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Stadt St.Gallen
23.11.2022

120 Jahre: Eine Kirche im Wandel

Einer der gut besuchten Anlässe des Jubiläums 120 Jahre Straubenzell
Einer der gut besuchten Anlässe des Jubiläums 120 Jahre Straubenzell Bild: Regina Posthumus
Seit 120 Jahren existiert die Kirchgemeinde Straubenzell. Um diese bedeutende Zahl zu feiern, hat sich die Kirche im vergangenen Jahr vielfältige Angebote ausgedacht – und macht sich Gedanken, wie die Kirche der Zukunft aussieht.

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Straubenzell feiert dieses Jahr ihr 120-jähriges Jubiläum. Aufgrund des immer höher werdenden Anteils an Evangelisch-reformierten nämlich beschloss eine Versammlung im Jahr 1902, sich von der Kirchgemeinde St.Gallen Centrum zu trennen. Mit dem Motto «sichtbar – hörbar – manchmal sogar wunderbar» hat die Kirche geplant, mit einem vielfältigen Angebot mit den Menschen innerhalb und ausserhalb der Gemeinde in Kontakt zu treten.

Die Struktur hierbei sollte einen ganz bestimmten Rahmen bilden. So startete das Jubiläumsjahr mit einem grossen Eröffnungsfest im Mai und endete mit einem musikalischen Highlight im November. Die Pfarrerin Regula Hermann zeigte sich erfreut, wie viele Leute mit Herzblut engagiert waren.

Es sei erstaunlich gewesen, wie viele unterschiedliche Personen sich in dieser Gemeinschaft bewegen und aktiv mitwirkten. Auch wenn die Zahl der Anwesenden nicht riesig gewesen sei, bot das mit lässigem Jazz untermalte Sommerfest sowohl auch der Jubiläumsabschluss eine gute Möglichkeit, nach Corona wieder zusammenzukommen und zu feiern. Die Kirchgemeinde unterhielt die ihre Zuschauer auch mit einer Festrede und einem anschliessenden gemeinsamen Apéro.

Angebote über Generationen hinaus

Die vielfältigen Angebote beliessen sich jedoch nicht lediglich dabei. Mit einer «wandernden» Telefonkabine bezweckte die Kirche einen Dialog, indem Kinder, Jugendliche und Erwachsene dazu eingeladen wurden ihre Erlebnisse in Zusammenhang der Kirchgemeinde auf Band aufzunehmen, oder Geschichten zu hören. Passend zum runden Jubiläum entschied sich Straubenzell dazu, Feste für Menschen mit einem runden Geburtstag anzubieten. Personen über alle Generationen hinaus wurden angeschrieben und zu unterschiedlichen Anlässen eingeladen.

10-jährige Kinder hatten so beispielsweise die Möglichkeit, in eine Kletterhalle zu gehen, während in älteren Generationen ein Theaternachmittag angeboten wurde.

Wenig Interesse im mittleren Alterssegment

Während sehr viele Teilnehmer aus der jüngsten und der ältesten Generationen zu beobachten waren, konnten die Angebote jedoch Personen des jungen und mittleren Alters weniger überzeugen. Hermann erklärt sich jene Zahlen damit, dass in der Familienphase der zeitliche Spielraum nicht wirklich da sei und sich die jungen Personen vielfach mit anderem beschäftigen. Die Kirchgemeinde konnte so den «Nerv der Zeit» nicht treffen.

In Zukunft also sollte vielleicht anders vorgegangen werden. Die Pfarrerin schlägt vor, mit den Menschen in Kontakt zu treten und sie zu fragen, woran sie Interesse haben. Man sollte als Kirchgemeinde mehr Präsenz im öffentlichen Raum zeigen und Kontakte schaffen. Jeder und Jede sollte sagen können, was von der Gemeinde erwartet wird.

Neue Herausforderungen für die kirchliche Zukunft

Auch Uwe Habenicht, der Pfarrer im Bereich Kinder und Jugend, meint, dass die neuen Formate, die benötigt werden, offener und kontaktintensiver sein müssen. St.Gallen sei eine Kulturstadt, in der es wahnsinnig viele Möglichkeiten für Veranstaltungen gebe.

Was neu in den Blick genommen werden sollte, so Habenicht, sei dass der Fokus weniger auf den Veranstaltungen liegen müsse. Die Kirchgemeinde wird sich künftig intensiv mit der Schaffung von Räumen, Zeiträumen und Gelegenheiten befassen, die zum Austausch und zur Kontaktaufnahme dienen.

Das Kirchenjubiläum hat gezeigt, dass die Herausforderung, mit der mittleren und jüngeren Generation in Kontakt zu kommen, die Zukunftsaufgabe sein wird. Die Kirchgemeinde sei bereits mit den Mitgliedern der Kirchenvorsteherschaft und den Mitarbeitern der Gemeinde im Kontakt, um einen Gemeindeentwicklungsprozess unterstützen und so die Zukunft der Kirche gestalten zu können Wenn Straubenzell nämlich auf dem Weg bleibt, sich immer wieder zu öffnen für neue Formate und neue Möglichkeiten, sollte keine Sorge da sein, dass sie auch in 120 Jahren ein weiteres Jubiläum feiern kann.

Janis Schoch