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Stadt St.Gallen
21.10.2022

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus?

Bild: pd
Welche Lösungen gestalten in den Bereichen Energie und Technologie unsere künftige Mobilität? Und welche Rolle spielen dabei gesellschaftliche Aspekte? Am 21. Oktober beleuchteten Experten im Rahmen des SAK-Forums an der OLMA die neusten Erkenntnisse und Entwicklungen rund um die Mobilität.

Die Zukunft der Mobilität sei eng verbunden mit den drei Begriffen Energie, Technologie und Gesellschaft, erklärte Stefano Garbin zum Auftakt der Veranstaltung. Der CEO der SAK begrüsste 300 Gäste vor Ort und weitere Forumsteilnehmer, welche die Referate und Diskussionen per Live-Stream mitverfolgten. Das SAK Forum habe zum Ziel, den Zuhörenden wert-volles Wissen, interessante Einblicke und Inspiration zu vermitteln.

Die Mobilität zur Effizienz führen

Zwei Impulsreferate führten in das diesjährige Forumsthema ein. Prof. Dr. Andreas Herrmann, Leiter des Instituts für Mobilität an der Universität St.Gallen, stellte aktuelle Grossstadt-Projekte vor. Seit der Pionierleistung von Henri Ford seien 140 Jahre vergangen und noch immer sei das Automobil ineffizient, gefährlich, kostenintensiv und nicht inklusiv unterwegs.

Seine Ausführungen belegte der Professor mit Zahlen. Ein Auto sei im Durchschnitt innerhalb eines Tages lediglich 55 Minuten unterwegs. Der Rest der Zeit stehe es auf einem Parkplatz herum. Alle Parkplätze zusammengezählt entspreche einer Fläche von 30 Millionen Fussballfeldern. Jährlich gebe es 1,3 Millionen Verkehrstote und 50 Millionen Verletzte. «Es ist höchste Zeit Lösungen für unsere Verkehrsprobleme anzugehen», betonte Andreas Herrmann.

Der Leiter des Instituts für Mobilität an der HSG verfolgt weltweit innovative Verkehrs- und Stadtentwicklungen. In einem Impulsreferat stellte er einige Beispiele vor. So steht in London ein Gebäude, das auf 67 Stockwerken über 861 Wohnungen verfügt. «Den Bewohnerinnen und Bewohnern stehen lediglich neun Parkplätze zur Verfügung.

Dafür hat es 1000 Stellplätze für Fahrräder.» Ein anderes interessantes Beispiel sei die Idee, in den Städten Quartiere zu schaf-fen, in denen vom Einkaufsgeschäft über die Schule bis zur Arztpraxis, dem Arbeitsplatz und der Sport- und Naherholungsanlage alles in 15 Minuten mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Fahrrad erreicht werden kann. Städte wie Oslo strebten an, mit einem herausragenden öffentlichen Transportsystem sowie attraktiven Fuss- und Fahrradwegen möglichst viel privaten Autoverkehr aus der Innenstadt zu verdrängen.

Neue Mobilität schafft neue Möglichkeiten

Andreas Herrmann stellte klar, dass er alles andere als ein Gegner der Mobilität ist. «Wir brauchen Mobilität, denn sie ist das Rückgrat unseres Wohlstandes», betonte er. Nun aber sei die Zeit reif, sie besser, nachhaltiger, sicherer, inklusiver und platzsparender zu machen. Nicht zu unterschätzen sei, dass die neue Mobilität auch ganz neue Geschäftsfelder eröffne. Es sei kein Zufall, dass momentan viele grosse Technologieunternehmen auf den Automobilmarkt stürm-ten. «Die Automobilindustrie ist gerade dabei, sich in eine Softwareindustrie zu verwandeln.»

Johann Jungwirth, Vizepräsident bei Mobileye, war aus Jerusalem zugeschaltet und berichtete von seiner Forschungsarbeit rund um das autonome Fahren. Der Ingenieur und Manager in der Automobilindustrie nahm die Forumsteilnehmenden mit auf eine Reise im autonomen Fahr-zeug. Die Fahrt führte durch die verkehrsreichen Strassen Jerusalems, auf denen Fussgänger, Velos, Motorräder, Autos und Busse unterwegs waren. Alle Herausforderungen wie falsch parkierte Autos, unvorsichtige Fussgänger, enge Passagen oder das Queren verkehrsreicher Kreu-zungen wurden problemlos gemeistert.

Autonomes Fahren sei keine Zukunftsmusik mehr, erklärte Johann Jungwirth. «Die Technologie ist ausgereift und wartet nur noch auf die Umsetzung.» Das autonome Auto fahre ähnlich wie der Mensch, jedoch viel sicherer. Dies sei wichtig, weil man davon ausgehe, dass noch mindestens zwei Jahrzehnte lang ein Mischverkehr von Autos mit und ohne Menschen am Steuer auf den Strassen unterwegs sein werde.

Die Transformation ist unausweichlich

An der Podiumsdiskussion nahmen Martin Osterwalder, Co-CEO der Osterwalder Gruppe, Philipp Inderbitzin, Geschäftsführer SAK Venture AG, und Andreas Schwizer, Mitglied in der SAK-Geschäftsleitung teil. Alle drei Unternehmungen stehen aktiv in einem Transformationsprozess. So haben beispielsweise die Osterwalder Gruppe und die SAK gemeinsam die Wassestoffproduktion Ostschweiz AG gegründet, um im St.Galler Kubel CO2-neutralen Wasserstoff für die Osterwalder-Tankstellen zu produzieren. Die SAK Venture AG wurde wiederum gegründet, um weltweit Spezialistinnen und Spezialisten zu verbinden, die mit ihrem jeweiligen Wissen Innovationen zum Durchbruch verhelfen.


Alle drei Podiumsteilnehmer gaben sich überzeugt, dass kein Weg mehr an der Transformation vorbeiführt, der Wechsel jedoch bedacht stattfinden muss. Von grosser Bedeutung sei es, dass die Politik in nützlicher Frist entsprechende Rahmenbedingungen schaffe.

Keine einfache Antwort gebe es auf die Frage, welcher Energieträger für die einzelnen Transportmittel der richtige sei. Momentan gehe man davon aus, dass Wasserstoff vor allem beim Schwerverkehr zum Einsatz komme. Auch die Risiken, die mit der Transformation verbunden sind, wurden an-gesprochen. Es sei wünschenswert, dass sich die Schweiz als Exportland für neue Technologien etabliere, bei denen die menschlichen Aspekte berücksichtigt seien. Der Mensch müsse beim Einsatz von Technologien stets im Mittelpunkt stehen.

Der Live-Stream zum Nachschauen: www.sak.ch/forum-live

mik/pd