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Region
02.10.2021

Wanderausstellung und Escape Room

Bild: zVg
Die neuste Ausstellung des HVM St.Gallen führt in die mittelalterliche Welt am Bodensee. Die Wanderausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt von Museen und archäologischen Diensten aus der Region. Im HVM in St.Gallen ist die Schau mit einem Escape-Room ergänzt.

Die Ausstellung knüpft an eine Reihe von archäologischen Wanderausstellungen zu den Pfahlbauern, Kelten, Römern und Alamannen an, die das HVM in den vergangenen Jahren zeigen durfte. Zuletzt war «Stadt, Land, Fluss – Römer am Bodensee» zu sehen. Jetzt macht das internationale Projektteam den Sprung ins Mittelalter.

Mehr als nur Klöster, Burgen und Dörfer

Beim Stichwort «mittelalterliche Ostschweiz» denken viele an Klöster und Burgen, an Dörfer und eine bescheidene landwirtschaftliche Existenzgrundlage. Wirtschaftsräume kommen da weniger in den Sinn. Die Ausstellung jedoch zeigt, wie sich die weiträumig gefasste Bodenseeregion ab dem 12. Jahrhundert rasch zu einem hochkomplexen und florierenden Netzwerk von gegenseitigen Abhängigkeiten entwickelte.

Über die Kreuzzüge wurde ein lukrativer Fernhandel bis ins östliche Mittelmeer, nach Nordafrika und auf die Krim erschlossen. Die begehrten Leinentextilien fanden reissenden Absatz, die Städte am See profitierten ebenso wie die zuliefernden Landregionen. Im Gegensatz zu heute trennte der Bodensee die Menschen nicht; er verband sie miteinander, zu einer eng verflochtenen Wirtschafts- und Lebenswelt. Städte bildeten Bündnisse, man einigte sich teilweise auf ein einheitliches Währungssystem und betrieb Landwirtschaft, Handwerk, Bergbau und Handel mit weit entfernten Gebieten.

Das markante Gredhaus wurde 1493 als Lagerhaus für den blühenden Handel in der Bodenseeregion gebaut. Bauherrin war die Stadt St.Gallen, die damalige Besitzerin von Steinach. Bild: zVg

Agrargesellschaft und Arbeitsteilung

Die Ausstellung lässt die Besucher in die landwirtschaftlich geprägte mittelalterliche Lebenswelt der Region eintauchen. Die Materialität dieser Agrargesellschaft war sehr naturnah. So waren zum Beispiel tierische Materialien wie Leder und Knochen viel wichtiger als heute und Holz war die Zentralressource als Werkstoff, Baumaterial und Energieträger.

Die mittelalterliche Welt am Bodensee hatte damit auch ein ganz anderes Alltagstempo als unsere heutige und bezog einen Grossteil ihrer Nahrungsmittel und Rohstoffe aus der Region. Parallel zum beschriebenen Wirtschafts- und Lebensraum bildete sich allerdings auch eine regionale Spezialisierung heraus. Das Rheintal konzentrierte sich beispielsweise auf den Weinbau, das St.Galler Fürstenland und der Thurgau setzten auf den Getreidebau. In der Textilproduktion entstand gar eine Arbeitsteilung, die vorindustrielle Züge hatte, vor allem mit dem Veredeln der Textilien.

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Vom Münzschatz bis zum Altglas-Depot

Auf die Besucher warten zahlreiche archäologische Fundstücke aus der ganzen Region, von den Bündner Alpentälern bis nach Süddeutschland und an den Rheinfall. Sie stammen aus der Zeit von etwa 1000 bis 1500 und erzählen von Landwirtschaft, Handwerk und Handel, Schifffahrt und Alltag. Die Auswahl reicht vom Holzfass bis zum Münzschatz, vom Kinderschuh bis zum Altglas-Depot.

Sie zeigen nicht das bekannte Mittelalter mit Ritterrüstungen, Hellebarden oder Altarbildern. Es ist ein Mittelalter ausgegraben aus dem Erdboden, geborgen vom Seegrund. Für die Ausstellung in St.Gallen kommen Leihgaben aus dem Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde dazu. Spektakuläre Dokumente, die zusätzliche Fenster in diesen Wirtschafts- und Lebensraum öffnen – zum Beispiel mit einem Salzdiebstahl 1442 und einem Betrugsfall mit gefälschtem Qualitätssiegel für St.Galler Leinwand 1505.

Ergänzt werden diese Objekte mit drei Installationen. Ein Wirtshaustisch und ein Markttisch, bedeckt mit allerlei Requisiten, vermitteln einen Eindruck vom damaligen Alltagsleben. Das Stück eines Schiffsstegs, auf dem Waren gelagert sind, lässt erahnen, welch reicher Güteraustausch damals kreuz und quer über den Bodensee herrschte.

Der grosse Exportschlager der Region waren im Mittelalter Leinentextilien. Händler exportierten die begehrten Textilien in weit entfernte Gebiete wie Nordafrika, Syrien, in die Champagne und auf die Krim. Bis um die Mitte des 15. Jahrhunderts war Konstanz das regionale Zentrum für Leinenstoffe, danach lief ihm St.Gallen den Rang ab.

Ein Altglas-Depot des 16. Jahrhunderts, von der Oberstadt 9/11 in Schaffhausen. Bild: zVg

Ein internationales Gemeinschaftsprojekt

Eine solch aufwendige Ausstellung lässt sich nur als Gemeinschaftsprojekt realisieren. Das Ausstellungsprojekt dieser Museen und archäologischen Dienste ist eigentlich eine Hommage an die erwähnten Städte- und Münzbündnisse in der mittelalterlichen Bodensee-Welt.

Der Start dieser Wanderausstellung erfolgt im HVM im St.Galler Stadtpark. Nächstes Frühjahr zieht sie dann weiter, auf eine gut zweieinhalbjährige Tournee von Chur bis Schaffhausen. Eben: von den Alpen bis zum Rheinfall. Und wie üblich erscheint zur Ausstellung eine reich illustrierte Begleitpublikation.

Für St.Gallen ein Escape-Room

Ein attraktives Begleitprogramm, das vertiefende Einblicke ins Thema bietet, darf natürlich nicht fehlen. Die Palette reicht von der szenischen Führung bis zum Bierbrau-Kurs. Dazu kommt im HVM eine Attraktion, die in der hiesigen Museumswelt eine Premiere ist: ein mittelalterlicher Escape-Room. Er macht die Ausstellung zum Abenteuer. Die Besucher versuchen, Rätsel aus dem Mittelalter zu lösen (Details auf separatem Flyer).

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Die beteiligten Museen und archäologischen Dienste:

  • Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg
  • Vorarlberg museum
  • Amt für Archäologie Thurgau
  • Museum für Archäologie Thurgau
  • Kantonsarchäologie St.Gallen
  • Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen
  • Amt für Kultur, Archäologie, Fürstentum Liechtenstein
  • Liechtensteinisches Landesmuseum
  • Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg
  • Kantonsarchäologie Schaffhausen
  • Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
  • Rätisches Museum Chur
  • Archäologischer Dienst Graubünden
pez/pd