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Gesundheit
25.03.2021
27.03.2021 19:38 Uhr

Wenn Senioren endlich wieder an Festivals tanzen können

Bild: pixabay/ Montage: Matilda Good
Während Länder wie Israel schon fast durchgeimpft sind, haben in der Schweiz noch nicht mal alle Risikopatienten einen Piks gekriegt. Junge müssen sich noch lange gedulden. Ein Kommentar.

Seit über einem Jahr hält Corona die Welt auf Trab. Doch es ist Licht am Ende des Tunnels, denn schliesslich gibt es mehrere vielversprechende Impfstoffe und ein normales Leben scheint zumindest wieder greifbarer als im Jahr 2020 – oder?

Während es für die physischen Beschwerden ein Mittel gibt, nehmen die psychischen Probleme weiter zu. Besonders Jugendliche leiden unter der aktuellen Situation und dies könnte noch eine Weile so weitergehen. Denn: Jugendliche gehören laut der Schweizer Impfstrategie zu den letzten, die eine Impfung erhalten. Das sei unverständlich findet stgallen24-Praktikantin Matilda Good in ihrem Kommentar: 

Die Schweizer Impfstrategie unterscheidet sich nicht stark von jener unserer Nachbarsländer: Zuerst werden besonders gefährdete Personen geimpft, um sie zu schützen und damit schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu reduzieren. Die Belastung der Spitäler und Pflegeheime soll damit reduziert werden und das Gesundheitssystem intakt bleiben. Danach folgt das Pflegepersonal, dann enge Kontakte von gefährdeten Personen, Personen von Gemeinschaftseinrichtungen und schlussendlich alle anderen Erwachsenen, die sich impfen lassen möchten. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden und es ist wichtig, dass gefährdete Personen Vorrang haben. Doch das Tempo, mit dem zurzeit geimpft wird, rückt das normale Leben für die junge Generation in weite Ferne. 

Seit Monaten müssen Jugendliche für die vulnerablen Personen zurückstecken, verzichten und leiden. Homeschooling, keine sozialen Kontakte, keine Freizeitmöglichkeiten und keine Partys an den Wochenenden werden nicht spurlos an einer ganzen Generation vorbeigehen. Es braucht dringend Perspektiven, aufbauende Worte seitens Regierung und Hoffnung auf Privilegien. Denn: Ist es nicht die junge Generation, die an Festivals teilnimmt, die in Bars sitzt, die Konzerkarten kauft, in den Flieger steigt und viel reist? Ist es nicht sie, die die Wirtschaft wirklich wieder ankurbeln könnte? Und: Ist es nicht sie, die das Virus am meisten verbreitet?

Indonesien gehört beispielsweise zu den Ländern, die jüngere Personen zuerst impft: «Wir zielen zuerst auf diejenigen, die es wahrscheinlich bekommen und auch verbreiten», so Gesundheitsminister Budi Gunadi Sadikin. 

Dass es Privilegien für Geimpfte geben wird, ist lange kein Geheimnis mehr. Erst kürzlich bestätigte das BAG die Einführung eines Impfzertifikats, womit uneingeschränktes Reisen wieder möglich sein wird. Auch weitere Freiheiten, wie der Besuch eines Festivals oder eines Restaurants können für Geimpfte bald Realität werden. Ich stelle mir also vor, wie die ältere Generation geimpft ist und Festivals, Bars, Konzerte, Clubs und Restaurants besucht. Ü80-Partys wohin das Auge reicht. Das wird die Wirtschaft wahnsinnig ankurbeln. (Ironie off)

Die Geduld und Solidaritätsbereitschaft der Jugendlichen scheint ausgeschöpft zu sein – das beweisen die vielen illegalen Partys in der Stadt St.Gallen. Ich wünsche mir mehr Tempo und eins oder zwei Wörter vom Bundesrat direkt an die Jugend gerichtet. Es braucht Perspektive auf Impfung und Lockerungen. Ansonsten wird wahrscheinlich illegal weitergetanzt. 

Matilda Good