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Stadt St.Gallen
09.01.2026
09.01.2026 16:55 Uhr

WISG kritisiert geplanten «Umbau» der St.Leonhardstrasse

Bild: zVg
Die von der Stadt St.Gallen geplante Neugestaltung der St.Leonhardstrasse stösst bei der Wirtschaft Region St.Gallen (WISG) auf grosse Skepsis. Insbesondere die vorgesehenen Baumalleen sowie die Einführung von Tempo 30 auf einer zentralen Durchgangs- und Zubringerstrasse werden kritisch beurteilt.

Die Wirtschaft Region St.Gallen (WISG) anerkennt das Ziel der Stadt, mit zusätzlichen Bäumen die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und gleichzeitig einen Beitrag zur Minderung der Folgen des Klimawandels zu leisten.

Dennoch stellt sich aus Sicht der WISG die grundsätzliche Frage, ob ausgerechnet eine für den öffentlichen Verkehr sowie den motorisierten Individualverkehr zentrale Durchgangs- und Zubringerstrasse für diesen Ansatz geeignet ist.

Aus Sicht der WISG wäre es deutlich logischer und angemessener, mit derartigen Massnahmen bei Quartierstrassen oder bei vorwiegend dem Fussgängerverkehr gewidmeten Strassen im Perimeter zwischen Post- und Vadianstrasse zu beginnen.

Vorrangstrasse darf nicht an Bedeutung verlieren

Die WISG hält es zwar für sinnvoll, den Fussverkehr vermehrt über andere Achsen wie die Vadianstrasse oder die Poststrasse zu führen, wo auch das lokale Gewerbe von zusätzlichen Frequenzen profitieren kann. Weshalb nun jedoch auch die Bedürfnisse des Fussverkehrs bei der Gestaltung der Vorrangstrasse St.Leonhardstrasse im Vordergrund stehen sollen, ist aus Sicht der WISG nicht nachvollziehbar.

Hinzu kommt, dass mit einer allfälligen Realisierung des Anschlusses Güterbahnhof die Bedeutung dieser Achse als Zubringer künftig noch weiter zunehmen würde. Die St.Leonhardstrasse sowie der Obere Graben müssen aus Sicht der WISG weiterhin schwergewichtig den öffentlichen Verkehr und den motorisierten Individualverkehr abwickeln; diese Prioritäten sind konsequent darauf auszurichten.

Verkehrskollaps befürchtet

Die Einführung von Tempo 30 lehnt die WISG im vorgesehenen Perimeter ab. Die bestehende Verkehrssituation sowie die hohe Frequenz an Fussgängern beim Lichtsignal am Neumarkt führen bereits heute dazu, dass der Verkehr tagsüber auch ohne kostspielige bauliche Massnahmen nur langsam vorankommt. 

Als wichtige Ost-West-Verbindung muss die St.Leonhardstrasse diese Funktion weiterhin erfüllen können. Ebenfalls kritisch hinterfragt wird der geplante Kreisel an der Verzweigung Kornhaus- und St.Leonhardstrasse. Aus Sicht der WISG ist unklar, ob dieser tatsächlich sinnvoll ist und zu einem verbesserten Verkehrsfluss beitragen kann.

Einschränkungen für MIV und Gewerbe inakzeptabel

Zwar begrüsst die WISG die optimierte Linienführung des öffentlichen Verkehrs über die Bahnhofstrasse. Die geplante Verengung der St.Leonhardstrasse durch Baumalleen lässt jedoch befürchten, dass insbesondere bei häufigen oder zunehmenden Störungen auf der Stadtautobahn oder der Rosenbergstrasse ein Verkehrskollaps vorprogrammiert ist.

Auch die Annahme, dass mit dem Konzept FLOZ («FussgängerstreifenLoses OrtsZentrum») ein besserer und stetiger Verkehrsfluss für den motorisierten Individualverkehr erreicht werden kann, wird von der WISG bezweifelt. Unter dem Kapitel Fussverkehr wird explizit festgehalten, dass dank FLOZ die Wartezeiten für den Fussverkehr deutlich verkürzt werden sollen – dies offenbar einseitig zulasten des motorisierten Individualverkehrs.

Zudem erscheint diese Massnahme unnötig, da die Umschaltintervalle beispielsweise beim Neumarkt-Fussgängerstreifen bereits heute vergleichsweise kurz sind. Die Erreichbarkeit für Geschäfte und Bewohner, vornehmlich für Zufahrten, grössere Transportfahrzeuge, tägliche Anlieferungen, Kunden, Besucher sowie Blaulichtorganisationen, darf in keiner Weise eingeschränkt werden.

Parkplätze erhalten, Bäume gezielt einsetzen

Die WISG fordert ausdrücklich, dass keine Parkplätze aufgehoben werden, speziell nicht jene bei der Post. Die Kundschaft der Hauptpost ist auf diese Parkplätze angewiesen, wobei eine Beschränkung auf Kurzparkieren als sinnvoll erachtet wird.

Aus Sicht der WISG bringen zu viele Bäume neue oder zusätzliche Gefahren mit sich. Das Unfallpotenzial kann steigen, und es entstehen Risiken durch Ablenkung, Einschränkungen der Mobilität aller Verkehrsteilnehmer, eingeschränkte Sichtfelder – etwa für Kinder oder Tiere hinter Bäumen – sowie durch klimatische Einflüsse wie Starkwind oder herabfallende Äste. 

Sinnvoller wäre es aus Sicht der WISG, Plätze vom Broderbrunnen bis zum Kornhausplatz gezielt mit Bäumen «wohnlicher» zu gestalten und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Die flächendeckende Begrünung ganzer Strassenzüge hingegen steht in keinem Verhältnis zu den Kosten in Millionenhöhe, die für Pflanzung, Sicherung und Pflege anfallen würden. In einer Zeit, in der die Stadt St.Gallen in vielen Bereichen – sogar im Sozialbereich – sparen muss, darf eine derartige Überökologisierung von Strassenzügen mit unsicherer Wirkung keine Priorität haben.

pd/ako
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