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Stadt St.Gallen
19.10.2022

«Erreichbarkeit ist ein Wettbewerbsvorteil»

(Symbolbild)
(Symbolbild) Bild: TCS
Der St.Galler Stadtrat will Tempo 30 auf fast allen Strassen einführen. Gewerbe Stadt St.Gallen lehnt die Vorschläge des Stadtrates klar ab. Die Folgen der Temporeduktion wären für den Wohn- und Wirtschaftsstandort St.Gallen fatal.

Mit dem Konzept «Temporegime Stadt St.Gallen» schlagen der Kanton und die Stadt St.Gallen die Einführung von flächendeckendem Tempo 30 vor. Insbesondere auch auf den Kantonsstrassen der Stadt St.Gallen, was klar gegen die Beschlüsse des Kantonsrates verstosse, schreibt der Gewerbeverband der Stadt St.Gallen in einer Mitteilung.

Erreichbarkeit sorgt für Arbeitsplätze und Lebensqualität

Die Stadt St.Gallen soll ein attraktiver Standort zum Wohnen und Arbeiten sein. «Das St.Galler Gewerbe braucht kurze und schnelle Wege. Dafür ist ein hierarchisch gegliedertes Strassennetz äusserst wichtig. Denn nur flüssige Wege sind auch kurze Wege», heisst es weiter. Tempo 30 auf Hauptstrassen störe diesen Verkehrsfluss, verlängere die Fahrzeiten und kann zu Mehrverkehr in den Quartieren führen.

Die Betroffenheit der Unternehmen wäre gross: Arbeitnehmer und Lieferanten sowie Handwerker bräuchten noch mehr Zeit, um zum Betrieb oder zur Kundschaft zu gelangen, was wiederum die Preise erhöhe und die Erreichbarkeit der Stadt reduziere. «Und umgekehrt würde die Kundschaft aufgrund der längeren Anfahrtswege Geschäfte in St.Gallen meiden. Kurzum: Die Stadt St.Gallen verliert weiter an Attraktivität.»

Tempo 30 kein Allheilmittel

«Die Wirkung von Tempo 30 auf die Lärmreduktion wird von rot-grünen Politikern oft bewusst überzeichnet – sie sehen darin eine Waffe gegen das Auto in der Stadt. Der Stadtrat spricht bereits von einer Verengung des Strassenraums, der mit Tempo 30 möglich sei», meint Gewerbe Stadt St.Gallen.

Der Verdacht bleibe, dass es letztlich darum ginge, das Auto aus der Stadt zu verbannen. Bauliche Massnahmen im Strassenraum seien konsequent abzulehnen. Das Allheilmittel sei Tempo 30 in der Lärmschutzfrage nicht. Im Durchschnitt sinkt die Lärmbelastung laut Gewerbeverband im Vergleich zu Tempo 50 um drei Dezibel. «Das ist klar hörbar, aber der Verkehrslärm wird dadurch nicht, wie oft behauptet, halbiert.»

Das wirksamste Mittel gegen den Lärm seien bauliche Massnahmen (zum Beispiel Lärmschutzwände, Ersatzmassnahmen an Gebäuden). Die Lärmschutzverordnung auf Stufe Bund müsse so angepasst werden, dass baulichen Lärmschutz-Massnahmen oberste Priorität hätten, so der Verband. Dafür sollten sich der St.Galler Stadtrat sowie die Kantonsregierung in Bern starkmachen.

Längere Fahrzeiten für alle

Unbestritten ist, dass Tempo 30 zu längeren Fahrzeiten führt, auch für den öffentlichen Verkehr. Die Stadt St.Gallen geht von Mehrkosten für den ÖV von rund 1,1 Millionen Franken pro Jahr aus. Gemäss dem Astra-Bericht beträgt die Verlangsamung im städtischen Verkehr im Schnitt mehrere Sekunden pro hundert Meter.

«Der Schaden für die Gesellschaft und Wirtschaft des vorgeschlagenen Temporegimes steht in keinem Verhältnis mit dessen allfälligen geringen Nutzen.» Gewerbe Stadt St.Gallen wird sich dazu unmissverständlich in der Vernehmlassung äussern, wie der Verband schreibt. «Die Einführung von flächendeckendem Tempo 30 gemäss den vorgeschlagenen Stufen 1 – 4 ist definitiv keine Idee, die man weiterverfolgen soll.»

pez/pd