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Wirtschaft
05.02.2021

Aktienbörse leicht erholt aus der Bärenfalle

Börsenanalyst Christopher Chandiramani
Nach zeitweisem Kurseinbruch der Vorwoche sind die Anleger zuversichtlicher, mit mehr Risikoappetit dank guten Vorlagen (USA, Fernost), v.a. in Wochenhälfte eins. Erst am Freitag kam es zu Gewinnmitnahmen.

Nach dem Streit um die Börsenäquivalenz (Anerkennung) mit der EU werden Schweizer Aktien wiederum in London gehandelt, eine Folge des Brexits, positiv aus Schweizer Sicht.

Die Nationalbank hält an ihrer Wechselkurspolitik fest, den CHF zu stabilisieren. Dies geschieht auch in Zukunft, trotz Drohungen aus den USA, die Schweiz als Währungsmanipulator zu betrachten.

Internationale Meldungen dominierten

Im Wochenverlauf dominierten internationale Meldungen. Sorgen bereitete zunächst der Militärputsch in Burma (Myanmar), ein Risiko für Frieden und Stabilität in Ostasien.
Der Wechsel an der Spitze von Amazon kam überraschend. Der Zeitpunkt ist offenbar gut für das Unternehmen und den Chef, den Gründer Jeff Bezos selbst. Dieser möchte sich neuen Projekten widmen, z.B. der Raumfahrt.
Die GameStop-Aktien in den USA (Videospiele) erlebten eine markante Achterbahnfahrt. Kleinaktionäre (Kaufrausch) und Hedgefonds (Leerverkäufe) spekulierten gegeneinander und machten die Gesellschaft zum Spielball der Börse (Milliardenverluste für den Hedgefonds). Spekulationen gab es beim Silber, verstärktes Interesse, aber die Schwankungen nahmen zu.

Unternehmensmeldungen – Abschlüsse 2020

Der Basler Pharmahersteller Roche hat das Corona-Jahr gut überstanden, für 2020 einen Gruppenumsatz von 58.3 Mrd. CHF publiziert. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Rückgang um 5 Prozent, der Gewinn stieg dagegen um 7 Prozent auf 15.1 Mrd. CHF. Zudem wird die Dividende leicht erhöht (auf CHF 9.10). Für die Zukunft ist das Management vorsichtig optimistisch. Neue Produkte, auch Covid-Impfungen, sind in der Pipeline.

Swisscom hat das Pandemiejahr ebenfalls besser überstanden als erwartet, konnte aber nicht voll vom Home-Office-Boom profitieren. Der grösste Schweizer Telekomkonzern verzeichnete einen Umsatz von 11.1 Milliarden Franken, was einem Rückgang von 3.1 Prozent entspricht. Der operative Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) legte indes leicht um 0.6 Prozent auf 4.4 Milliarden Franken zu. Das Volumenwachstum ist eher begrenzt, die Angebote an Kunden (Pakete mit Handy, Internet und TV) werden konkurrenzbedingt immer günstiger, vor allem für Neukunden.

Eine unerwartet vorsichtige Wachstumsprognose von ABB für das laufende Jahr liess den Aktienkurs stark unter Druck geraten. Für das Gesamtjahr 2020 ergab sich ein moderater Rückgang von Umsatz und Aufträgen. Vor allem der Verkauf der Stromnetzsparte führte zu einem markant höheren Gewinn, 5.15 Mrd. CHF gegenüber dem Vorjahr, mehr als eine Verdreifachung.

Die Privatbank Julius Bär profitierte 2020 von grossen Marktschwankungen an der Börse. Insgesamt resultierte 2020 ein um 50 Prozent gestiegener Konzerngewinn von 698 Mio. CHF.

Aussichten

Schweiz bleibt noch mindestens einen Monat lang im Lockdown. Bundesrat Alain Berset hat sich durchgesetzt, Ende Februar werde der Lockdown noch nicht aufgehoben. Das bedeutet, dass die Restaurants und Ladengeschäfte weiterhin zugesperrt bleiben. Dasselbe gilt auch in Europa und den Nachbarländern. Die Österreicher wollen das Tirol abriegeln wegen steigender Fallzahlen mutierter Viren. Auch die Portugiesen verhängen ein Ausgehverbot aus Angst vor einer dritten Welle.

Zwar werden Impfungen häufiger gemacht, aber viele Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Pandemie schwinden teilweise. Das Leiden des Kleingewerbes geht weiter. Grosse internationale Firmen können mit der Situation besser umgehen, was auch die relativ gute Börsenstimmung erklärt.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24