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Lifestyle
23.12.2020
23.12.2020 09:11 Uhr

Vom Coiffeur zum Musikproduzenten

Bild: zVg
Ivan Herb alias DJ Chart aus St.Gallen hat über 250 Songs produziert und es mit seiner Musik in internationale Formate geschafft. Ein Portrait.

Made in St.Gallen

In unserer Rubrik «Made in St.Gallen» stellen wir Künstler aus St.Gallen oder dem Grünen Ring vor, die weit über die Kantonsgrenzen hinaus für Gesprächsstoff sorgen. Heute: Ivan Herb alias DJ Chart.

Ivan Herb, in St.Gallen geboren und aufgewachsen, war schon immer ein kreativer Kopf – ob als Coiffeur, Fotograf oder mit Videos und Computern. Vor etwa 25 Jahren hat er angefangen, mit Musikprogrammen zu experimentieren. Das Resultat? Bist heute hat Herb rund 250 Songs in verschiedenen Musikstilen veröffentlicht, die sogar für «Holiday On Ice» verwendet wurden!

Kreativ an der Schere und am Mischpult

Der St.Galler arbeitet mit bekannten Künstlern wie Loona, Capitain Jack oder Mark Ahsley zusammen. Aber auch «lokale Gewächse» unterstützt er, wie aktuell Princess Larissa (Larissa Stadler aus Untervaz) und DoBa (Patrick Doba aus St.Gallen) im Track «Danger Games». Herbs Musik oszilliert dabei von kommerziell (meistens) bis experimentell (nach Lust und Laune). Seine Techno-, House- und Electro-Sampler tragen Namen wie «Back To The Future 80s», «No Sky», «Tropical House Electro», «Sport & Danke Edition» oder «Horror».

Doch angefangen hat alles mit Haareschneiden. «Ich will etwas Kreatives machen», war sich Ivan Herb nach Abschluss der Sekundarschule sicher – und entschied sich für eine Lehre als Coiffeur. Mit Erfolg: 35 Jahre lang arbeitete er als Coiffeurmeister und betreibt seit 1985 zwei Salons in der Stadt – wer kennt die «Coiffure X»-Geschäfte nicht? Doch in ihm loderte noch eine weitere Leidenschaft: die Musik.

In den USA, Ungarn und Deutschland «on air»

So wurde aus dem Coiffeurmeister DJ Chart. «Aber eigentlich bin ich mehr Musikproduzent als DJ. Ich lasse die anderen auf der Bühne ‚hampeln’ und arbeite mit verschiedenen Sängern zusammen», lacht der 57-Jährige im Interview. Bereits während seiner Lehrzeit setzte er sich abends an den Computer und experimentierte mit Musikprogrammen.

Schnell merkte Herb, dass seine Produktionen gut bei den Hörern ankommen – und das über die Landesgrenzen hinaus. Sein Sound war bereits im deutschen «Frühstücksfernsehen» zu hören oder in verschiedenen US-Sendungen. Auch im ungarischen TV lief die Musik des St.Gallers. «Bei den Algorithmen von Streamingplattformen wie Spotify oder iTunes passiert es schnell, dass die Musik international gehört wird. So habe ich mittlerweile mehr Hörer im Ausland als in der Schweiz.» Spotify & Co. schlagen ihren Usern Songs vor, die ihnen gefallen könnten – offensichtlich haben da Herbs Kompositionen öfter mal die Nase vorn.

«Ich mag es mit viel Bumbum»

DJ Chart legt sich bei Musikgenres nicht gern fest. «Es kommt immer auf die Wünsche der Künstler an, mit denen ich gerade zusammenarbeite. Generell bin ich sehr experimentierfreudig; fast nichts bleibt von mir verschont.» Wenn er aber nur für sich Musik macht, dann am liebsten Elektro oder Latin Music. «Ich mag es mit viel Bumbum», lacht der Musikproduzent.

Ausserdem müsse die Musik zur Stimmung passen. «Im Fitness will man ja keine Schlaflieder hören – und auf einer Party will man abgehen. Deshalb ist es wichtig, auf die Emotionen zu achten.» Und das tut DJ Chart – mit einem breiten Portfolio an gefälligen Songs, die zu jeder Stimmung passen. Einfach mal reinhören!

35 Jahre lang hat Ivan Herb Haare geschnitten. Mittlerweile tut er dies nur noch ab und zu in einem seiner eigenen Coiffeursalons und macht hauptsächlich Musik oder produziert Videos. Wie allen Künstlern hat Corona auch DJ Chart einen Strich durch die 2020er Rechnung gemacht: Alle Auftritte wurden abgesagt; finanziell sei es «nicht spannend» gewesen. Der Musikproduzent hat die Zeit aber genutzt, um an neuen Produktionen zu arbeiten. «Natürlich ist es schön, wenn man für sein Hobby Geld erhält. Aber ich mache Musik primär, weil es mir gefällt und ich Spass daran habe.» Und das tut es auch trotz Corona immer noch.

Seine neuste Musik- und Videoproduktion:

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Matilda Good