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Kultur
12.03.2021
12.03.2021 14:03 Uhr

Das erwartet Sie am St.Galler Literaturfestival

Bild: PD
Zwischen dem 25. und 28. März findet das dreizehnte St.Galler Literaturfestivals statt – dieses Jahr digital.

«Was möglich ist» – das ist nicht nur der Titel von Werner Rohners neustem Roman, aus welchem der Autor am 13. Wortlaut St.Galler Literaturfestival vorgelesen hätte, sondern auch das Motto vom digitalen Alternativprogramm. Oder anders gesagt: eine wirkliche Alternative sind digitale Formate nicht aber eben «was möglich ist».

Aufgrund der aktuell geltenden behördlichen Massnahmen kann das diesjährige Wortlaut nicht wie geplant stattfinden. Ein weiteres Jahr muss auf spannende Lesungen, literarische Entdeckungen und Begegnungen zwischen Literaturschaffenden und Publikum verzichtet werden. Ein schwerer Schlag für alle Mitwirker.

Es ist ein Anliegen trotz dem abgesagten Wortlaut wenigstens ein paar Autoren und Künstler, welche am Literaturfestival auf den kleinen und grossen Bühnen der Stadt aufgetreten wären, zu Wort kommen zu lassen. Oder eben zu Bild.

Zwischen dem 25. und 28. März werden die digitalen Formate auf der Website www.wortlaut.ch präsentiert. Alle Formate – Videos, Live-Streams, Zoom – stehen kostenlos zur Verfügung.

Wer Wortlaut unterstützen möchte, kann ein Solidaritäts-Ticket erwerben via eventfrog.ch.

Programm

 

Donnerstag, 25. März

Vorschau «Ich hätte grosse Lust auf einen Spaziergang»

Publizist und Kulturvermittler Richard Butz unternimmt in seinem neuen Stadtführer neun literarische, mit Fotografien von Regina Kühne angereicherte Spaziergänge durch St.Gallen. Sie führen zu Orten der Literatur, zitieren Textpassagen und Gedichte von St.Galler sowie auswärtigen Schriftsteller, geben Hinweise zum Weiterlesen, zu Kultur und Geschichte der Stadt. Das Werk, in neun einzelnen Heften, erscheint neu am 2. Mai im Verlag VGS St.Gallen.

Richard Butz und die Schauspielerin Nathalie Hubler stellen die Publikation in einem Kurzfilm vor. Film: Fabian Engeler

Freitag, 26. März

Live-Stream «Nachtgestalten»

Mit der Eröffnung vom 13. Wortlaut hätten wir eine doppelte Premiere gefeiert: Das Theater am Tisch spannt zum ersten Mal mit Schriftsteller Jaroslav Rudis zusammen. Dieser wiederum hat erstmals mit dem mehrfach preisgekrönten Wiener Illustrator und Comic- Zeichner Nicolas Mahler die Graphic Novel «Nachtgestalten» verfasst. Eine prächtige melancholisch-süffige Nachtgeschichte: Eine Stadt und zwei Freunde, die wissen, dass es nichts Grösseres gibt als die Wahrheit des Moments, in dem die Kneipe schliesst. Von Bier zu Bier und von Geschichte zu Geschichte treibend erzählen die beiden Nachtgestalten scharfsinnig und aberwitzig von der Tragik der Liebe, dem Wahnsinn des Lebens sowie den Spuren der Geschichte, die allem zugrunde liegt und nie ganz verschwindet.

Diese Premiere bringen wir nun per Live-Stream aus dem Palace in die heimischen Stuben: Schauspieler Marcus Schäfer und Oliver Losehand beleben das Zwiegespräch der Nachtgestalten anschaulich für die Bühne – und den Bildschirm, die E-Gitarristen Peter Lutz und Marcel Elsener geben ihr einen nachttrunken ausufernden Sound, Grafiker Jurek Edel animiert die Bilder vom blutigen Vollmond bis zum toten Hund.

Freitag, 26. März um 19 Uhr, Livestream auf wortlaut.ch

Samstag, 27. März

Live-Stream LECHTS: Simone Baumann & Thomas Ott

Graphic-Novel direkt ins eigene Wohnzimmer: am Samstagnachmittag melden sich gleich zwei Mitwirkende vom abgesagten Wortlaut mit ihren neuen Werken live aus dem Palace.

Es flimmert in der Finsternis, es flimmert überall in Simone Baumanns erstem Buch «Zwang»: in Mensch, Tier und Szenerie. Dubiose Gestalten bewegen sich durch dubiose Orte, wirken ihrem Schicksal ausgeliefert. Zwar blitzt fast überall die Infrastruktur eines gängigen Schweizer Städte-Alltags hindurch, aber die Atmosphäre bleibt dem gefahrlosen Alltag fern. Es geschehen morbide und komische Dinge, das wird schnell klar. Manche sind nachvollziehbar, andere kryptisch. In den meisten Bildern taucht eine Hauptfigur auf, die autobiografisch angelegt wirkt. Passieren ihr diese Dinge? Stellt sie sie sich nur vor? Oder geht es um genau diesen Ort, wo Realität und Fantasie zusammenfliessen?

Thomas Ott erzählt in seinem neuesten Buch «La Forêt» die Geschichte eines Jungen, der sich ganz alleine tief in den dunklen Wald wagt, dabei mit seinen kleinen und grossen Ängsten konfrontiert wird und schliesslich lernt, ohne Furcht oder Zweifel seinen eigenen Weg zu gehen. Die vom Autor wohl bisher berührendste Graphic Novel über den Mut und die Kraft zum Leben.Der Schweizer Comic-Künstler liefert seit Jahren die schwärzesten Visionen zur Absurdität der modernen Zivilisation und beweist einmal mehr sein Herz für die Pechvögel dieser Welt und seinen Sinn für die wirklich tragischen Geschichten.

Die Künstlerin und der Künstler stellen ihre neuen Bücher vor und diskutieren mit Lika Nüssli und Julia Kubik.

Samstag, 27. März um 14 Uhr, Livestream auf wortlaut.ch

Gassenhauer digital
Einmal im Jahr stellt der Gassenhauer am Wortlaut die Lage der Dinge vom Kopf auf die Füsse. Günter und Emmi, die beiden Unverwüstlichen, mischen sich in die Stadtdebatten und pfuschen sich gegenseitig ins Hand- und Mundwerk. Bis 2016 war der Pelikanerker in der Schmiedgasse Schauplatz der nächtlichen Gassenhauerei. Nach einem kurzen Abstecher ins Waaghaus wurde 2019 auf die Metzgergasse gehauen – unausgewogen und aufmüpfig wie eh und je. 2020 hatte jemand anders die Klappe noch weiter offen: Corona. Günter und Emmi schlugen drum klammheimlich aus dem Lockdown zu. Und auch dieses Jahr melden sich die zwei gezwungenermassen aus den eigenen vier Wänden. Mit Diana Dengler und Marcus Schäfer von Theater am Tisch und dem Kulturmagazin Saiten.

Schnitt: Jurek Edel

Ab Samstag, 18 Uhr auf www.wortlaut.ch und vimeo.ch

Late-Night Ladies: Mit Hildegard in der Zoom-Bar
Willkommen in der Zoom-Bar. Die Gastgeberin, Hildegard E. Keller, serviert Geschichten und der Barmann einen Cocktail. Diesmal empfängt sie drei Ladies, die in ihrem soeben erschienen Roman «Was wir scheinen» eine wichtige Rolle spielen: Hannah Arendt, Ingeborg Bachmann und Alfonsina Storni. Drei Frauen, die viel gewagt haben. Von ihnen erfahren wir: «Wer selbst denkt und fühlt und sich ausdrückt, lebt! Ganz ohne Gefahr geht das aber nicht.» Deshalb tun wir gut daran, uns immer wieder mal kräftig Mut anzutrinken – am besten in Gemeinschaft.

Die Gastgeberin: Die in St.Gallen geborene Autorin, Verlegerin, Literaturkritikerin und Professorin Hildegard E. Keller, wirft einen frischen Blick auf Künstlerinnenbiografien, mit Hörspiel, Theater, Film und nun auch in ihrem ersten Roman. Sie wird aus ihren jüngsten Büchern lesen (Hildegard Keller: was wir scheinen, Eichborn, 2021; Alfonsina Storni: chicas und cuca, Edition Maulhelden 2021).

Der Barmann: Christof Burkard betreibt mit Hildegard Keller die Edition Maulhelden und tritt mit ihr als Duo unter dem Namen «Maulhelden» auf. Seine Domäne ist die Küchenkultur, aber wenn’s sein muss, mixt er auch Cocktails.

Samstag, 27. März um 21 Uhr via Zoom

Den Link zur Teilnahme erhalten Sie auf Anfrage via info@wortlaut.ch Eintritt frei

In Zusammenarbeit mit Edition Maulhelden und in Kooperation mit dem Literaturhaus Wyborada

Sonntag, 28. März

«Bericht: im Hallenbad» - Video-Essay aus dem Volksbad mit Maya Olah

«Bericht: im Hallenbad» ist ein Konglomerat aus Texten, die sich ums Schwimmen drehen. Das Hallenbad wird als Gegenraum zur Alltagswelt angesehen, das Schwimmen als Schwellenzustand betrachtet. Im Textteppich ist das Wasser der Ort der Ambivalenz, des Unterdrückten und Unterbewussten. Erinnerungen, Träume von Untieren, die im Wasser treiben und Beobachtungen werden miteinander verwebt.

Die Autorin Maya Olah liest im leeren Volksbad St. Gallen. Film: Juan Ferrari und Pascale Lustenberger.

Ab Sonntag, 11 Uhr auf www.wortlaut.ch

Virtueller Autor-Spaziergang mit Laura Vogt und Werner Rohner
Beide wären zum Wortlaut 2021 für eine Lesung aus ihren neuen Büchern eingeladen gewesen: In ihrem zweiten Roman «Was uns betrifft» beleuchtet Laura Vogt Fragen wie «Was bedeutet es in der heutigen Zeit, Mutter zu sein?», «Was ist Weiblichkeit?», oder «Welche Beziehungen sind möglich und wie bleibt man darin selbstbestimmt?».

Einfühlsam und unaufgeregt erzählt Werner Rohner in „Was möglich ist“ von drei mutigen Frauen und drei mutigen Neuanfängen; von Sehnsucht und Begehren, von Aufbruch und Verlust.

Nun treffen sich Laura Vogt und Werner Rohner auf einen Spaziergang. Sie sprechen über ihre Bücher, lesen sich gegenseitig Lieblingsstellen daraus und reden über eigene Sätze, die man später nicht mehr schreiben würde. Vielleicht. Vielleicht locken sie sich gegenseitig auch anderweitig aus der Reserve, reden über abgesagte Lesungen, vielleicht auch über Fussball. Beim Promenieren kann so mancher Art Gespräch entstehen... Wir laden Sie ein auf einen virtuellen Spaziergang mit zwei spannenden Stimmen der Schweizer Literatur.

Ab Sonntag, 15 Uhr auf www.wortlaut.ch

Leerbuch im Museum of Emptiness
Zum Glück ist Wortlaut nicht nur auf den grossen und kleinen Bühnen der Stadt Zuhause, sondern auch in einem Museum zu Besuch. Und dieses hat geöffnet!

Ein Jahr nach dem ersten Shutdown erscheint ein Buch zur Leere. Beim Durchblättern begegnen den Leserinnen und Lesern 24 leere Orte, die von den Fotografen Daniele und Ben Lupini festgehalten wurden, zu 24 Interviewbeiträgen von Gilgi Guggenheim mit Margrith Bigler, Barbara Bleisch, Jon Bollmann, Jacquelin Burckhardt, Marcy Goldberg, Hedy Graber, Simon Grand, Hanna B. Hölling, Gardi Hutter, Theres Inauen, Marc Jenny, Hildegard E. Keller, Daniel Koch, Olivia Kühni, Walter Leimgruber, Josef Muggli, Bertrand Piccard, Hans Reckhaus, Peter Schneider, David Signer, Juri Steiner, Mirjam Varadinis, Ursus Wehrli und Fanny Wissler.

Das Leerbuch liegt am Wortlaut-Sonntag erstmals öffentlich im Museum of Emptiness auf. In den Räumlichkeiten des MoE finden Sie einen ruhigen Ort für entspanntes Lesen und Betrachten. Tauchen Sie in die Bilder und in die persönlichen Texte der Autor*innen ein. So widersprüchlich es klingt, so erfüllend ist die Leere.

Sonntag, 11-16 Uhr
Museum of Emptiness, Haldenstrasse 5, St. Gallen

mg/pd