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Stadt St. Gallen
24.06.2020
24.06.2020 08:51 Uhr

«Grüne Sendungen» auf Stadtgebiet

«Emissionsfrei in die Innenstadt»: Kombination von LKW und Muskelkraft.
Camion Transport erprobte mit «Emissionsfrei in die Innenstadt» nachhaltige Transportmittel in St.Gallen – erfolgreich.

Die Citylogistik brauche neue, umweltverträgliche Lösungen, schreibt das Wiler Unternehmen. Camion Transport startete deshalb im Juni 2019 das Pilotprojekt «Emissionsfrei in die Innenstadt». Der Logistikdienstleister kombiniert in diesem Konzept die umweltfreundlichen Transportmittel Bahn, Elektro-LKW und Cargo eBike, Cargo eScooter oder Velo zu einer nachhaltigen Logistikkette. Im Mittelpunkt steht die Elektromobilität. Im Einsatz ist auch der erste schwere Elektro-LKW «eActros» von Mercedes-Benz Trucks. Camion Transport fungiert als einer der Pilotkunden und Testpartner. Der Velokurier St.Gallen schliesst den Weg der «grünen Sendung» auf Stadtgebiet ab.

«eActros» – Chance genutzt
Inzwischen sind zwölf Monate vergangen. Wie sieht es aus mit den gesammelten Erfahrungen und Erkenntnissen? «Die Bilanz ist positiv. Das Konzept steht für eine zukunftsweisende intelligente Güterfeinverteilung. Im Bereich von Kleinsendungen für die Citylogistik ist der eingeschlagene Weg richtig», hält Josef Jäger, Direktor von Camion Transport, fest. Die Pilotphase hat allerdings auch die Herausforderungen klar aufgezeigt.

Der Elektro-LKW integriert sich sehr gut in den Ablauf der emissionsfreien Auslieferung. Für den Einsatz der gebündelten Feinverteilung im Stadtgebiet, ist die limitierte Reichweite kein Stolperstein. Touren ins Ostschweizer Voralpengebiet ab dem Cityhub Schwarzenbach sind mit aktueller Kilometerleistung aber stark eingeschränkt. Die Rückmeldungen des Fahrpersonals sind positiv. Anfängliche Skepsis ist schnell verflogen. Die Chauffeure schätzen es, ins Pilotprojekt involviert zu sein und freuen sich über ihre Erfahrungen. Sicher mitentscheidend: Auch auf Seite von Kunden und der Bevölkerung ist reges Interesse und Wohlwollen spürbar. Eine wichtige Voraussetzung ist die Verfügbarkeit von leistungsfähigen Stromtankstellen für schwere Nutzfahrzeuge. Diese ist mit heutiger Abdeckung nur bedingt erfüllt. Im Bereich der elektrischen Personenwagen ist man klar weiter.

Zusammenarbeit mit Velokurier
Neue Technologien haben ihren Preis. «Ich schätze die Gesamtkosten liegen beim eineinhalbfachen zu einem vergleichbaren Dieselfahrzeug. Eine Kalkulation mit verlässlichen Werten ist heute nicht möglich, da wesentliche Angaben zu Kostenblöcken wie Anschaffungspreis und Unterhalt fehlen. Der «eActros» ist ja auch immer noch in Erprobungsphase», erklärt Josef Jäger. Die Stromverbrauchskosten für den Betrieb des Elektro-LKW liegen im Rahmen der Herstellerangaben.

Keine Frage. Die Partnerschaft mit dem Velokurier St.Gallen führt Camion Transport weiter. Die Arbeitsteilung ist gut eingespielt und bewährt sich auch. «Diese Kombination von LKW mit Muskelkraft war für uns Neuland. Wir stehen weiterhin im Lernprozess. Es ist spannend und wir profitieren auf beiden Seiten», freut sich Fredy Würzer, Projektleiter. Auf Basis der positiven Erfahrungen arbeitet Camion Transport auch bereits in Basel und Vevey mit einem Velokurier als Partner für Kleinsendungen ins Stadtgebiet. Das Transportkonzept mit emissionsfreier letzter Meile durch Cargo eBike, Cargo eScooter oder Velo bleibt also Bestandteil im Tagesgeschäft.

Nächste Schritte
An der ambitionierten Zielsetzung, ab 2025 die Innenstädte emissionsfrei zu beliefern, hält Camion Transport fest. Das Pilotprojekt «Emissionsfrei in die Innenstadt» zeigt: Der eingeschlagene Weg ist richtig. Sobald der «eActros» von Mercedes-Benz Trucks in Serienproduktion geht, analysiert die Geschäftsleitung eine Aufnahme in die Fahrzeugflotte. In der Zwischenzeit nimmt Camion Transport bereits drei Elektro-LKW des Modells «eCanter», der japanischen Daimler-Tochter Fuso in Betrieb und sammelt weiter Erfahrungen mit flüsterleisen Elektrofahrzeugen im Verteilverkehr. In den kommenden Monaten stehen zudem mehrwöchige Testeinsätze der elektrisch betriebenen Kleinfahrzeuge an weiteren Standorten bevor. In erster Etappe liegt der Fokus auf dem Cargo eScooter. Den Anfang macht die Niederlassung in Burgdorf bei Bern. Hier soll die Disposition des Fahrzeuges auch für längere Distanzen erfolgen, beispielsweise für Transporte in die Nachbargemeinde Oberburg.

 
stgallen24/stz.