Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Stadt St. Gallen
27.06.2021
25.06.2021 16:42 Uhr

Erste vertikale Indoor-Kräuterfarm steht in St.Gallen

Bild: Matilda Good
In der Spisegg baut Christian Gerig Basilikum, Pfefferminze und Salbei an – in einem Reinraum, der den Wasser- und Nährstoffverbrauch minimiert und Pestizide gleich ganz eliminiert.

Von Februar bis Mai 2021 wurde die Indoor-Hydroponic-ZipGrow-Farm, wie sie genau heisst, an der Moosmühlestrasse in St.Gallen aufgebaut: Der Aufbau begann mit dem Einbau eines Reinraums mit Lüftung und Klimaanlage.

In diesen wurde im April die Farmtechnik installiert, und anfangs Mai startete die Inbetriebnahme, die mit der ersten Ernte Mitte Mai erfolgreich abgeschlossen werden konnte. stgallen24 konnte auf einen Rundgang die besondere Anlage kennenlernen. 

Bild: Matilda Good

Christian Gerig und sein fünfköpfiges Team betreiben die einzige vertikale Indoor-Kräuterfarm der Schweiz. Der Clou am Indoor-Farming: Dank des Reinraums wachsen hier während des ganzen Jahres Kräuter, die sonst mit viel Energieaufwand um die halbe Welt in die Schweiz transportiert werden müssen.

  • Bild: Matilda Good
    1 / 3
  • Bild: Matilda Good
    2 / 3
  • So einfach können die Setzlinge angebracht und entfernt werden. Bild: Matilda Good
    3 / 3

«Rund 50 Prozent aller Kräuter werden mit Luftfracht importiert», sagt Gerig über sein Projekt. «Ich dachte mir: Das muss man doch auch hier machen können!» Nach einem Jahr Planung war es im Mai 2021 soweit: Gerigs vertikale Indoor-Kräuterfarm lieferte die erste Ernte.

Basilikum, Salbei und Pfefferminze wachsen nun in der Spisegg ohne Erde von der Decke – in einem Reinraum, den Christian Gerig, Geschäftsführer der Lokal365 AG, eigens aus China importiert hat. Den Aufbau musste der Jungunternehmer gleich selbst vornehmen: Wegen Corona durften die chinesischen Spezialisten nicht in die Schweiz reisen.

  • Links Basilikum, rechts Salbei Bild: Matilda Good
    1 / 3
  • Die Kräuter werden von oben bewässert. Bild: Matilda Good
    2 / 3
  • Am meisten angepflanzt wird der Basilikum. Bild: Matilda Good
    3 / 3

Der rund vier Meter hohe Reinraum füllt fast die gesamte Halle an der Moosmühlestrasse aus und bietet Platz für über 30 vertikale und mobile «Racks», in denen die Kräuter aufgezogen werden. Zurzeit wird knapp die Hälfte der möglichen Kapazität ausgeschöpft.

  • So sieht Pfefferminz kurz vor der Ernte aus. Bild: Matilda Good
    1 / 2
  • Und so danach. Bild: Matilda Good
    2 / 2

Eine computergesteuerte Anlage versorgt die Kräuter in einem geschlossenen Kreislauf mit Wasser und Nährstoffen, sodass mit möglichst wenig von beidem ausgekommen werden kann. Und – dank des Reinraums kann komplett auf Pestizide verzichtet werden. «Besonnt» werden die Kräuter durch energiesparende LED-Lampen mit hohem Rotlichtanteil, natürlich auch computergesteuert. Nur das Ansähen der Setzlinge geschieht noch von Hand.

  • Diese LED-Lampen sind das «Sonnenlicht». Bild: Matilda Good
    1 / 2
  • Das Herzstück der Anlage. Hiermit wird die ganze Bewässerung geregelt. Bild: Matilda Good
    2 / 2

Und schon ist die Nachfrage grösser als Angebot: Die Migros Ostschweiz und die Spar-Gruppe gehören zu den glücklichen Abnehmern der ersten Chargen, während sich andere Interessenten noch gedulden müssen. Gut möglich also, dass Christian Gerig bald die gesamte Halle mit Racks ausfüllen wird.

  • Mit dieser Maschine werden die Kräuter verpackt. Bild: Matilda Good
    1 / 2
  • Es werden immer 20 Gramm abgemessen. Bild: Matilda Good
    2 / 2

«Auf langer Sicht möchten wir unser Kräuter-Angebot auch auf Naturheilkräuter ausbauen. So fänden wir den Anbau von beispielsweise Arnika sehr passend, um die Naturheilmedizin mit regionalen Kräutern zu versorgen», sagt Gerig. Wenn man den Elan und die Begeisterung des Jungunternehmers erlebt hat, dürfte es nicht lange dauern, bis das erste Medtech-Unternehmen bei ihm anklopft, das seine Kräuter künftig nicht mehr um die halbe Welt heranschaffen will.

stgallen24/stz/mg