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Stadt St. Gallen
08.04.2021
09.04.2021 12:33 Uhr

«Schmeisst uns nicht alle in einen Topf»

Zerstörungswut und Randalen: Viele Jugendliche distanzieren sich davon. Bild: Stadtpolizei St.Gallen
Die St.Galler Krawallnächte rückten Jugendliche in ein schlechtes Licht. Nun melden sich Unbeteiligte zu Wort und stellen klar: «Viele von uns würden so etwas nie machen!».

In den letzten Tagen dominierten die St.Galler Jugendlichen die lokalen, aber auch nationalen Schlagzeilen. Während viele Verständnis für die Frustration über die aktuellen Massnahmen zeigten, wurden die Randalen von Politikern und Bevölkerung scharf verurteilt. Doch nicht alle Jugendlichen folgten den Aufrufen von Social Media. Viele von ihnen distanzieren sich klar von der Aktion, wie sie gegenüber stgallen24 erzählen:

Jonas Alshazly  (20) aus Grub SG

«Ich finde die Jugendlichen, die da waren, haben einfach nur einen Grund gesucht, um Krawall zu machen, Alkohol zu trinken und das Adrenalin zu spüren. Dieses Mal 'protestieren' sie gegen die Corona-Massnahmen, das nächste Mal finden sie wieder einen anderen Grund. Ich finde es einfach schade, dass Leute in meinem Alter so radikal denken und kein bisschen Verantwortung zeigen. Sie tun so, als hätten sie ein Scheiss-Leben und als hätten sie das Wort Solidarität noch nie gehört.»

Jonas Alshazly aus Grub SG. Bild: Matilda Good

Jose Manso (23) aus St.Gallen

«Grundsätzlich finde ich Proteste – egal, worum es geht – total in Ordnung, auch wenn ich nicht dahinter stehe. Grund dafür ist die 'Freedom of Speech'. Jedoch finde ich die Proteste, wie sie momentan in St.Gallen stattfinden, nicht tolerierbar. Sobald Gewalt und Sachbeschädigungen ins Spiel kommen, sind Legitimität und Grund des Protestes fragwürdig. Die jungen Menschen lassen ihren Frust an der Polizei aus, während sie Alkohol trinken und eine gute Zeit haben, anstatt aktiv den schwereren, aber richtigen Weg über die Politik zu gehen.»

Lena-Marie Rosenfelder (18) aus Grub SG

«Also ich finde das alles unnötig. Warum haben diese Jugendlichen das Gefühl, dass – wenn sie so weitermachen – der Bund die Massnahmen ändern werde? Meiner Meinung nach werden diese dadurch nur noch mehr verschärft, wenn die ganzen Idioten zu Tausenden hingehen und sich das Virus verbreitet. Dann beginnen wir wieder von vorne! Vielleicht haben diese Krawall-Chaoten jetzt das Aufsehen für einige Wochen, das sie erreichen wollten. Der Bundesrat wird aber nicht sagen: 'Ah, in St.Gallen randalieren die Jugendlichen, machen wir alles auf und durchseuchen mal die Bevölkerung.'

Genau wegen solchen Leuten wird Corona kein Ende finden. Klar verstehe ich die jungen Menschen, dass sie nicht mehr nur zu Hause sein wollen, da ich selbst die Nase langsam voll habe. Aber das ist kein Grund, die Stadt St.Gallen zu demolieren und Sachschaden zu begehen. Wenn, dann sollen sie sich gegenseitig boxen und nicht Schaufenster kaputt machen von Läden oder Restaurants, die bereits am Existenzminimum stehen. Wenn sie sich in der Stadt treffen und friedlich demonstrieren würden, hätte ich damit gar kein Problem. Aber unnötig Dinge kaputt zu machen, ist das Allerletzte.»

Lena-Marie Rosenfelder aus Grub SG. Bild: Matilda Good

Jennifer Dürlewanger (19) aus Goldach

«Also ich finde es wirklich dumm und ich schäme mich, dass so etwas in St.Gallen passiert, weil jetzt alle Jugendliche – ob sie jetzt dort waren oder nicht – in einen Topf geworfen werden. Natürlich haben wir es alle satt und wollen wieder Party machen oder in Clubs gehen, aber nicht auf Kosten von Geschäften oder Restaurants. Es ist einfach nicht fair den Leuten gegenüber, die sowieso schon extrem unter der Situation leiden. Ich verstehe auch nicht, was diese Menschen mit den ganzen Krawallen bezwecken wollen. Für mich sind das einfach Leute, die Aggressionen loswerden wollen und nicht sehr viel mitdenken.»

Alina Lutz (19) aus Eggersriet

«Ich habe mich sehr über die Interviews in Medien wie '20 Minuten' aufgeregt, denn keiner dieser interviewten Jugendlichen konnte einen guten Grund für die 'Proteste' nennen. Sie haben sich die ganze Zeit selbst widersprochen! Als ich das gesehen habe, dachte ich nur so: Checkt ihr eigentlich, was in der Welt abgeht?

Diese Jugendlichen nutzen das wirklich nur aus, um zu randalieren – und niemand hat einen Grund dafür. Es kommt so rüber, als ob die ganze Jugend dumm ist. Vor allem machen die Krawall-Leute die Situation nur schlimmer, wenn sie sich versammeln. Vor allem verstehe ich die Wut gegen die Polizei nicht. Sie verteidigen nur die Gesetze. Für mich macht es keinen Sinn. Ich finde es dumm, und es macht mich wütend.»

Elija Nauer (18) aus Heiden

«Ich finde es eigentlich nicht schlecht, wenn die Jungen auf sich aufmerksam machen und sich zeigen. Aber warum muss man daraus Krawalle machen, wenn man auch friedlich demonstrieren könnte? Ich habe das Gefühl, dass es nicht um das Demonstrieren geht, sondern eher darum, Party zu machen und blöd zu tun. Das finde ich falsch. Man sollte sinnvoll und schlau auf Missstände aufmerksam machen – eben mit Demos oder über die Politik. Also für diese Krawalle habe ich wirklich kein Verständnis.»

David (19) aus Eggersriet

«Ich finde es gar nicht gut und unterstütze es überhaupt nicht, dass man Dinge kaputt macht und aus Lust und Laune heraus randaliert. Das hat meiner Meinung nach nichts mit Corona-Protesten zu tun. Es ist zwar schon so, dass wir Jugendlichen sehr in den Hintergrund geraten sind und dass auf unsere Bedürfnisse nicht eingegangen wird. Deshalb verstehe ich, wenn mann mal auf sich aufmerksam machen will – aber doch nicht so!»

Matilda Good