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Wittenbach
29.10.2021

Zahl der Bienenvölker rückläufig

(Symbolbild)
(Symbolbild) Bild: unsplash
Die Zahl der in Wittenbacher Bienenvölker ist im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent gesunken. Ein Grund zur ernsten Sorge? Der Wittenbacher Walter Haller ist seit mehr als 50 Jahren Imker, bekennender Bienenfreund und beantwortet diese Frage.

Walter Haller ist seit vierzig Jahren Mitglied des Imkervereins Häggenschwil und Umgebung und kennt seine Tiere perfekt. Bereits als Jugendlicher entdeckte der heute 65-Jährige das Hobby Imkerei für sich. Heute hält er zehn gesunde und produktive Völker in der Nähe des Alterszentrums Kappelhof. Haller ist einer von 17'000 Imkern in der Schweiz, die insgesamt etwa 188'000 Bienenvölker halten. Das Hobby Imkerei wird immer beliebter, jedoch auch anspruchsvoller.

Im Rückgang der Anzahl der Bienenvölker im Vergleich zum Vorjahr sieht Haller keinen Grund zur Sorge. «Die Anzahl der Bienenvölker schwankt immer mal wieder, doch gibt es generell noch genug Bienenvölker.» So sei die Anzahl der Bienenvölker allein kein Indiz dafür, ob es den Bienen gut oder schlecht gehe.

Gefährliche Plage

Bei einem anderen Thema wird Haller ernst: «Es gibt aber eine Plage, die uns Imker zur Gefahr werden kann. Es ist die Varroamilbe, sie plagt die Imker und ihre Völker jährlich, mal mehr, mal weniger schlimm und sorgt für viel Verunsicherung. Der 1,1 Millimeter lange Parasit ist der globale Gegner für die gemeine Honigbiene.» Schlimm ist es, was die Milbe uns Imkern und den Bienen antut. Sie befällt bereits die Jungen und lässt sie absterben, ganze Völker fallen ihr zum Opfer», so Walter Haller.

Schwerer Kampf gegen einen kleinen Feind

«Die Varroa kam vor gut 30 Jahren in die Schweiz», weiss Haller. «Seither führen wir Jahr für Jahr einen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner. Nur ein ständiges Säubern der Bienenstöcke hilft da einigermassen.» Aber mit Geduld und Wille gelingt es den Schweizer Imkern langsam, der Seuche Herr zu werden.

Auch mit neuen Kreuzungen, die weniger anfällig für den Parasiten sein sollen, wird experimentiert. Somit ist noch nichts verloren, wenn auch die Landwirtschaft mit ihren Monokulturen, den Pestiziden und den alles vernichtenden Balkenmähern nicht gerade förderlich für die Bienenvölker sei. «Es gibt immer noch eine sehr hohe Bienendichte», so Haller, «trotz all dieser Bedrohungen von aussen und innen.»

Fördern der Jungimker und medialer Fokus

All das auf einmal könne die gemeine Honigbiene aber nun mal nicht stemmen, da muss der Mensch helfen. Mit guter Jugendarbeit bei den Jungimkern und dem Sensibilisieren für Varroa kann die Wende erreicht werden. «Es gibt immer mehr interessierte junge Imker. Viele kommen aus der Landwirtschaft, manche sind auch die klassischen Stadtimker.»

Doch egal welche Art von Imker, wichtig sei es, den Nachwuchs zu fördern. Dies und der mediale Fokus geben dem Thema «Honigbiene» neue Impulse. «Es wird bestimmt irgendwann gelingen, eine Zuchtform der Honigbiene zu halten, die immun gegen Varroa ist», so der Imker. «Bis dahin müssen wir weiter gute Jungimker ausbilden und uns dem jährlich wiederkehrenden Varroa-Phänomen zu stellen. Dann haben wir eine grosse Chance, unsere Bienen zu retten.»

am Puls/Marc Ferber