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«Kunst gehört in den öffentlichen Raum»

Fast fertig: Das riesige Kunstwerk an der Oberstrasse 167B.
Fast fertig: Das riesige Kunstwerk an der Oberstrasse 167B. Bild: Matilda Good
Dominik Rüegg war mal Gärtner, bevor er gemerkt hat, dass er ohne Malen nicht kann. Jetzt gehört er zu den bekanntesten Künstlern der Ostschweiz und gestaltet gerade eine riesige Hausfassade in St.Gallen.

Während der Arbeit im Garten merkte Dominik Rüegg irgendwann, dass der Beruf vielleicht doch nicht der richtige für ihn ist. Also tauschte er die Gartenschere gegen einen Pinsel. 

«Malen ist ein Teil von mir, ich habe schon immer gemalt. Als ich die Gärtnerlehre gemacht habe, hat mir das Zeichnen gefehlt. Deshalb entschied ich mich für den Vorkurs und anschliessend für die Berufsmaturität. Danach habe ich Kunst und Vermittlung für ein halbes Jahr, in Zürich studiert und habe dann, nach Luzern gewechselt um Zeichentrick Animation in 2D zu studieren», erzählt Rüegg.

Endlich Streetart in St.Gallen

Aus Dominik Rüegg wurde dann «Drü-Egg»: «Als Künstler ist es schwierig nur von der Kunst zu leben und wirtschaftlich zu funktionieren. Deshalb brande ich mehr mit meinen Namen. Ich mache lieber Skatboards oder bemale eine Fassade, als meine Kunst in einer stillen Galerie auszustellen. Denn ich finde, dass Kunst in den öffentlichen Raum gehört. In der Schweiz und Deutschland kommt der Künstlername super an – In England muss ich den Leuten immer erklären, dass ich nicht mit Eiern zu tun habe.»

Gerade bemalt der Künstler die acht Meter hohe und breite Hausfassade an der Oberstrasse 167B. «In den letzten paar Jahren durfte ich immer mehr Wände in der Schweiz anmalen – ausser in meiner eigenen Stadt. Da ich in der Nähe dieser Fassade wohne und auch jeden Tag an ihr vorbeikomme, dachte ich, dass ich ja mal die Stadt anhauen könnte und fragen, ob ich die Wand bemalen darf», so der 34-Jährige.

  • Die drei Weihern in verschiedenen Farben. Bild: Matilda Good
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  • Ein Zelt am OpenAir St.Gallen. Bild: Matilda Good
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Openair, Kreuzbleiche und Bratwurst

Daraufhin musste «Drü-Egg» der Stadt in einem Baugesuch detailliert darlegen, weshalb das Bild genau an diese Fassade soll, welche Farben und Elemente er verwenden möchte. «Das Bild zeigt verschiedene Elemente, die für mich persönlich für St.Gallen stehen. Es sind zum Beispiel Orte, an denen ich mich gerne aufhalte, wie die Drei Weihern oder auch geschichtliche Aspekte, die mich faszinieren, wie die Stickereien oder die Kreuzbleiche.»

Nach einem Jahr und einem Crowdfunding, wobei innert drei Tagen 9000 Franken zusammenkamen, konnte der Künstler endlich ans Werk. Das Wandbild soll bis zu den Sommerferien fertig sein - und die Stadt ein Stück bunter machen. Der Künstler rechnet mit insgesamt zehn Arbeitstagen, bis er die Fassade mit Farbroller und Pinsel fertig gestaltet hat. Insgesamt kostet das Projekt 20'000 Franken.

Mehr Wände und mehr Künstler

Corona traf viele Künstler hart, aber der St.Galler kam gut davon: «Ich habe viele Auftragsarbeiten und deshalb war ich nicht so stark betroffen wie viele andere. Zudem haben wir während der Pandemie unser eigenes Coronaprojekt gelauncht; eine Plattform, die lokale Künstler unterstützt. Dies kam so gut an, dass wir daraus ein dauerhaftes Projekt gemacht haben.»

Drü-Egg hofft, dass er in Zukunft noch mehr Wände in St.Gallen bemalen darf und auch andere Künstler diese Chance erhalten. Und welche Pläne hat der Künstler sonst noch so? «Ich würde unglaublich gerne selbst Snowboards machen. Das ist mein Traum seit eh und je. Hoffentlich klappt das bald mal. Ansonsten bin ich zurzeit sehr zufrieden und finde es super, wie alles läuft.»

Bild: Matilda Good
Matilda Good/stgallen24