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Stadt St.Gallen
23.06.2022
23.06.2022 13:56 Uhr

Anwohner demonstrieren – Gewerbler sind genervt

Trotz Tempo 30: Die Anwohner stören sich am Verkehr an der Demutstrasse
Trotz Tempo 30: Die Anwohner stören sich am Verkehr an der Demutstrasse Bild: Miryam Koc
Am Freitag gehen einige St.Geörgler auf die Strasse, um gegen den Durchgangsverkehr auf der Demutstrasse zu demonstrieren. Während sie sich am Verkehr stören, ist er für viele Geschäfte essenziell.

«Demutstrasse lebt» – unter diesem Titel flatterte diese Woche ein Flyer in die Haushalte vieler Anwohner in St.Georgen. Eine Gruppierung, die sich schon längere Zeit am Verkehr auf der Demutstrasse stört, fordert zu einer «friedlich und freundlichen» Demo am Freitag auf.

Die Strasse werde nämlich von vielen Pendlern, die nach Appenzell fahren, als Umfahrung genutzt. Gegen diese «Blechlawine»  wollen die Anwohner nun selbst Lärm machen und versammeln sich am Freitag um 16 Uhr auf dem Garagenvorplatz der Demutstrasse 12/14. 

Geteilte Meinung im Quartier

Bereits in der Vergangenheit gab es Bemühungen, den Verkehr lahmzulegen oder zumindest einzudämmen. So gilt bereits Tempo 30. Die Stadtparlamentarier Marlene Bodenmann (SP) und Andreas Hobi (Grüne) reichten im vergangenen Jahr eine Interpellation ein. Darin wollten die Politiker wissen, inwieweit der Stadtrat Kenntnis von der Verkehrsbelastung habe und was man dagegen zu tun gedenke. Doch der Stadtrat sah keinen Handlungsbedarf, wie aus seiner Antwort im Februar 2021 hervorging.

Damit geben sich einige Anwohner aber nicht zufrieden – zu sehr leide ihre Wohnqualität unter der befahrenen Strasse. Mit Schildern und Transparenten wollen sie nun deshalb erneut auf die Thematik aufmerksam machen. Die Demo ist polizeilich bewilligt.

  • Kreuzung St.Georgen-/Demutstrasse Bild: Miryam Koc
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  • Bild: Miryam Koc
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Und was hält der Quartierverein St.Georgen davon? Auf Anfrage von stgallen24 hielt sich Präsident Thomas Giger bedeckt und wollte keine Stellung zur Demo beziehen. Man habe die Situation mit den Beteiligten vor Ort angeschaut und akzeptiere deren Meinung. Was man persönlich davon halte, spiele keine Rolle, heisst es in Gigers knappen Antwort. 

Lädeli leben vom Verkehr

Dass nicht alle die Meinung der Gruppierung teilen, zeigt ein Augenschein vor Ort. So sagt ein Anwohner gegenüber stgallen24: «Ausser wenigen Bewohnern wünscht sich hier keiner eine weitere Beruhigung der Demutstrasse, zumal die bisherigen Massnahmen schon sehr viel gebracht haben. Wenn man auf die St.Georgen-Strasse schaut, dann ist das Verkehrsaufkommen dort deutlich höher. Da macht auch keiner so einen Aufstand!»

Ein älteres Ehepaar, das seit über 20 Jahren im Quartier wohnt, findet eine Demo übertrieben. «Natürlich wäre es ohne Verkehr schöner, aber es ist auch gut, wenn die Leute, die nach Speicher und Trogen fahren, hier ihre Einkäufe erledigen können.»

Ein anderer St.Geörgler meint: «Wir wohnen doch hier schon privilegiert. Was sollen wir nun anderen, die es vielleicht nicht so schön haben, noch das Leben schwer machen? Der Verkehr ist nun mal eine Tatsache, und wenn wir ihn hier wegschikanieren, wird er sich einen anderen Weg suchen. Wollen wir wirklich Schwächeren unsere Probleme aufhalsen?» Das finde er unsozial und unfair.

Beheimatete Geschäfte befürchten, dass ihnen durch weitere Einschränkungen des Verkehrs die Kunden wegfallen könnten. Denn viele Appenzeller, die die Strecke nutzen, machen Halt, um in St.Georgen einzukaufen. Öffentlich äussern wollte sich aber kaum einer der Gewerbler – aus Angst, Kunden zu verlieren.

«Auch die Bewohner der Demutstrasse sind meine Kunden. Ich stehe da etwas zwischen den Stühlen, denn natürlich sind auch die Pendler wichtig für unseren Betrieb», so ein Geschäftsinhaber. Bei der Bäckerei Rohner heisst es: «Wenn der Verkehr wegfallen würde, dann wäre das für das ganze Gewerbe hier fatal. Daran denken die Demonstranten zu wenig!»

Miryam Koc/stgallen24