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Stadt St. Gallen
05.03.2021
11.03.2021 11:45 Uhr

Gastro-Schock: Jede fünfte Beiz ist pleite

Viele Beizer mussten bereits aufgeben Bild: Screenshot SRF
In der Gastronomie geht es ums nackte Überleben. Bereits jetzt mussten schon 20 Prozent der Betriebe aufgeben. Auch in St.Gallen ist die Situation mehr als dramatisch.

Die Ergebnisse einer aktuellen Mitgliederbefragung von GastroSuisse sind dramatisch: Im Schweizer Gastgewerbe mussten bereits fast 20 Prozent ihren Betrieb aufgeben. Weitere 20 Prozent stehen kurz davor. Und fast die Hälfte all jener, die ein Härtefall-Gesuch eingereicht haben, warten seit mehreren Wochen auf eine Antwort.

«Terrassenöffnungen bringen uns nichts»

In der Stadt St.Gallen sieht es gemäss René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St.Gallen, wohl nicht anders aus. «Es ist zwar schwierig zu sagen, da die Auswertung von GastroSwiss die ganze Schweiz betrifft. Aber ich gehe davon aus, dass die Zahlen in der Gallusstadt nicht viel anders aussehen», so Rechsteiner. «Was aber auf jeden Fall klar ist: Das Beste, was der Gastronomie passieren könnte, wäre, dass sie schnell wieder öffnen dürfte.»

Auf die Frage, ob eine Terassenöffnung sinnvoll wäre, gibt Rechsteiner zu bedenken: «Diese würde den Beizen in der Stadt nicht viel nützen. Grund ist vor allem das Wetter.» Den Berggastronomen könnte es etwas bringen, doch in der Stadt wäre das sinnlos. «Ich würde lieber noch kurz warten und dann bald ganz ohne Einschränkungen wieder aufmachen wollen. Vor allem ohne Vierer-Tisch-Regel, denn diese verhindert rund 50 Prozent des möglichen Umsatzes.»

René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St.Gallen, auf einem Bild aus besseren Zeiten Bild: PD

GastroSuisse fordert rasche Öffnung

GastroSuisse fordert nun erst recht, dass die Restaurants wieder öffnen dürfen und dass Gesuche rasch bearbeitet werden. Zwingend notwendig ist auch, dass die Kantone die Betriebe möglichst umfangreich entschädigen. Aktuell decken die A-fonds-perdu-Beiträge nämlich deutlich weniger als zehn Prozent des Umsatzes.

Dass der Nationalrat gestern an seiner Session verlangt hat, dass Restaurants per 22. März wieder öffnen dürfen, ist erfreulich. Für den Bundesrat ist diese Erklärung leider aber nicht verpflichtend. «Es ist bitternötig, dass der Ständerat nachzieht und den Bundesrat zum Handeln auffordert», sagt Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse, und betont: «Die Situation im Gastgewerbe ist dramatisch.»

Kampf ums nackte Überleben

Wie dramatisch, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von GastroSuisse bei seinen Mitgliedern, an der 3556 Betriebe teilgenommen haben: Fast 20 Prozent haben ihren Betrieb bereits aufgegeben. Zu sehr hat ihnen die Corona-Krise zugesetzt. «Und jeder vierte Betrieb kämpft weiterhin ums nackte Überleben», sagt Platzer. Wenn diese Betriebe nicht sofort finanziell entschädigt werden, müssen auch sie – wie die Umfrage zeigt – für immer ihre Türen schliessen. «Das bedeutet, dass dann vier von zehn Restaurants dem Corona-Virus zum Opfer fallen», erklärt Platzer.

Nur ein Drittel der Befragten kann die Krise ohne finanzielle Entschädigung überstehen. Wie viele Restaurantbetreiber am Ende Corona tatsächlich überstehen, hängt wesentlich davon ab, wie schnell und wie viele A-fonds-perdu-Beiträge bezahlt werden. 70 Prozent der Befragten haben ein HärtefallGesuch eingereicht, 20 Prozent werden noch eines einreichen.

Tragisch ist: Erst die Hälfte der Gesuche wurde bewilligt, wie die Umfrage ergab. Und die andere Hälfte wartet seit mehreren Wochen auf eine Antwort. «Das ist untragbar», sagt Platzer und betont: «Unsere Branche leidet und benötigt dringend finanzielle Hilfe, die sie noch immer nicht bekommen hat!»

Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse Bild: PD

Aber auch wenn Geld geflossen ist, reichen die A-fonds-perdu-Beiträge nirgends hin. Zwei von drei Betrieben haben nämlich mehrheitlich deutlich weniger als zehn Prozent Umsatzausfall erhalten. «Damit kann man die ungedeckten Fixkosten des zweiten Lockdowns nicht decken», sagt Platzer. Dabei könnten Bund und Kantone das Doppelte bezahlen. Denn die Obergrenzen für A-fonds-perdu-Beiträge liegen bei 20 Prozent des Vorjahresumsatzes.

GastroSuisse fordert nun erst recht, dass die Restaurants im Aussenbereich als auch im Innenbereich geöffnet werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil nur eine Überlastung des Gesundheitswesens einen Lockdown rechtfertigen kann. Der Nationalrat wies gestern ebenfalls nochmals darauf hin, dass die Massnahmen weder verständlich und nachvollziehbar sind. Und auch eine überparteiliche Allianz mit 15 Exponenten von CVP, FDP und SVP haben gestern verlangt, dass Restaurants spätestens am 22. März vollständig geöffnet werden (stgallen24 hat berichtet).

GastroSuisse fordert ferner vehement Nachbesserungen bei der Härtefall-Entschädigung. «Ungleichbehandlungen und Ungerechtigkeiten müssen korrigiert werden», betont Casimir Platzer.

stgallen24/mg/stz.