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Auto/Mobilität
03.03.2020
03.03.2020 17:26 Uhr

«Das Projekt ist vollends aus der Zeit gefallen»

Mit dem Strassenbauprojekt «Zubringer Appenzellerland» soll ein neuer Autobahnanschluss entstehen. Der Verkehrs-Club der Schweiz kritisiert das Projekt scharf.

Mit «Zubringer Appenzellerland» soll auf dem Streckenabschnitt St.Gallen Winkeln bis Ende Herisau in Zukunft Stau vermieden werden. Die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen präsentierten dazu am Montag die Ergebnisse von befragten Unternehmungen, stgallen24 berichtete. Gemäss der Antworten sind eine «gute Erreichbarkeit mit Auto», eine «gute Erreichbarkeit für die Kundschaft» und «Sicherheit im Strassenverkehr» drei der wichtigsten Standortfaktoren. Das Projekt mit einem direkten Anschluss an die A1 und der Umfahrung Herisau soll diese Erwartungen erfüllen können.

Weniger begeistert vom Projekt ist der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) und reagierte am Dienstag auf die Publikation der Ergebnisse mit klaren Worten:

«Das Ansinnen der Tiefbauämter in den Baudirektionen der Kantone St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden betreffend Zubringer Appenzellerland erinnern an die Autobahneuphorie der 60er Jahre und ignorieren die Umwelt- und Raumprobleme der Gegenwart komplett. Dass die befragten Unternehmungen sich über noch bessere strassenseitige Anbindung freuen würden ist so klar, wie sich die Mitarbeitenden über eine zusätzliche Ferienwoche freuen würden. Gefragt sind heute jedoch klimafreundliche Mobilitätskonzepte mit Velo, öV, Fahrgemeinschaften und Homeoffice und keine zusätzlichen Strassen, die erneut umweltfeindlichen Mehrverkehr generieren würden.

Es ist vollends aus der Zeit gefallen, bei fortschreitendem Klimanotstand wenige hundert Meter neben dem bestehenden gut ausgebauten Autobahnanschluss Winkeln einen weiteren Anschluss zu bauen. Das wäre schweizweit einmalig und hat darum aus nationaler Optik selbst unter Strassenbauanhängern keinerlei Priorität. Mit dem bald abgeschlossenen Ausbau der Appenzellerstrasse von Winkeln nach Herisau ist das Appenzellerland ausreichend ans Autobahnnetz angeschlossen. Die von den zwei Baudepartementen hochgelobten Zeitgewinne von nur wenigen Minuten müssten durch zwei teure Tunnels durch die Wachtenegg und den Nieschberg sowie erheblichen Kulturlandverschleiss erkauft werden. Und jede zusätzliche Strasse verursacht erwiesenermassen Mehrverkehr. Im Gutachten von Ecoplan steht, dass der Mehrverkehr wegen fehlender Datengrundlagen nicht berücksichtigt wurde, dass dieser das Ergebnis aber bestimmt negativ beeinflussen würde.

Das Verschweigen die Kantone jedoch in Ihrer Medienmitteilung. Die Studie erwähnt, dass der neue Zubringer auf dem bestehenden Netz die Situation für öV-Busse und Velos verbessern würde. Das gleiche Ziel erreicht man besser und schlauer mit dem Einrichten von Busspuren und einer deutlich verbesserten und sicheren Veloinfrastruktur! Und kosten würde das einen kleinen Bruchteil des völlig überrissenen Autobahnanschlusses. Für den Tourismus bieten die Appenzellerbahnen neues, funktionales Rollmaterial und einen attraktiven Fahrplan. Die Alternativen zum «Staustehen» sind vorhanden und können genutzt werden.

Klimaerhitzung und Raumplanung verpflichten uns zur Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens. Alleine im Zweitönner-SUV zur Arbeit und zum Vergnügen zu fahren, liegt bald nicht mehr drin. Das Langzeitprojekt Autobahnanschluss Appenzellerland wird in wenigen Jahren von der gesellschaftlichen Entwicklung eingeholt und folglich nie realisiert werden.»

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MIK/PD