Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Wirtschaft
14.03.2021

Erneuerbar heizen zahlt sich aus

Philipp Egger, Geschäftsleiter der Energieagentur St.Gallen Bild: FS
Der Kanton St.Gallen will bis 2030 zusätzlich 1100 GWh erneuerbare Energien generieren und die CO2 Emissionen im Vergleich zu 1990 halbieren. Insbesondere sollen erneuerbares Heizen und der Zubau von Photovoltaik gestärkt werden. Philipp Egger erklärt, wie das gelingen kann.

Philipp Egger, wie realistisch ist für Sie das Ziel des Energiekonzepts des Kantons St.Gallen?
Das Konzept mit seinen Massnahmen und der Finanzierung steht. Jetzt sind alle Eigentümer von Gebäuden und die Baubranche gefordert, es im Bereich ihrer Möglichkeiten umzusetzen.

Was heisst dies für Eigenheimbesitzer, die eine neue Heizung brauchen?
Wenn die Betriebsdauer einer Öl- oder Gasheizung dem Ende zugeht, dann lohnt sich die frühzeitige Planung für einen Ersatz. Wer ein Wohnhaus besitzt, kann von einer kostenlosen Impulsberatung profitieren. Sie zeigt auf, welche Heizsysteme zum Haus passen und welche Vor- und Nachteile diese haben.

National- und Ständerat haben das neue CO2-Gesetz im September 2020 angenommen, das die CO2-Emissionen ebenfalls massiv senken will. Dagegen ist erfolgreich das Referendum ergriffen worden.
Für mich ist das ein falsches Signal! Ein nationales CO2-Gesetz ist wichtig, damit die Kantone Vorgaben und Leitplanken für ihre Klimapolitik bekommen. Innerhalb dieser Leitplanken können die Kantone die Prioritäten in der Massnahmenumsetzung selber festlegen.

Nun muss das St.Galler Stimmvolk den Nachtragskredit von 17,2 Millionen Franken für zusätzliche Energie-Fördergelder im Juni 2021 noch absegnen. Ist die Umsetzung des Energiegesetzes gefährdet, wenn der Kredit abgelehnt wird?
Nein. Das Gesetz wird sowieso umgesetzt. Mit den zusätzlichen 17,2 Millionen Franken wird das Förderprogramm Energie mit finanziellen Mitteln ausgestattet, die es erlauben, weitere finanzielle Anreize zu schaffen, damit Private und Unternehmen energetische und CO2-wirksame Massnahmen umsetzen.

Wenn ich in einem bestehenden Eigenheim mein Heizsystem durch erneuerbare Energien ersetzen möchte – worauf muss ich achten?
Für fast alle Wohnhäuser gibt es eine sinnvolle Lösung: Wer die Möglichkeit hat, sein Haus an ein Fernwärmenetz anzuschliessen, sollte sie nutzen. Die meisten Neubauten werden allerdings mit einer Wärmepumpe geheizt. Das funktioniert auch bei bestehenden Bauten sehr gut. Und in ländlichen Gebieten kann eine Holzheizung die erste Wahl sein.

Bei Eigenheimbesitzern fehlt es in der Regel nicht am guten Willen, sondern es ist eine Frage der verfügbaren Mittel, ob sie sich ein Heizsystem mit erneuerbaren Energien leisten können.
Beim Wechsel von fossilen auf erneuerbare Energien können die teilweise hohen Investitionskosten abschrecken. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Beim Betrachten der Gesamtkosten für das Heizsystem mit Betriebs-, Unterhalts- und Energiekosten über 20 Jahre sind die erneuerbaren klar im Vorteil. Der Heizkostenrechner von EnergieSchweiz liefert die Zahlen dazu: erneuerbarheizen.ch/heizkostenrechner. Bei ausreichender Vorlaufzeit bieten die Banken Hand, um die notwendigen Mittel für die Investition bereitzustellen.

Wie sieht es mit Fördergeldern seitens Gemeinden und Kantonen aus?
Im Kanton St.Gallen ist das Förderprogramm wirkungsvoll und vielseitig aufgestellt. Es stehen Fördermittel zur Verfügung für verschiedene Massnahmen an der Gebäudehülle und mehrere zum Heizungsersatz. Alle Infos dazu sind auf energieagentur-sg.ch zu finden. Einige Gemeinden ergänzen diese Fördermassnahmen mit kommunalen Programmen, zum Beispiel dem Anschluss an ein Fernwärmenetz.

Und wie gehe ich am besten vor, um die mir zustehenden Fördergelder beanspruchen zu können?
Zur kostenlosen Impulsberatung bekommen die Eigentümer neben einer konkreten Empfehlung für ein erneuerbares Heizsystem auch eine Übersicht über Kosten und Fördermittel. Die Fachpersonen, die eine Heizung ersetzen, kennen sich auch mit den Förderprogrammen bestens aus. Das Wichtigste: Reichen Sie einen Förderantrag ein, bevor Sie beginnen, die Massnahme umzusetzen!

Welches Heizsystem ist derzeit in führender Position?
Wärmepumpen haben sich als sauberes und effizientes Heizsystem etabliert. Sie sind praktisch überall anwendbar, technologisch ausgereift und liefern zuverlässig und kostengünstig erneuerbare Wärme. Da kein CO2 ausgestossen wird, tragen sie massgeblich zum Erreichen der Klimaziele bei. Als Antriebsenergie brauchen auch Wärmepumpen Strom, daher bietet sich die Kombination mit einer Photovoltaikanlage an.

Photovoltaik ist ein wichtiger Bestandteil, um den Anteil der erneuerbaren Energie zu erhöhen. Lohnt es sich für Eigenheimbesitzer, ihre Liegenschaft entsprechend aufzurüsten?
Eine eigene PV-Anlage ist wirtschaftlich attraktiv. Die Investitionskosten sind mittlerweile sehr tief und der Preis für selbst produzierten Strom ist tiefer als für Strom aus dem Netz. Damit liegen die Gesamtkosten für eigenen Solarstrom so tief, dass sich eine Anlage vor Ablauf ihrer Nutzungsdauer amortisiert hat. Eine PV-Anlage kann den Strombedarf eines Wohnhauses übers Jahr gerechnet decken. Übrigens: Auch die graue Energie einer PV-Anlage ist nach zwei bis drei Jahren amortisiert. Wie gut sich Dach und Fassade für Solarenergie eignen, kann jeder selber auf sonnendach.ch prüfen.

Neben der Photovoltaik wird die Solarthermie gerne etwas übersehen, welche die Sonnenenergie direkt in Wärme umwandelt.
Solarthermie eignet sich in erster Linie als Ergänzung zu einer fossilen Heizung, deren Nutzungsdauer in zehn Jahren oder noch später ablaufen wird. In den warmen Monaten und in der Übergangszeit schont eine thermische Solaranlage die Heizung. Damit senken die Eigentümer den CO2-Ausstoss ihrer Heizung.

Die meisten Neubauten werden mit einer Wärmepumpe geheizt. Bild: FS

Bei einer neuen Heizlösung ist eine gute Beratung durch Fachleute vor Ort das A und O – der Bund führt deshalb seit 2020 zusammen mit dem Gebäudetechnikverband suissetec eine Ausbildungskampagne für das Gebäudetechnik-, Spengler- und Sanitärgewerbe durch. Auch die Energieagentur St.Gallen ist bei der Kampagne dabei und bildet Impulsberater aus. Welche Vorteile bringt dies für Eigenheimbesitzer?
Das Programm hat zum Ziel, dass keine Heizung mehr ohne Impulsberatung ersetzt wird. Seit Programmstart wurden im Kanton St.Gallen über 200 Fachleute zum Ablauf einer Impulsberatung ausgebildet und über 400 Beratungen durchgeführt. Weitere 200 sind angemeldet. Die Eigenheimbesitzer bekommen kostenlos und mit geringstmöglichem Aufwand zum Heizungsersatz eine kompetente Beratung vor Ort.

Zum Schluss: Was sind die wichtigsten Tipps für Hausbesitzer, wenn es um ein neues Heizsystem geht?
Befassen Sie sich frühzeitig mit einem Heizungsersatz, indem Sie von einer kostenlosen Impulsberatung profitieren und die Finanzierung mit Ihrer Bank planen. So können Sie in Ruhe Varianten vergleichen, Begleitmassnahmen prüfen und das geeignete Heizsystem für Ihr Eigenheim finden.

Dieser Text von Tanja Millius ist aus der LEADER Ausgabe Jan/Feb 2021. Die LEADER-Herausgeberin MetroComm AG aus St.Gallen betreibt auch stgallen24.ch.

leaderdigital.ch/tm