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Kanton
21.06.2021

Robuster St.Galler Immobilienmarkt

Das Projekt Lehnstrasse in der Stadt St.Gallen
Das Projekt Lehnstrasse in der Stadt St.Gallen Bild: Zima
Die St.Galler Kantonalbank hat ihren Immobilienmarktbericht für das erste Quartal 2021 veröffentlicht. Darin zeigt sich: Die Nachfrage nach Wohneigentum ist im Kanton merklich gestiegen, auch neue Mietwohnungen und Geschäftsflächen bleiben gefragt.

Wohneigentum

Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Wohneigentum in der Ostschweiz jüngst nochmals merklich gestiegen. Das Thema Wohnen hat in weiten Teilen der Bevölkerung einen neuen Stellenwert erlangt, da aufgrund diverser Beschränkungen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht wird. Dazu gehört nicht nur ein schönes und geräumiges Zuhause an sich, sondern auch die Gestaltungsfreiheit und Sicherheit, welche insbesondere ein Eigenheim mit sich bringt. Und dessen Erwerb wird durch das tiefe Zinsniveau weiterhin stark begünstigt. Entsprechend verteuerten sich Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser im Kanton St.Gallen in den vergangenen zwölf Monaten noch stärker als in den Jahren zuvor

Angebot und Baumarkt:
Während das Interesse an Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern stark gewachsen ist, hat das entsprechende Angebot markant abgenommen und liegt in beiden Segmenten auf dem tiefsten Niveau seit Messbeginn im Jahr 2003. Auch wenn im Kanton St.Gallen jüngst wieder mehr Baubewilligungen für neue Einfamilienhäuser erteilt wurden, wird dies den deutlichen Nachfrageüberhang nicht schmälern. Im Segment der Eigentumswohnungen gehen die projektierten Neubauprojekte sogar leicht zurück. Damit wird hier die Suche nach dem idealen Eigenheim immer anspruchsvoller.

Preisentwicklung:
Die Zahlungsbereitschaft für Wohneigentum entwickelte sich zuletzt überraschend stark nach oben: Im 1. Quartal 2021 lag der Durchschnittpreis für Eigentumswohnungen im Kanton St.Gallen um satte 7.6 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresquartal. Fast genauso stark fiel der Preisanstieg mit einem Plus von 7.4 Prozent gegenüber dem Vorjahr im Segment der Einfamilienhäuser aus. Damit lag das Wachstum der Verkaufspreise in beiden St.Galler Eigenheimsegmenten erneut über den landesweiten Vergleichswerten von 5.9 respektive 5.5 Prozent.

Ausblick:
Einiges spricht dafür, dass Wohneigentum auch in diesem Jahr sehr gefragt bleiben wird. Zum einen soll die Schweizer Wirtschaft 2021 nach den letztjährigen Verlusten wieder deutlich wachsen. Zum andern sind wertschöpfungsstarke Dienstleistungs- und Industriebetriebe ohnehin kaum von den Corona-bedingten Einschränkungen betroffen – das heisst, dass potenzielle Nachfrager von Wohneigentum nur geringe Lohneinbussen in Kauf nehmen müssen. Nicht zuletzt dürften auch die Finanzierungsbedingungen den Eigenheimerwerb begünstigen, auch wenn die Hypothekarzinsen jüngst leicht zugenommen haben. So sind auf den Ostschweizer Eigenheimmärkten auch im Jahr 2021 wieder Preisanstiege wahrscheinlich.

Mehr Informationen zum St.Galler Wohneigentumsmarkt finden Sie hier.

Mietwohnungen

Ein Blick auf die Vermarktungsplattformen zeigt, dass im Kanton St.Gallen die Zahl der registrierten Suchabos für Mietwohnungen aktuell um 9 Prozent über dem Vorjahr liegt. Damit ist hier die Mietwohnungsnachfrage zwar wieder etwas angestiegen – jedoch längst nicht im selben Ausmass wie auf den Eigenheimmärkten, wo jeweils rund 40 Prozent mehr Suchabonnemente gezählt werden. Und jene Personen, die sich im Kanton St.Gallen nach einer Mietwohnung umsehen, dürften recht schnell auf ein passendes Objekt stossen, denn in fast sämtlichen Regionen sind die Märkte bestens versorgt – insbesondere im Bereich der mittelgrossen Wohnungen. Entsprechend gering bleibt für Wohnungsanbieter auch in diesem Jahr der Spielraum für Mietpreisanstiege bei der Neu- und Wiedervermietung.

Angebot und Baumarkt:
Obschon das Mietwohnungsangebot in letzter Zeit etwas zurückgegangen ist, bewegt es sich im Kanton St.Gallen mit 8 Prozent am Bestand auf überdurchschnittlich hohem Niveau. Zudem fliessen hier immer noch beachtliche Summen in den Mietwohnungsbau, denn zahlreiche Projekte befinden sich entweder in der Entwicklungspipeline oder stehen kurz vor der Realisierung. Mittelfristig dürfte die Bautätigkeit jedoch an Tempo verlieren: Im 1. Quartal 2021 waren kantonsweit rund 40 Prozent weniger Mietwohnungen baubewilligt als im 1. Quartal des Vorjahres.

Preisentwicklung:
Die inserierten Wohnungsmieten stehen im Kanton St.Gallen schon seit Längerem unter Druck, was in Anbetracht der erheblichen Konkurrenz unter den Anbietern von Mietwohnungen kaum überrascht. Ähnlich wie im Gesamtschweizer Durchschnitt hat sich der Abwärtstrend in den vergangenen 12 Monaten sogar akzentuiert: Im 1. Quartal 2021 lag hier der mittlere Angebotspreis um 2.3 Prozent unter dem 1. Vorjahresquartal (Schweiz: minus 2.4 Prozent).

Ausblick:
Wegen der immer noch regen Neubautätigkeit ist davon auszugehen, dass das Angebot bezugsbereiter Mietwohnungen im Kanton St.Gallen auch in diesem Jahr reichhaltig bleiben wird. Mit deutlich wachsenden Nachfrageimpulsen ist angesichts der vergleichsweise hohen Attraktivität des Wohneigentums indes nicht zu rechnen. Folglich dürften die inserierten Wohnungsmieten auch weiterhin leicht nach unten tendieren. Die besten Vermarktungschancen besitzen derzeit geräumige Mietwohnungen mit mindestens 4 Zimmern, welche inzwischen gefragter sind als kleinere Einheiten.

Mehr Informationen zum St.Galler Mietwohnungsmarkt finden Sie hier.

Geschäftsflächen

Die Ostschweizer Wirtschaft ist bislang besser als erwartet durch die Corona-Pandemie gekommen. Nach zwischenzeitlichen Verlusten lag die Zahl der vollzeitäquivalent Beschäftigten per Ende 2020 um 0.8 Prozent über dem Vorjahresquartal. Getragen wurde das Beschäftigtenwachstum in erster Linie vom Dienstleistungssektor, in welchem binnen Jahresfrist gar ein Wachstum von 1.7 Prozent erfolgte. Die diesjährigen Aussichten für die Ostschweizer Wirtschaft sind verhalten positiv, bleiben jedoch insbesondere für exportorientierte Betriebe von erheblichen Unsicherheiten geprägt. Immerhin haben sich die Erwartungen zur Geschäftslage im Frühjahr 2021 auch bei den Industrieunternehmen stabilisiert. Sehr anspruchsvoll bleibt hingegen die Lage für den stationären Detailhandel.

Angebot und Baumarkt:
Aufgrund der positiven Beschäftigungsentwicklung in einzelnen Bürobranchen profitierten die Ostschweizer Büroflächenmärkte zuletzt von einer intakten Flächenabsorption. Das Gesamtangebot in den Kantonen St.Gallen und Appenzell-Ausserrhoden lag im 1. Quartal 2021 bei 106‘000 Quadratmetern und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent reduziert. Gemessen am Bestand bewegt sich das Mietangebot zudem fast überall im nationalen Durchschnitt oder darunter (beispielsweise in der Region Wil). Die Baubewilligungen deuten nun mancherorts auf einen Anstieg in den Neubautätigkeiten hin; diese dürften aber das verfügbare Flächenangebot kaum beeinflussen.

Preisentwicklung:
Die robuste Nachfrage nach Geschäftsflächen hat sich zuletzt in der Mietpreisentwicklung niedergeschlagen. Im 1. Quartal 2021 sind im Kanton St.Gallen die Angebotsmieten für Büroflächen im Vorjahresvergleich um rund 3 Prozent angestiegen, während sie sich im Gesamtschweizer Durchschnitt nicht nennenswert nach oben entwickelt haben. Auch die nach wie vor stabilen Vermarktungsdauern von Büroflächeninseraten (85 Tage im 4. Quartal 2020) zeigen, dass der hiesige Geschäftsflächenmarkt auf einem gesunden Fundament steht.

Ausblick:
Die Perspektiven für die Vermieter von Geschäftsgebäuden bleiben nichtsdestotrotz herausfordernd. Die derzeit noch unsichere Wirtschaftslage dürfte selbst wachsende Unternehmen dazu veranlassen, eine Erweiterung der Büroflächen kritisch zu hinterfragen – zumal das vermehrte Arbeiten im Homeoffice sogar ein gewisses Einsparpotenzial bietet. Andererseits bringen die zunehmend hybriden Arbeitsweisen aber auch neue und anderweitige Platzbedürfnisse mit sich, die gedeckt werden müssen. Einschneidende Flächenreduktionen sind demnach zwar unwahrscheinlich, mit Preiszugeständnissen muss jedoch auch weiterhin gerechnet werden.

Mehr Informationen zu den St.Galler Geschäftsflächen finden Sie hier.

Quelle: St.Galler Kantonalbank

leaderdigital.ch/stz.