Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Stadt St.Gallen
11.07.2022
11.07.2022 10:20 Uhr

«Der Innovationspark Ost wird wohl keine Erfolgsgeschichte»

Keine Innovation im Innovationspark? Peter Vonach über «Geburtsfehler» des Projekts.
Keine Innovation im Innovationspark? Peter Vonach über «Geburtsfehler» des Projekts. Bild: freepiks/zVg
Der Innovationspark St.Gallen ist einer von sechs Standorten des Switzerland Innovation Projektes. Ziel ist es, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung gewinnbringend zu verbinden und Innovation zu fördern. Doch gelingt das auch? Nein, findet Gastkommentator Peter Vonach.

In meinem ersten Gastbeitrag habe ich erläutert, warum ich glaube, dass der Innovationspark Ost eine Fehlkonstruktion ist und angekündigt, dass es sechs Geburtsfehler gibt und im ersten Geburtsfehler ging ich der Frage nach, warum eine Publikationsplattform für Forschungsergebnisse fehlt. Heute geht es um die standortspezifische Fokussierung.

Aktuell ist jeder Standort auf ein bestimmtes Forschungs- bzw. Tätigkeitsfeld fokussiert. Was den möglichen Nutzen für die Wirtschaft und die Finanzierung eines Standortes betrifft, ist eine derartige thematische Fokussierung kontraproduktiv. Neben den Spezialthemen, die ihre Berechtigung haben, benötigt, es standardisierte Themen und die daraus resultierenden

Dienstleistungen, für eine wesentlich breitere Palette an Unternehmen. Diese müssen an allen Standorten nach einheitlichen Standards angeboten werden.

Der Innovationspark Ost wird mit dem aktuellen Konzept wohl keine Erfolgsgeschichte, gemessen an den grossen Erwartungen im Vorfeld.

Aus meiner Sicht wurde hier nach dem Motto «Wir möchten unbedingt auch einen Innovationspark» mit wenig Mut und Weitsicht gehandelt.

Was ist denn das radikal Neue am Konzept des Innovationspark Ost? EMPA, Rhysearch, die HSG etc. gab es längst, welche den Unternehmen in der Ostschweiz bekannt waren und bereits eine Zusammenarbeit erfolgte. Nun kommt ergänzend das Kantonsspital dazu, wodurch sich die Verantwortlichen erwarten, im Bereich Medizintechnik eine bedeutende Rolle zu spielen.

Was jetzt geschaffen wird, ist eine Koordinationsstelle und nicht mehr

Diese Koordinationsstelle funktioniert nach dem Motto «Unternehmen du hast eine Idee, dann komm zu uns. Wir helfen dir bei der Realisierung». Das ist nichts Anderes, als ein Servicecenter für Unternehmen und kein Innovationspark, der diese grossen Erwartungen rechtfertigt. Diese Servicefunktion kann ein möglicher Geschäftsfall sein, aber nicht die Grundhaltung eines Innovationsparks mit besagtem Anspruch.

Das aktuelle Konzept beantwortet die zentrale Frage eines regionalen Innovationsparks nicht. Diese hätte lauten müssen »was bringt den grössten Nutzen für die Region und was können wir soweit dies möglich und absehbar ist, dazu beitragen, die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Region sicherzustellen». In weiterer Folge hätten sich die Verantwortlichen die Frage stellen müssen, ob das bestehende Angebote ausreicht? Wenn nein, was müssen wir tun, um dem Ziel gerecht zu werden. Aus dieser Analyse hätte sich zumindest die Notwendigkeit eines Standardprogrammes ergeben.

Ob Kunststoffverarbeiter, Elektroinstallations-, Sanitär-, Holzbauunternehmen etc. - alle sind von zukünftigen Veränderungen betroffen. Nicht wenige davon brauchen Unterstützung, sich rechtzeitig darauf vorzubereiten. Zugegebenermassen keine einfache Angelegenheit für einen Innovationspark, dennoch der notwendige und richtige Weg. Erst der zweite Schritt hätte dann die Konzeption eines spezifischen Angebotes umfasst, welches im Idealfall von überregionaler Bedeutung wäre.

Was wäre der Inhalt eines derartigen Standardangebotes?

Dieses Standardprogramm besteht aus Workshops, Seminaren, Tools, Beratungsangeboten etc., welches auch viele kleinere Unternehmen

unterstützt, die Zukunft erfolgreich zu gestalten. In dem Begriff «Gestalten» schwingt schon einiges an Aussagekraft mit, nämlich die Zukunft wo möglich vorwegzunehmen und entsprechend zu handeln. Die Herausforderung adäquat darauf zu reagieren, nimmt wahrscheinlich in Zukunft noch mehr zu, da die Welt offensichtlich immer instabiler wird.

Hier passt das Zitat von Albert Szent-Gyorgi «Innovation heisst, zu sehen, was alle anderen sehen, aber zu denken, was noch keiner gedacht hat». An dieser Stelle müssen wir im ersten Schritt ansetzen, wenn es um die Kreation neuer Produkte, Dienstleistungen und Verfahren geht. Wie wir die Dinge sehen und welche Möglichkeiten wir darin erkennen, daran gilt es, als erstes zu arbeiten. Technologien, Verfahren etc. kommen erst in weiterer Folge. In meinen Überlegungen umfasst dieses Standartangebot sechs Themenschwerpunkte mit insgesamt rund 50 Einzelmodulen.

Die Vorteile eines Standardprogrammes liegen auf der Hand

Die Teilnahme an einem Seminar, welches das Unternehmen in seiner Innovationsfähigkeit unterstützt, erfordert im Normalfall keine Grundsatzentscheidung für das Management. Eine Zusammenarbeit im Rahmen eines Innovationsprojektes, das teilweise organisatorisch ausgelagert wird, hingegen schon. Ein entsprechendes Standardangebot könnte hier zwei wesentliche Aufgaben erfüllen:

Erstens ein gegenseitiges Kennenlernen, welches den Grundstein für eine mögliche weitere Zusammenarbeit bildet. Zweitens können sich aus einem Seminar, sofern es professionell durchgeführt wird, Fragestellungen für das beteiligte Unternehmen ergeben, was zu einer Kooperation im Rahmen eines gemeinsamen Projektes führt.

Es ist unrealistisch bei dem aktuellen Angebot von einer in der Zukunft zufriedenstellenden Auslastung des Innovationsparks Ost mit Innovationsprojekten auszugehen.

Der Innovationspark wäre mit einem Standardangebot finanziell wesentlich unabhängiger, da die Einstiegshürde für eine Zusammenarbeit deutlich geringer ist. Gleichzeitig besässe der Innovationspark ein zweites finanzielles Standbein, welches mit grosser Sicherheit auf lange Sicht die wichtigste Einnahmequelle sein wird.

Eine philosophische Hilfestellung für die verantwortlichen Personen in St.Gallen:

Karl-Heinz Büschemann von der Süddeutschen Zeitung formulierte 2009 in einem Interview mit dem Renault Designer Patrick LeQuement, wie ein Angebot für den Kunden aussehen sollte, sehr treffend «Vielmehr geht es darum, dem Kunden etwas zu geben, von dem er zwar nie wusste, dass er es suchte, aber von dem er sagt, dass er es schon immer wollte, wenn er es schliesslich bekommt». Dies wäre eine visionäre Herangehensweise bei der inhaltlichen Konzeption des Innovationsparks.

Ein Innovationspark mit dieser Haltung ist eine Inspirationsquelle für Unternehmen und befähigt sie, Dinge zu entwickeln, auf die sie allein – ohne die Unterstützung des Innovationsparks - nicht gekommen wären.

Peter Vonach begleitet als Innovationsmanager diverse Projekte von Unternehmen wie Siemens, Migros, ABB, Hilti uvm. Bild: zVg

Doch warum beschäftigt mich dieses Thema überhaupt?

Mit dem Thema Innovation beschäftige ich mich beruflich schon über 25 Jahre. Meiner Erfahrung nach werden Projekte zu oft mit dem Label «Innovation» versehen, obwohl deren Innovationscharakter sehr bescheiden ist. Mir ist die Wichtigkeit dieses Themas für unsere Gesellschaft sehr bewusst, bin aber gleichzeitig der Überzeugung, dass wir, um adäquate Antworten auf künftige Herausforderungen nur finden werden, wenn wir einen viel breiteren konzeptionellen Ansatz entwickeln. Mit den sechs Innovationsparks hätten wir eine Grundlage für eine zukunftsfähige Schweiz geschaffen; allerdings müssen die vorhandenen Innovationspotenziale ganzheitlicher gesehen und gefördert werden.

Eine Gesellschaft ist dann als wirtschaftlich zukunftsfähig und stabil zu sehen, wenn wir möglichst viele Menschen befähigen, sich aktiv am wirtschaftlichen Geschehen einer Gesellschaft einzubringen.

Peter Vonach