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Wittenbach
27.04.2022
27.04.2022 15:12 Uhr

Stossrichtung für gemeindeeigene Liegenschaften

Bild: zVg
Die Liegenschaftskommission hat die Grundstücke der Gemeinde unter die Lupe genommen und den drei Handlungsfeldern «Halten», «Entwickeln» und «Abgabe im Baurecht» zugeordnet. Der Gemeinderat hat die Strategie und somit die Stossrichtung gutgeheissen.

Die Gemeinde Wittenbach ist Eigentümerin von 46 unterschiedlichen Grundstücken, die sich in der Bauzone befinden. Seit dem letzten Sommer setzt sich die neugebildete Liegenschaftskommission mit diesen Grundstücken auseinander, mit dem Ziel, diese aktiv zu bewirtschaften. Die Liegenschaftskommission hat nun dem Gemeinderat im Rahmen eines Strategiepapiers eine Stossrichtung vorgelegt, wie künftig mit den eigenen Grundstücken umgegangen werden soll.

Analyse und Annahmen

Im Rahmen der Entwicklung der Liegenschaftsstrategie hat die Kommission Themen wie Bevölkerungsstruktur, Wohnungsmarkt oder Nachfrageentwicklungen unter die Lupe genommen. Wichtige Erkenntnisse für die Gemeinde Wittenbach sind unter anderem:

  • Die Altersgruppe 65+ ist überdurchschnittlich vertreten
  • 44,4 Prozent der Haushalte gehören zur unteren Einkommensschicht
  • Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen sind kaum verfügbar, die Nachfrage wird jedoch steigen
  • Bis 2035 ist von einem Bevölkerungszuwachs von rund 1800 Einwohnern auszugehen
  • Die Nachfrage nach Wohneigentum wird weiter steigen

Gemäss Beni Gautschi, Gemeinderat und Verantwortlicher für das Ressort Liegenschaften und Sportstätten, war die Analyse ein wichtiger Schritt: «Die Erkenntnisse daraus dienen uns als Grundlage für die definierten Stossrichtungen, die wir mit unseren Liegenschaften gehen wollen.»

Die Liegenschaftsstrategie baut zudem auf Inhalte und Ideen aus dem Gemeindeentwicklungskonzept auf, orientiert sich an der Zielsetzung der Ortsplanung und berücksichtigt die Pläne von Grossgrundeigentümern auf ihren Gebieten.

Vier Grundstücke möchte die Gemeinde gemäss der Liegenschaftsstrategie selbst entwickeln, fünf Grundstücke sollen mit klaren Vorgaben im Baurecht abgetreten werden. Bild: am Puls

Drei Strategien: Halten, Entwickeln, Baurechte

«Die Auseinandersetzung mit den gemeindeeigenen Grundstücken zeigt Potenziale für strategisch wichtige Liegenschaften auf», erklärt Gautschi. Die Grundstücke wurden in einem übergeordneten Kontext betrachtet und entsprechend drei unterschiedlichen Handlungsstrategien zugeordnet: Halten, Entwickeln und Abgabe im Baurecht.

  • Halten: Liegenschaften, die eine Gemeindeaufgabe erfüllen, bleiben unverändert im Eigentum der Gemeinde. Aufgrund des öffentlichen Zwecks, den diese Liegenschaften erfüllen, ist grundsätzlich keine Entwicklung angedacht. Dies trifft zum Beispiel auf Schulhäuser, Sportstätten, die beiden Friedhöfe oder das Gemeindehaus zu.

  • Entwickeln: Die Liegenschaftsstrategie sieht bei den vier Grundstücken Böhl, Dottenwil, Neuhus und Obstgarten die Möglichkeit einer Entwicklung. Dabei ist die Idee, dass die Gemeinde Wohneinheiten erstellt und anschliessend als Stockwerkeigentum im Baurecht veräussert. «Mit dieser Strategie hat die Gemeinde die Zügel in der Hand», so Gautschi, «und sie kann bestimmen, was, wie und für wen gebaut wird.» Die Parzelle im Böhl neben dem katholischen Kirchenzentrum St.Konrad ist das erste Gebiet, bei dem diese Entwicklung angestrebt wird.

  • Baurechte: Weitere fünf Grundstücke will die Gemeinde im Baurecht abtreten, damit Dritte auf dem Grundstück Wohnungen im Stockwerkeigentum realisieren. Dabei kann die Gemeinde weitgehend die Rahmenbedingungen definieren, realisiert dabei die Projekte jedoch nicht selbst.

Gemeinderat sagt Ja zur Stossrichtung

Mit den Entwicklungsmöglichkeiten der verschiedenen Grundstücke sollen unter anderem folgende Ziele erreicht werden:

  • Anteil an Wohneigentum erhöhen
  • Ansprechen einer einkommensstarken Zielgruppe und damit eine bessere soziale Durchmischung
  • Die erwartete Bevölkerungszunahme in ein qualitatives Wachstum lenken
  • Kurzfristige (durch kleinere Verkäufe) und auch nachhaltige Einnahmen (durch Baurechtszinsen) generieren und damit den Finanzhaushalt aufbessern

Gautschi ist von der vorliegenden Strategie überzeugt: «Mit der gezielten Bewirtschaftung unserer Grundstücke haben wir nun die Chance, die Weichen zu stellen und die Attraktivität von Wittenbach zu steigern.» Der Gemeinderat sieht dies gleich, hat die Liegenschaftsstrategie gutgeheissen und ist somit mit der vorgeschlagenen Stossrichtung einverstanden. Die Liegenschaftsstrategie wird im Rahmen der Bürgerinformation vom 9. Mai der Bevölkerung vorgestellt.

am Puls/Isabel Niedermann