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Kanton
27.09.2022

«Wil West ist tot. Es lebe Thurgau Ost!»

Der St.Galler Kantonsrat Remo Daguati.
Der St.Galler Kantonsrat Remo Daguati. Bild: who-s-who.ch
Mit dem Nein zu Wil West hätten sich «staatsnahe, bewahrende und rückwärtsgerichtete Kräfte» durchgesetzt. Sie verweigerten den nötigen Raum für wirtschaftliche Entwicklungen. Der Thurgau sollte nun seine Zukunft eigenständig gestalten, findet Remo Daguati.

Bäuerliche und links-grüne Kreise und haben Wil West gebodigt. Die wachstumsfeindlichen links-grünen Kräfte, meist im Staatsdienst tätig, und die von staatlichen Subventionen getragene Bauern haben Wil West den Stecker gezogen. Da beide Seiten dieser unheiligen Allianz nur wenig Bezug zu wirtschaftlichem Erfolgsstreben haben, ist es nicht verwunderlich, dass sie einem Projekt, welches Wirtschaftswachstum, Wertschöpfung und hochwertige Arbeitsplätze fördern wollte, nicht folgten. Erschreckend ist hingegen, dass eine wachstumsfeindliche Haltung in weiten Teilen des Kantons St.Gallen die politische Mehrheiten ausmacht.

Der Kanton St.Gallen bietet mit seinem stagnierenden Kantonshauptort schon seit Jahren kaum mehr Strahlkraft oder Wachstumsimpulse für das Umland. Der Bevölkerung scheint es egal zu sein, dass man ressourcenschwach ist, ausgeprägtem Braindrain ausgesetzt ist und damit eine Selektion nach unten stattfindet. Als einer der grössten Bezüger aus dem Finanzausgleich (NFA) hängt man schon längst am Tropf des Bundes. Es lebt sich anscheinend bestens, wenn erfolgreichere Kantone und der Bund die eigene Zeche zahlen. Der Bund hat dafür im Gegenzug immer weniger Lust, Verkehrsinfrastrukturen in einem Kanton zu priorisieren, der sich einer qualitativen Entwicklung verwehrt. Es gibt eben zu viele Regionen in der Schweiz, die ihre Zukunft aktiv gestalten, ihre Standortqualitäten stärken und entsprechend Aussichten auf bessere Erschliessungen erhalten.

Da vom Kanton St.Gallen in den kommenden Jahren kaum Wachstumsimpulse zu erwarten sind, sollte der Kanton Thurgau nun ohne Scham und mit viel Selbstbewusstsein den Lead in der Ostschweizer Wirtschaftsentwicklung einfordern. Der Kanton Thurgau profitiert denn auch schon seit mehreren Jahren von Wachstumsimpulsen aus dem Grossraum Zürich. Pragmatisch werden im Thurgau die sich daraus ergebenden Chancen ergriffen. Der Stundensprung von Zürich aus nach Kreuzlingen und Romanshorn sowie ein feingliedriges Verteilsystem müden bereits in einer steigenden Ressourcenkraft. Es ist ein Fakt: Die Wohn- und Wirtschaftsentwicklung findet in der Ostschweiz immer stärker im Thurgau statt.

Die Regierung in St.Gallen müsste nach der Abstimmungsniederlage nun eigentlich die Grösse haben, das unerschlossene Land der Psychiatrischen Klinik Wil an den Kanton Thurgau abzutreten. Denn der Kanton Thurgau wird die Arealentwicklung vor den Toren von Wil ohne den sklerotischen Nachbarkanton dynamischer gestalten können. Mit einer neuen Namensgebung "Thurgau Ost" könnte der Neustart auch symbolisch verankert werden. Das wäre ein wichtiges Signal an die Schweiz: Seht her, in der Ostschweiz lässt sich wenigstens im Thurgau noch etwas bewegen.

Remo Daguati, Standortberater und St.Galler Kantonsrat