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07.04.2021
07.04.2021 13:46 Uhr

Den Bauernhof entdecken

Motivierte Jugendliche können auf agriviva.ch ein Profil erstellen Bild: Agriviva
Agriviva ermöglicht jungen Menschen zwischen 14 und 24, in der Landwirtschaft Erfahrungen fürs Leben zu sammeln und auf einem Bauernhof selbst mitanzupacken – auch in Coronazeiten.

2021 feiert Agriviva sein 75-jähriges Bestehen. Die gemeinnützige Organisation bringt Jugendliche und Bauernfamilien zusammen und versteht sich als Brückenbauerin zwischen Stadt und Land, über die verschiedenen Sprachregionen hinweg. Agriviva ermöglicht jungen Menschen zwischen 14 und 24 Jahren, in der Landwirtschaft wertvolle Erfahrungen fürs Leben zu sammeln und auf einem der rund 500 angeschlossenen Bauernhöfe in der ganzen Schweiz selbst mitanzupacken.

Geschichte

Der Landdienst findet seinen Ursprung in den Zwanzigerjahren. Damals herrschte vor allem unter Jugendlichen und Intellektuellen eine technikfeindliche Stimmung. Die rasante Industrialisierung und Verstädterung schürten die romantische Sehnsucht nach der Natur. Während der Wirtschaftskrise der Dreissigerjahre bot die Landwirtschaft Arbeitseinsätze für arbeitslose Jugendliche an und 1933 wurde die „Schweizerische Zentralstelle für freiwilligen Arbeitsdienst“ gegründet. Während den Kriegsjahren war der Landdienst vorübergehend
obligatorisch. Die Jugendlichen mussten als Landdienstpflichtige mithelfen und wurden vor allem zur Bepflanzung der Äcker eingesetzt.

Vom Landdienst zu Agriviva

Am 21. November 1946 wurde der „Landdienst“ ins Leben gerufen, für Einsätze auf freiwilliger Basis. Weil „Landdienst“ jedoch teilweise falsche Assoziationen hervorrief, entschied sich die gemeinnützige Organisation für eine Namensänderung und nennt sich seit 2009 „Agriviva“- Agri (Landwirtschaft) und Viva (Leben).

Im Laufe der Jahre hat sich das Ziel eines Landdienst-Einsatzes verändert. Nach wie vor sind helfende Hände auf den Höfen willkommen. Heute geht es jedoch vor allem darum, Jugendliche durch eine aktive Mitarbeit die Landwirtschaft erleben zu lassen. Sie gehen einer sinnvollen Beschäftigung nach und erhalten die Möglichkeit, selbstverantwortlich eine Arbeit zu übernehmen, andere Lebensumstände kennenzulernen und ihre Sozialkompetenzen zu erweitern.

Das gegenseitige Verständnis zwischen jungen Menschen und dem ländlichen Leben mit seiner Landwirtschaft und seinen regionalen Besonderheiten wird dank Agriviva gestärkt. Die Organisation ist heute für Jugendliche ein Fenster zur Landwirtschaft und bringt Konsumenten und Produzenten zusammen.

Die Schweizer Landwirtschaft ist vielfältig 

Kenntnisse über die Lebensmittelproduktion und einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu vermitteln, ist ein Teil der Mission von Agriviva. Der Verein fördert den Austausch zwischen Generationen, Kulturen, Traditionen und Mentalitäten. Die Vision von Agriviva ist es, den Jugendlichen Begegnungen in und mit der Landwirtschaft zu ermöglichen und damit einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Kohärenz zu leisten. Interessierte Gastfamilien können sich und ihren Bauernhof auf der Plattform www.agriviva.ch präsentieren. Motivierte Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren erstellen auf derselben Website ein Profil und können anschliessend einen Einsatz auf dem für sie passenden Bauernhof reservieren. Jugendliche mit Wohnsitz im Ausland müssen zwingend Staatsbürger eines EU-/EFTA-Staates und zum Einsatzzeitpunkt 16 Jahre alt sein.

Für einen Agriviva-Stage brauchen die Jugendlichen keine Vorkenntnisse. Wichtig ist das Interesse an der Landwirtschaft und die Bereitschaft zur Mitarbeit. Es hat für jede und jeden das Passende dabei. Die Jugendlichen lernen auf dem Bauernhof eine für sie meist neue Welt kennen. Wer mindestens 16 Jahre alt ist und über gute Sprachkenntnisse verfügt, kann sich in einer anderen Sprachregion einen Bauernhof aussuchen. Viele Jugendliche machen Agriviva-Einsätze im Rahmen eines von ihren Schulen vorgeschriebenen Sozialpraktikums.

Über Agriviva

In den vergangenen 75 Jahren konnte Agriviva/Landdienst über 340‘000 Jugendlichen einen Platz auf dem Bauernhof für die Dauer zwischen einer und acht Wochen vermitteln.

Mit den 15 regionalen Vermittlungsstellen garantiert die dezentrale Organisationsstruktur einen engen Bezug zu den Gastfamilien. Die Vermittlungsstellen sind bei bäuerlichen Organisationen oder kantonalen Verwaltungen angegliedert und kennen die Bauernfamilien. Diese lokale Verankerung ist ein Qualitätsmerkmal. Damit der Familienanschluss gewährleistet ist, werden die Jugendlichen nicht an Einzelpersonen vermittelt. Pro Jahr bieten rund 500 aktive Betriebe Einsätze für Jugendliche auf ihren Bauernhöfen an.

Nebst der Erwirtschaftung eigener Mittel wird der privatrechtliche Verein Agriviva durch das Bundesamt für Sozialversicherungen für seine ausserschulische Kinder- und Jugendarbeit sowie durch die Kantone wie auch von privaten Organisationen, Gönnern und Stiftungen unterstützt. Er ist aufgrund seiner gemeinnützigen Tätigkeit steuerbefreit.

stgallen24/stz.