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Stadt St.Gallen
23.06.2022

Zwei Rücktritte aus dem GGK-Vorstand

Claudius Luterbacher, Heidi Gstöhl, Johannes Gunzenreiner (Präsident).
Claudius Luterbacher, Heidi Gstöhl, Johannes Gunzenreiner (Präsident). Bild: zVg
Heidi Gstöhl und Claudius Luterbacher sind aus dem Vorstand der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons St.Gallen zurückgetreten. An der Jahresversammlung wurden sie von Präsident Johannes Gunzenreiner verabschiedet. Im Anschluss sprach Schriftsteller Jonas Lüscher.

Zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie konnte die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons St.Gallen (GGK) ihre Jahresversammlung wieder ohne einschränkende Massnahmen durchführen. Präsident Johannes Gunzenreiner freute sich denn auch, dass am vergangenen Montag 21 Mitglieder den Weg ins St.Galler Stadthaus gefunden hatten.

«Schön, dass nach der langen Phase der Pandemie nun wieder ein entspannteres Miteinander möglich ist», sagte er in seiner Begrüssung. Im Jahresbericht blickte der Präsident auf das vergangene Jahr zurück. Dabei erwähnte er unter anderem die Jahresversammlung in Gossau, an der es Historiker und Referent Caspar Hirschi ausgezeichnet verstanden habe, die Pandemie und deren Auswirkungen im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Politik zu veranschaulichen.

Während 2021 einige Anlässe coronabedingt abgesagt werden mussten, konnte dieses Jahr bereits die eine oder andere Veranstaltung stattfinden. So wie das GGK-Forum an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) vom 12. Mai zum Thema «Nicht einfach ‹Kinderhüte›, sondern ‹Frühe Bildung›: Chancengleichheit braucht Qualität». Das Interesse war gross, rund 60 Personen folgten dem Vortrag von Franziska Vogt, die das Zentrum Frühe Bildung an der PHSG leitet.

Vorerst keine Ersatzwahlen

Auch im vergangenen Jahr hatte die GGK wieder verschiedene gemeinnützige Projekte und Institutionen im Kanton unterstützt. Insgesamt wurden hierfür 42'750 Franken zur Verfügung gestellt. Dabei habe sich die neue Vergabepraxis, die erstmals im Frühling 2021 angewendet wurde, bewährt, sagte Gunzenreiner. «Die Beurteilung der eingehenden Gesuche nach objektiven Kriterien bringt mehr Transparenz und Klarheit.» Die Anwesenden genehmigten nebst Jahresbericht und Jahresrechnung auch alle übrigen Geschäfte.

Gleich zwei Vorstandsmitglieder hatten auf diese Versammlung hin ihren Rücktritt eingereicht: Zum einen Heidi Gstöhl, die am 1. September 2022 ihre neue Stelle als Leiterin des Amtes für Soziales im Fürstentum Liechtenstein antritt und damit nach 25 Jahren in der Stadtverwaltung St.Gallen in ihre «alte» Heimat zurückkehrt. Zum anderen hat sich auch Claudius Luterbacher für eine berufliche Veränderung entschieden. Der langjährige Kanzler des Bistums St.Gallen leitet ab September 2022 das Amt für Soziales im Kanton St.Gallen.

Luterbacher war seit 2010 Mitglied des GGK-Vorstands, Gstöhl seit dem Jahr 2000. Beide wurden von Gunzenreiner verabschiedet. Ersetzt werden sie vorerst nicht. «Der Vorstand hat entschieden, aktuell keine neuen Vorstandsmitglieder vorzuschlagen», sagte der Präsident. Er sowie die verbleibenden acht Mitglieder des Vorstands führen ihr Amt weiter.

Larissa Schuler, Jonas Lüscher (Schriftsteller & Essayist), Thomas Metzger. Bild: zVg

Lüscher und die Sprache der Populisten

Im Anschluss an die Jahresversammlung sprachen GGK-Vorstandsmitglied Larissa Schuler und Thomas Metzger, Co-Leiter der Fachstelle Demokratiebildung und Menschenrechte der PHSG, mit Schriftsteller und Essayist Jonas Lüscher über den Populismus und seine Narrative.

Lüscher, der wenige Tage zuvor mit dem Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich ausgezeichnet wurde, hatte vergangenes Jahr das Buch «Der populistische Planet. Berichte aus einer Welt in Aufruhr» herausgegeben. Darin stellen er und andere internationale Autoren die gängigen Erzählungen der Populisten in den unterschiedlichen Ländern zur Debatte.

Als Schriftsteller, Intellektueller und politisch Interessierter sei es seine Hauptaufgabe, gegen den Populismus und dessen meist aggressive Erzählform anzugehen, sagte Lüscher. Er mache dies, indem er «am Fundament dieser Sprache sägt und immer wieder Zweifel streut». Er wolle verunsichern, die Menschen darauf aufmerksam machen, dass die Dinge nicht eindeutig sind. Dies aber sei nicht einfach, auch weil es gerade bei den Populisten einen starken anti-intellektuellen Reflex gebe. «Unpopulistisch zu sein, ist anstrengend», sagte der Schriftsteller.

pez/pd