne mit 10'000 Teilen – aber wer kauft sich das? Man muss rechnen: 10 Rappen pro Teil ist günstig. Und jetzt muss der, der den Bauplan für 50 Franken gekauft hat, auch noch für 1000 Franken Teile kaufen. Ob er das dann auch wirklich macht, steht in den Sternen. Ich habe auch zum Beispiel noch ein Elfenhütten-Set für 50 Franken und einige finden das schon zu teuer. 

Wie lange hast Du an der Ninjago-Welt gebaut?

Ich habe die Zeit nie gestoppt, aber sicher mehrere hundert Stunden.

  • Pascals Ninjago-Welt: Er steckte mehrere hundert Stunden in seine Kreation. Bild: Patrice Ezeogukwu
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Auf deinem Youtube-Kanal lädst du regelmässig Videos hoch. Was ist die Motivation dahinter?

Ich wollte einfach meine Begeisterung für die bunten Steine mit anderen Menschen teilen. Ob das mal einen positiven finanziellen Nebeneffekt hat, ist mir nicht so wichtig.

Du gehst ja auch an Lego-Ausstellungen. Kann man sich das wie eine Kunstaustellung vorstellen? 

Ich war noch nie an einer Kunstausstellung, aber bei der Ausstellung «Steinchenwelt» ist es so: Organisiert wird es vom Schweizer Lego Verein «SwissLUG», mitmachen können jedoch alle. Wir haben auch Deutsche und Österreicher die mitmachen, weil es nahe der Grenze ist. Es kommen aber auch Interessierte aus dem Welschen oder dem Tessin.

Ich überlegte mir erst, ob ich ich mit einem Verkaufsstand auftreten soll, aber das wäre nicht im eigentlichen Saal, sondern ausserhalb gewesen. Die Veranstalter wollen auch keine Gewerbe-Ausstellungen, sondern es geht ihnen darum, dass Besucher kommen und Bauwerke sehen. 

Dann präsentierst Du - wenn möglich - bei jeder Ausstellung deine Bauwerke?

Nein, es kommt drauf an, wie viel Zeit ich habe. Nächstes Jahr gehe ich zum Planetarium Kreuzlingen und bin dort mehr als Verkäufer unterwegs.

Eine Lego-Ausstellung in einem Planetarium? Willst du dann nicht eine Sternwarte bauen?

Ja, zwei vom Schweizer Lego Verein organisieren dort eine Ausstellung. Eine Sternwarte baue ich nicht. Ich müsste halt Zeit haben, um eine zu bauen und ich bin da eher als Verkäufer unterwegs. 

Wie viele Legoteile besitzt Du? 

Das Geschäft oder ich persönlich?

Beides...

Im Geschäft habe ich etwa 160 Sets und 140'000 registrierte Einzelteile und etwa 600 verschiedene Figuren, die man kaufen kann.

Und Du selbst?

Nicht mehr so viele. Oben im Büro habe ich meine Sets, welche ich gesammelt habe, aber im Vergleich zu anderen Lego Fans hält es sich in Grenzen. Ich bin auch mehr so, dass ich etwas baue und mir Zeit lasse. Es gibt jedoch Sets, die ich unbedingt kaufen will – zum Beispiel das Set von «Stranger Things».

  • Der Lego-Sessellift im Winter Wonderland. Bild: Patrice Ezeogukwu
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pez/stgallen24