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Wirtschaft
03.05.2021

«Besser, aber noch nicht gut»

Bild: Shutterstock
An den Aktienmärkten ist die Corona-Pandemie Geschichte, zumindest was die Kurse betrifft.
  • Von Dr. Thomas Stucki, CIO St.Galler Kantonalbank

In den USA ist die Arbeitslosenrate auf 6.0% gesunken. Im Vergleich zu der Zeit vor Corona sind aber immer noch 8 Millionen Leute weniger beschäftigt. Besonders betroffen sind Jobs aus dem Niedriglohnbereich und damit Leute, die sich ohne finanzielle Reserven von Lohnzahlung zu Lohnzahlung hangeln.

In Europa geben sich wirtschaftliche Öffnungsschritte und neue Lockdowns die Hand. In Indien wütet das Virus und lähmt das Land. In Japan versuchen die Behörden, mit immer neuen Einschränkungen die Durchführung der Olympischen Spiele zu retten. Einzig aus China hört man durchwegs positive Meldungen über einen Wirtschaftsaufschwung.

Zukunft fest im Blick

Es ist bekannt, dass sich die Anleger weniger für die Gegenwart als für die Zukunft interessieren. Die Prognose für das in diesem Jahr mit 6.5% stärkste Wirtschaftswachstum in den USA seit dreissig Jahren lässt ihre Herzen schneller schlagen. Dass ein Grossteil davon lediglich ein Aufholen des letztjährigen Einbruchs der Konjunktur ist, wird als Nebensächlichkeit abgetan. Rekordgewinne von Corona-Profiteuren wie Google oder Amazon überstrahlen das Wegbrechen der Einnahmen in vielen anderen Unternehmen.

Steigende Rohstoffpreise lassen die Anleger von einem neuen Superzyklus träumen, obschon die Preise von Industrierohstoffen nach Rezessionen regelmässig steigen. Bis die Minen ihre Produktion wieder erhöhen und das Angebot mit der gestiegenen Nachfrage mithalten kann, braucht es jeweils seine Zeit. Wenn dann die Zentralbanken noch ihre Zinsen tief halten und das System mit Geld vollpumpen, kann an der Börse nichts mehr schief gehen, egal wie hoch die Preise schon sind. Dabei sollte gerade das Vorgehen der Zentralbanken zur Vorsicht mahnen. Dass die Fed und die EZB ihre Käufe von Anleihen nicht zurückfahren, zeigt, dass sie der Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung noch nicht trauen.

Kuzfristig überwiegen positive Meldungen

In den nächsten Wochen und Monaten werden die positiven Meldungen überwiegen, allein schon nur aufgrund des Basiseffekts. Im Vergleich zur Vorjahresperiode, dem Lockdown im 2. Quartal 2020, können die Zahlen aus der Wirtschaft und von den Unternehmen fast nur gut aussehen. Das wird die Investoren erfreuen und den Aktienkursen die nötige Fantasie verleihen. Heikler wird die Periode nach dem Sommer, wenn die guten Daten des zweiten Quartals bestätigt werden müssen.

Gleichzeitig wird die Frage, wann die Zentralbanken ihre ausserordentlichen Massnahmen reduzieren, stärker in den Vordergrund rücken. Effektiv wird das zwar erst im nächsten Jahr passieren. Die Finanzmärkte wird es aber schon im Vorfeld bewegen. An die Ruhe der letzten Wochen wird man im Herbst mit Wehmut zurückblicken. Dank der fortschreitenden konjunkturellen Erholung bleibt das mittelfristige Umfeld für die Aktien aber gut, weshalb man sich dann von den stärkeren Kursschwankungen nicht beeindrucken lassen sollte.

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank und führt bei der SGKB das Investmentcenter Bild: zVg

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 35 Mitarbeiter. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von 7,5 Milliarden Franken. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

mg/pd