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04.05.2020
19.05.2020 11:46 Uhr

Gastro: «Wir haben noch keinen Plan»

In einer Woche dürfen Gastrobetriebe öffnen, doch ein genaues Schutzkonzept liegt noch immer nicht vor. Die St.Galler Beizer sind verunsichert.

Erst schien es so, als hätte der Bundesrat die Gastronomie-Branche vergessen. Am 29. April gab Alain Berset dann überraschend bekannt, dass Restaurants und Beizen nun doch schon am 11. Mai öffnen dürfen – viel früher als erwartet. Bedingung für eine Öffnung: Ein Schutzkonzept gemäss Vorgaben des Bundes, das alle Beteiligten einhalten können. Doch eine Woche vor der geplanten Öffnung liegt dieses noch immer nicht vor.

«Wir freuen uns grundsätzlich, dass wir bald öffnen können. Das gibt der Branche Hoffnung und Perspektive. Allerdings kam die Lockerung sehr überraschend und die Zeit für die Planung ist knapp», sagt Walter Tobler, Präsident von Gastro St.Gallen. Bekannt ist zurzeit nur, dass maximal vier Personen an einem Tisch sitzen dürfen, zwei Meter Abstand zwischen den einzelnen Gruppen sein und alle Gäste im Lokal sitzen müssen.

Wenig Planungszeit
«Doch was bedeuten die zwei Meter genau? Ab wo werden diese gemessen? Muss das Personal eine Maske tragen? Das sind alles Fragen, worauf wir heute noch keine Antworten haben. Wir müssen warten, bis die Gastrosuisse gemeinsam mit dem Bund das Schutzkonzept herausgibt», sagt Tobler. Er hoffe, dass dieses bis spätesten Mittwoch kommuniziert wird. «Ich gehe aber davon aus, dass viele Betriebe so noch nicht öffnen können.»

Werden Gäste kommen?
Eine weitere unbekannte Variable sei die Konsumbereitschaft der Gäste. Laut Tobler werde es Unterschiede geben zwischen den einzelnen Betrieben: «Ich glaube, dass sich die Leute wieder darauf freuen, wenn sie ein Feierabendbier geniessen können. Da mache ich mir keine Sorgen. Falls es zu einer Maskenpflicht kommt, dann könnte das die Situation für Restaurants erschweren. Auch Bars werden es nicht einfach haben, wenn alle Gäste sitzen müssen.»

Öffnung ist eine Herausforderung
Die Konkretisierung des entsprechenden Branchen-Schutzkonzeptes werde nach Massgabe des Bundes mit Hochdruck weiter vorangetrieben, heisst es bei der Gastrosuisse. Wann genau das Schutzkonzept publiziert wird, wurde auf Anfrage von stgallen24 noch nicht beantwortet. 

«Die schrittweise Öffnung ist jedoch eine Herausforderung, vor allem betriebswirtschaftlich»,sagt Gastrosuisse Präsident Casimir Platzer. Umso wichtiger ist es, dass der Bundesrat und die Politik auch bei den weiteren Forderungen des Gastgewerbes rasche Fortschritte erzielen:

  • Bei der Kurzarbeitsentschädigung sollten die BVG-Beträge des Arbeitgebers
    übernommen werden.
  •  Die pauschale Entschädigung für angestellte Unternehmer muss erhöht werden.
  •  Stossend sind die zum Teil extrem tief ausfallenden EO-Erwerbsausfallentschädigungen für Selbständigerwerbende bzw. Einzelunternehmende.
  •  In der streitigen Mietzinsfrage sollte der Bund unbedingt eine klärende Lösung in unserem Sinne erlassen.
  •  Der Null-%-Zins für die Überbrückungskredite bis CHF 500‘000 muss über die gesamte Laufzeit gelten.

«Die Branche wird nach den schnellen und sinnvollen Sofortmassnahmen auch mittel- und langfristige Unterstützungsmassnahmen benötigen», so Platzer. «Wir werden uns für ein Konjunkturprogramm stark machen.» Das Gastgewerbe mit seinen rund 28'500 Betrieben, 264'000 Mitarbeitern und 8'000 Lehrstellen gehört zu den besonders gebeutelten Branchen.

 

Miryam Koc