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Stadt St. Gallen
15.09.2020
15.09.2020 10:38 Uhr

Gegen tausend Gäste feiern Lokremise

Mit Theaterstücken, Kinosequenzen und Performances wurde am vergangenen Samstag in der Lokremise deren zehnjähriges Jubiläum gefeiert.

Mit einem öffentlichen Fest hat das St.Galler Kulturzentrum Lokremise am Samstag sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Besucher konnten unter anderem Kino- und Theatervorstellungen besuchen, in Kurzlesungen auf imaginäre Zugreisen gehen und unbekannte Nischen des gut 110-jährigen Gebäudes entdecken. «Die Lokremise ist seit ihrer Eröffnung für Stadt und Kanton St.Gallen ein globaler Treffpunkt sowie ein wichtiger Austauschort für Kulturschaffende geworden», sagte Regierungsrätin Laura Bucher in einem Grusswort.

Imaginäre Reisen mit dem Theater St.Gallen
Es waren sinnigerweise Kulturschaffende aus allen Sparten, die den Festtag mit ihren kostenlosen Performances prägten: Das Theater St.Gallen führte das Kinderstück «Zwei Monster» sowie das Schauspiel «Die Gastfremden» auf. Am Abend zeigte dann die Tanzkompanie des Theaters das Stück «Pause + Play». Zudem gestalteten Mitglieder des Schauspielensembles über den Tag verteilt kurze Lesungen von literarischen Texten, die sich um die Themen Zugfahren, Reisen und Bahnhöfe drehten. Gelesen wurden die Texte aber nicht auf der Theaterbühne, sondern in Frachtcontainern, auf Hebebühnen oder in der Werkstatt der Lokremise-Hauswartung.

Auch das Kinok zeigte ab dem Samstagmorgen ganztags ein Spezialprogramm: Zum Auftakt gab es im «Frühstückskino» einen unterhaltsamen Zusammenschnitt von Filmszenen zu sehen, die sich ums Aufstehen und Morgenessen drehten. Der St.Galler Filmemacher Samuel Kellenberger hatte dafür Szenen aus Kultstreifen wie etwa «Wallace & Gromit», «Pretty Woman» oder «Rocky» ausgewählt. Später improvisierten die Schauspieler Mirjam Woggon und Romeo Meyer im Kinok witzige Dialoge zu stummen Filmszenen. Und die Ostschweizer Musiker Christoph Pfändler (Hackbrett) sowie Sven Bösiger (Effektgeräte, Maultrommel etc.) vertonten am Abend Stummfilme mit Live-Musik. Das Kinok-Jubiläumsprogramm war auch ein Spiegel für die anderen Kultursparten, die in der Lokremise existieren.

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Unbekannte Bereiche der «Lok» entdeckt
In der Kunstzone, die vom Kunstmuseum St.Gallen bespielt wird, begann der Tag mit einem offenen Kreativatelier für Kinder. Auch war ganztags der Besuch der Installation «The House of Friction (Pumpwerk Heimat)» des Konzeptkünstlers Christoph Büchel im Wasserturm der Lokremise möglich. Büchel schickt die Besucher dabei auf eine klaustrophobische Reise durch das Baudenkmal Wasserturm. Am Abend boten ConFusionArt Collective eine Tanzinstallation durch die aktuelle Ausstellung der Kunstzone.

Im Innenhof des Rundbaus führte die St.Galler Künstlerin Lika Nüssli eine Performance durch: Sie kochte auf einem Holzfeuer – genährt von Holz, das rund um die Lokremise wächst – stundenlang Tee. Den fertigen Tee kippte sie auf ein grosses Tuch, dessen Farbe und Aussehen sich so laufend veränderte. «Es ist die Vielfalt von kleinen Beiträgen, die etwas Grösseres erschafft», sagte Nüssli dazu.

Vielfalt gab es auch in und um die Lokremise zu entdecken: Mitarbeitende der Stiftung, die das Kulturzentrum verwaltet, führten die Besucher unter dem Titel «Lok Unlocked» durch das Baudenkmal von nationaler Bedeutung. Dabei gab es Einblick in Bereiche der «Lok», die den Gästen im Alltag verborgen bleiben. Dazu gehörte etwa die Dachterrasse des Badhauses, die einen perfekten Ausblick auf das Gleisfeld des Bahnhofs St.Gallen bietet. Und auf dem Kiesplatz vor dem Innenhof war eine Tüftelwerkstatt für Kinder und Eltern aufgebaut. Die Haustechniker der Lokremise stellten dort verschiedenste Materialien und Werkzeuge zur Verfügung und halfen beim Basteln und Ausprobieren. Die kleinen Gäste konnten zudem bei einer Schatzsuche die Lokremise entdecken.

Theaterautorin dokumentierte den Tag
Rund 950 Besucher – darunter 86 Kinder - hatten über den perfekten Spätsommertag verteilt insgesamt den Weg in die Lokremise gefunden. Sie wurden von 73 Mitarbeitern und Mitwirkenden empfangen, die das Jubiläum gestalteten.

Die Vielfalt, die die fast 1000 Gäste in das Kulturzentrum brachten, wurde von Maria Ursprung, Gastautorin am Theater St.Gallen, dokumentiert. Sie sass im Restaurant «Lokal» und tippte kurze Beobachtungen in ihren Laptop. Ihre Notizen wurden live auf eine Wand projiziert. Am Abend setzte das Schauspielensemble Ursprungs sogenannte «Partitur des Alltags» in einem Kurzauftritt um.

Für die Vielfalt des Ostschweizer Kulturschaffens standen am Festtag in der Lokremise zudem Auftritte aus der Tanzszene, darunter das Panorama Dance Theater und die Theatertanzschule sowie ein Konzert mit Fiera Brandella. Die Gäste konnten schliesslich den Abend beim freien Tanzen mit René Schori ausklingen lassen.

mg/pd