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15.03.2021
15.03.2021 10:25 Uhr

Gibt es noch Perspektiven fürs Nachtleben?

Bild: pexels
Seit einem Jahr befindet sich das St.Galler Nachtleben in einem Lockdown und noch immer ist keine Öffnung in Sicht. Die Betroffenen fordern mehr Perspektiven.

Der Freitag, der 13. März 2020, wird den Gestaltern des Schweizer Nachtlebens wohl noch ewig in Erinnerung bleiben, als der Bundesrat entschied, Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen zu verbieten und somit einen Schlusspunkt hinter das politische Gerangel zwischen Bund und den Kantonen zu setzen.

Den Veranstaltern wurde aber klar, dass Covid-19 das Nachtleben vor grosse Herausforderungen stellen wird. Zwölf Monate später blicken Vereine wie «Nachtgallen St.Gallen» auf ein Jahr zurück welches geprägt war von der Unsicherheit jedes einzelnen Betriebes, wie die Liquidität gesichert und eine Überschuldung verhindert werden kann. Gemeinsam mit der «Schweizer Bar und Club Kommission» sehen grossen Handlungsbedarf.

Keine Lockerungen für Clubs und Bars

Die epidemiologische Lage in der Schweiz liess anfangs März erste Lockerung zu, die Lage sei aber weiterhin unstabil. Am Freitag, den 12. März wurden weitere Öffnungsschritte in die Vernehmlassung geschickt, ob diese tatsächlich ab dem 22. März in Kraft treten werden, ist abhängig von der epidemiologischen Lage. Clubs und Bars sind von diesen Öffnungsschritten noch nicht betroffen, auch für die Veranstaltungsbranche bieten diese keine Perspektive.

Mit einem Drittel der Kapazität, bis maximal 150 Personen und einem Verpflegungsverbot lassen sich in der Schweiz nur subventionierte Veranstaltungen mit einem niedrigen Eigenfinanzierungsanteil durchführen.

Grundsätzlich begrüsst werde, dass der Bundesrat an einer Politik der kleinen Öffnungsschritte festhält. Denn nur wenn die Lage stabil und die Zahlen tief sind, gibt es auch eine Perspektive für die Kultur der Nacht. Dabei gilt es zu bedenken, dass richtig zu, oft einfacher ist als ein halb geöffneter Betrieb zu managen. Dies scheint nun auch dem Bund bewusst zu sein, umso erfreulicher sei die Information, dass der Zugang zu den Härtefallgelder auch bei einer partiellen Öffnung z.B. Terrassen bei Restaurants weiterhin gewährleistet sein soll.

Dürfen Terrassen am 22. März öffnen? Bild: Miryam Koc

Starkes Commitment gefordert

Unterstützung wie Kurzarbeit, Entschädigung für Kulturunternehmen und der Härtefall bieten eine wichtige, wenn oft auch sehr bürokratische Hilfe an. Trotz der Unterstützung bleibe ein Teil der Fixkosten weiterhin bei den Unternehmen hängen. Ohne Reserven, die Bereitschaft der Eigentümer auf Löhne zu verzichten, wären schon länger weitere Konkurse zu beklagen, heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung von Schweizer Bars und Clubs.  Da noch nicht absehbar ist, ab wann die Nachtkulturorte wieder Gäste empfangen dürfen, brauche es ein starkes Commitment, dass man gewillt sei, die Kultur der Nacht weiterhin in dieser Krise zu unterstützen.

Wettbewerbsverzerrung wegen Kantönli-Gesit

Die Unterschiede von Kanton zu Kanton könnten nicht grösser sein, heisst es weiter in der Mitteilung. Kantone wie Bern, Zürich und Basel anerkennen Clubs mit aktueller Musik als Kulturunternehmen. In anderen Kantonen wie Aargau, Luzern, Zug oder auch das Waadtland gelten die gleichen Betriebe als Diskotheken, die Zugang zum Härtefall haben. Im Kanton St.Gallen sind Kulturunternehmen aus den Bereichen darstellende Künste, Design, Film, visuelle Kunst, Literatur, Musik und Museen anspruchsberechtigt.

Je nach Kanton fährt man mit dem Härtefall in anderen wiederum mit der Entschädigung für Kulturunternehmen besser, eine Disharmonie welche zu einer Wettbewerbsverzerrung führe. Deshalb sei es Zeit nach zwölf Monaten eine Klärung und Harmonisierung über die Covid-19 Kulturverordnung vorzunhemen. 

Keine Planungssicherheit für grosse Veranstaltungen. Bild: PD

Schutzschirm für Openairs

Die aktuelle Lage führt zu einem Stillstand der Planungen von grossen Veranstaltungen wie Openairs. Niemand gehe das Risiko ein, eine Veranstaltungen für diesen Sommer zu planen. Neben der dafür nötigen Perspektive, könnte ein Schutzschirm für Veranstaltungen den Stillstand beheben. Die Planung für Festivals könnte aufgenommen und das Personal somit aus der Kurzarbeit genommen werden, so der Vorschlag der SBCK.

Neben den Unternehmen leiden auch die Künstler unter der aktuellen Situation. Nicht wenige leben seit Monaten knapp am Existenzminimum, die Gefahr ist gross, das künstlerisches Knowhow verloren gehe, da der Druck immer grösser werde sich beruflich neu auszurichten. Ohne Künstler fehlt der Nachtkultur die Inhalte. Deshalb soll der Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz bereits ab 20 Prozent Einkommenseinbusse (aktuell braucht es eine Einkommenseinbusse von mindestens 40 Prozent) gelten und pauschalisiere Entschädigungsmodelle wie sie in den Kantonen Basel Stadt und Zürich schon existieren.

Ob das Warten auf die Kultur der Nacht mittels negativen Covid-19 Tests in Einklang mit der präsentierten nationalen Teststrategie verkürzt werden kann, sollte nun gemeinsam mit der Branche und dem Bundesamt für Gesundheit evaluiert werden.

mik