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Stadt St. Gallen
08.04.2021
08.04.2021 14:04 Uhr

Clubbetreiber: «Es ist nervenzerreissend»

Insgesamt zehn Monate musste der IVY Club in der Pandemie schliessen. Bild: zVg
Während in der Stadt St.Gallen viele illegale Partys steigen, müssen Clubs weiterhin geschlossen bleiben. Im Interview erzählt René Meier, Clubbetreiber vom IVY, wie er die Pandemie erlebt.

Die Musik dröhnt aus den Boxen, Hunderte Menschen bewegen sich zum Takt, an der Bar mixt der Barkeeper gerade ein paar Cocktails und in einer Ecke wird geflirtet: Das war einmal. Seit Monaten tanzt, trinkt und flirtet keiner mehr und das St.Galler Nachtleben steht still. Kaum eine Branche wurde so hart von der Pandemie getroffen wie die Club- und Veranstaltungsszene. 

Im Interview mit stgallen24 erzählt René Meier, der seit 2016 das «IVY Club & Events» in der Stadt St.Gallen betreibt, wie er die Pandemie erlebt, wie wichtig Ausgang für unsere Gesellschaft ist und warum noch immer keine Härtefallgelder angekommen sind.

  • Volle Clubs: Das war einmal. Bild: zVg
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  • Heute sieht es eher so aus. Bild: zVg
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René Meier, im Gegensatz zur Gastrobranche, die sehr präsent in den Medien auftritt, ist es um die Clubszene ziemlich ruhig. Gibt es dafür Gründe?

Ich denke dies liegt daran, dass die Clubszene gerade in der Ostschweiz nicht so gross ist. Natürlich haben wir eine Vielzahl von kleinen sowie grossen Restaurants und Bars in der Region. Clubs bzw. Veranstaltungslokalitäten sind generell viel weniger vertreten.

Seit mehreren Monaten sind Clubs und Bars schweizweit geschlossen. Wie würden Sie die aktuelle Stimmungslage in der Branche beschreiben?

Unsere Branche hat es sehr hart getroffen. Wir sind die Ersten die schliessen mussten und werden die Letzten sein, die wieder öffnen dürfen. Natürlich keine angenehme Situation. Aber es ist wie es ist. Wir versuchen das Beste daraus zu machen und beschäftigen uns mit anderen Arbeiten.

Wie geht es Ihnen persönlich damit?

Am Anfang konnte ich erstaunlicherweise recht gelassen mit der Situation umgehen. Je länger es sich aber hinauszieht, umso anstrengender wird es. Gerade politisch; mit den versprochenen Hilfen ist es sehr mühsam und nervenzerreissend. Es braucht viel Zeit und kostet Geld, um hier auf einen Nenner zu kommen. Ich wünschte mir, das Ganze wäre etwas wirtschaftlicher. Bisher klingt es lediglich in den Medien positiv.

«Wir sind die Ersten die schliessen mussten und werden die Letzten sein, die wieder öffnen dürfen. »

Während andere Branchen mit Take Aways oder Ticketverkäufen noch ein paar Einnahmen generieren können, ist das in Clubs nicht möglich. Wie steht es um die wirtschaftliche Situation des IVY?

Natürlich trifft uns diese Pandemie wirtschaftlich sehr stark. Jedoch ist es gerade in solchen Situationen in jedem Unternehmen wichtig wirtschaftlich gesund dazustehen und möglichst alle Fixkosten so gut es geht zu minimieren. Dies konnten wir zum Glück schnell umsetzen.

Härtefallgelder und Kurzarbeit: Welche unterstützenden Massnahmen konnten Sie in Anspruch nehmen?

Wir konnten für alle fest angestellten Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Dies mit den Härtefallgelder dauert noch etwas. Wie schon erwähnt: Es klingt in den Medien super, praktisch ist es aber leider nicht so. Es ist eine grosse Bürokratie.

Inwiefern?

Grundsätzlich geht es uns in der Schweiz gut. Auch dass wir den Club in einer solchen Situation schliessen mussten, können wir nachvollziehen. Jedoch ist das Ganze wirklich sehr kompliziert aufgebaut und benötigt viel Zeit und Nerven. Nebst dem kommen weitere Kosten für den Treuhänder. Alles dies ist meines Erachtens  nicht ganz durchgedacht.

Viele vor allem kleinere Betriebe hätten schneller und unkomplizierter Hilfe benötigt. Es macht für mich den Anschein, als wolle man es solange als möglich hinauszögern, damit möglichst viele vorher noch den Betrieb schliessen oder gar Konkurs anmelden müssen. Ich hatte in dieser Zeit schon unzählige sinnlose Telefonate und Schreiben mit den Behörden.

  • Der Club beschäftigt 35 Mitarbeiter. Bild: zVg
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  • Viele davon gehen nun anderen Tätigkeiten nach. Bild: zVg
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«Es macht für mich den Anschein, als wolle man es solange als möglich hinauszögern, damit möglichst viele vorher noch den Betrieb schliessen oder gar Konkurs anmelden müssen.»

In der Stadt St.Gallen werden immer wieder illegale Partys gefeiert. Ausserdem scheinen die Jugendlichen sehr frustriert. Denken Sie, dass offene Clubs dem entgegenwirken könnten?

Ein geregeltes Nachtleben ist für jede grosse Stadt wichtig. Es braucht Orte, wo man kontrolliert ausgelassen feiern kann, in jeder Altersgruppe. Darum finden wir es auch wichtig bald wieder zu öffnen. Es gibt immer mehr «illegale» Partys.

Dort wird nichts erfasst, es gibt kein Schutzkonzept und keine Hygienevorschriften. Deshalb ist es sicher besser in einer Lokalität zu feiern, wo man z.B. das Contact Tracing und ein Schutzkonzept hat. Aber nebst dem Ausgang ist es sicherlich auch wichtig die Fitnessstudios bzw. weitere Freizeitaktivitäten reguliert wieder zu öffnen. Den Leuten fehlt in dieser Zeit einfach der Ausgleich.

Wie wichtig ist der Ausgang für unsere Gesellschaft?

Ausgang ist sehr wichtig für die Gesellschaft, in welcher Form auch immer. Sei es im Club, in einer Bar, im Kino oder im Bowlingcenter. Man braucht einen Ausgleich zum Alltag. Und man braucht auch hin und wieder einen Ort um ausgelassen zu feiern und zu tanzen. Das Nachtleben bereichert kulturell, aber auch wirtschaftlich.

«Ein geregeltes Nachtleben ist für jede grosse Stadt wichtig. Es braucht Orte, wo man kontrolliert ausgelassen feiern kann, in jeder Altersgruppe. »

Was denken Sie, wann wird eine Rückkehr auf die Tanzfläche der Clubs wieder möglich?

Ich denke es wird etwas ähnlich wie letztes Jahr ablaufen. Da durften wir recht schnell ab Mitte Juni wieder öffnen. Ich denke dies wird dieses Jahr nicht anders sein. Nun sind wir ja auch erfahrener und haben zudem einen Impfstoff.

Was wünschen Sie sich von der Regierung?

Mehr auf unser eigenes Land und Bürger zu schauen. Mehr privatwirtschaftliches Denken. Unkompliziertere und schnellere Lösungswege. Keine kantonale unterschiedliche Regelungen in Bezug auf Härtefallgelder oder Kurzarbeit.

Miryam Koc