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Gesundheit
20.07.2020
20.07.2020 16:16 Uhr

Zürcher Journalist beschimpft St.Galler Infektologen

Der Infektologe Pietro Vernazza äusserte sich zu einer «differenzierten Durchseuchung» im Kampf gegen Corona. Dafür gibt es im Netz Kritik.

Pietro Vernazza, Chefarzt der Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen schlägt im Interview mit der «Sonntagszeitung» einen alternativen Weg zur Bekämpfung von Covid-19 vor: Mit gelockerten Schutzmassnahmen soll die jugendliche Bevölkerung mit dem Virus in Kontakt treten und so «durchseucht» werden. Ältere Menschen hingegen sollen weiterhin geschützt werden. 

Die aktuelle Bundesratstrategie sei zu aufwendig und zu teuer, weil diese noch für Monate oder sogar Jahre aufrecht erhalten werden müsse. Weiter sagt Vernazza im Interview, dass das Virus wohl harmloser sei, als angenommen. Er sehe eine Impfung nicht als Lösung, denn das Virus werde wohl länger bleiben: «Wir müssen lernen, mit dem neuen Virus zu leben.»

Journalist twittert «Vernazza erzählt Stuss»
Die Aussagen des 63-Jährigen, der bereits bereits Epidemien wie Sars, Rinderwahn, Schweine- und Vogelgrippe erlebt hat und in Mediziner-Kreisen hoch angesehen wird, sorgt aber nun für Unverständnis. So schreibt Marc Brupbacher, Journalist bei Tamedia, auf Twitter: «Was Chefarzt Vernazza hier für einen Stuss erzählt, ist kaum zu glauben. Kein Wunder, versteht er sich gut mit Daniel Koch. Beiden sei ein kurzer Besuch der Long Covid Support Group empfohlen. 

 

Präsident der Corona-Taskforce liket Tweet
Der Tweet erntet über 100 Likes – auch Matthias Egger, Präsident der Corona-Taskforce, versieht den Tweet mit einem «Gefällt mir», wie «medinside.ch» berichtet. Eine indirekte Kritik? Eine offizielles Statement von der Corona-Taskforce gab es bislang nicht. Das Thema sorgt in den Kommentaren aber für Zündstoff:  «Es gibt weltweit keine einzige Studie, welche auf eine IFR von 0.1% kommt. Was Vernazza erzählt, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis», schreibt der Journalist.

Ein anderer User findet aber: «Er schlägt eine Diskussion vor, die wir führen MÜSSEN: Wie gehen wir auf Dauer mit Sars-2 um? Die aktuelle Strategie ist nicht machbar auf Sicht von 2+ Jahren. Realität ist 'insbesondere Junge Menschen werden da nicht mitmachen'. Was also tun?»

Auch weitere finden lobende Worte für den St.Galler Infektologen und kritisieren den Journalisten: «Mir macht Vernazza einen gelasseneren Eindruck. Er lädt zur Diskussion ein. Dass @MarcBrup zur Quali 'Stuss' greift, fällt ja auf ihn zurück. Die rein mechanische Mathematik-Statistik führt uns nicht weiter. Vielleicht mal etwas Abstand nehmen und andere Meinungen auch zulassen?»

 

Miryam Koc