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Stadt St. Gallen
06.04.2021
06.04.2021 17:04 Uhr

«Kein spezifisches Ausländerproblem»

Bild: SRF
Auf Videos sind auffällig viele Jugendliche mit Migrationshintergrund zu sehen, die bei den Ausschreitungen in St.Gallen dabei waren. Die Stadtpolizei und Experten nehmen Stellung.

In einem SRF-Beitrag wurde berichtet, auf Videos aus St.Gallen seien auffällig viele junge Männer mit Migrationshintergrund zu sehen, die an der Krawallnacht vom Karfreitag dabeiwaren. Auch stgallen24-Leser haben sich bei uns gemeldet und darauf hingewiesen, dass an den Ausschreitungen «vor allem südländische Typen» beteiligt gewesen sein sollen.

15 Schweizer, fünf Ausländer

Roman Kohler, Leiter Fachstelle Kommunikation der Stadtpolizei St.Gallen, sagte auf Anfrage zu stgallen24, dass von den 20 am Freitagabend eingebrachten oder verhafteten Jugendlichen fünf einen ausländischen Pass gehabt hätten, 15 hingegen einen Schweizer. Ob letztere einen Migrationshintergrund haben, konnte Kohler nicht sagen. Was aber aufgefallen sei: «Die Randalierer konnten nicht eindeutig einem politischen Spektrum, etwa den Fussballhooligens oder dem Schwarzen Block, zugeordnert werden.»

Zwar neigten junge Menschen mit Migrationshintergrund etwas stärker zu Gewalt, sagte Gewaltforscher Dirk Baier von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften zu SRF. «Doch das hat seine Gründe – wie schlechtere Integration und Zukunftsperspektiven.» Auch seien sie womöglich von der Pandemie stärker betroffen. «Doch es gibt genauso Schweizer Jugendliche, die den Krawall suchen», so Baier. Deshalb seien die Gründe für den Karfreitagskrawall eher in anderen Faktoren als dem Migrationshintergrund zu suchen. Wenn, dann sei das Problem eher, dass gewisse Jugendliche schlechte Zukunftsperspektiven hätten – unabhängig von ihrer Herkunft.

Und Thomas Richter, Leiter des Schweizerischen Instituts für Gewaltprävention, sagte zu SRF: «Wenn jemand es nötig hat, derart gewalttätig auf der Strasse aufzutreten, dann hat er selber sehr erhebliche Probleme.» Sowieso seien bei solchen Ausschreitungen oft alle sozialen Schichten vertreten.

«Grenzen aufzeigen ist wichtig»

Beide Experten betonen, dass sie die Gewalt verurteilen. Und es sei gut, dass die Polizei durchgreife, betont Richter. Es sei wichtig, dass die Randalierer zur Rechenschaft gezogen werden. «Sie müssen lernen, wo die Grenze ist. Wenn sie das sonst nicht lernen, setzt halt die Justiz die Grenze.»

Wichtig sei aber auch, dass die Behörden nun stärker auf die Jugendlichen zugingen und ihre Anliegen aufnähmen, ergänzt Baier. Man müsse darüber nachdenken, wie man die Jugend bei den Coronamassnahmen besser einbinden könne – auch wenn das direkt nichts mit den Krawallen von St.Gallen zu tun habe. «Das ist eine wichtige Massnahme, um die Jugend jetzt mal richtig hören zu können.»

Auch glaube er nicht, dass es jetzt eine «Epidemie an Krawallen» in der Schweiz komme. Letzteres hoffen auch die St.Galler Behörden.

stgallen24