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21.06.2022

«Wir haben ein strenges Tierschutzgesetz»

«Massentierhaltung gibt es bei uns gar nicht», argumentiert Schweinezüchter Marco Fürer.
«Massentierhaltung gibt es bei uns gar nicht», argumentiert Schweinezüchter Marco Fürer. Bild: Calvin Mattes, Mattes Films AG
Nebst Kühen hält Marco Fürer aus Gossau auch Schweine. Würde die Massentierhaltungsinitiative angenommen werden, müsste der junge Bauer einige Investitionen tätigen, um den Forderungen der Befürworter gerecht zu werden.

Marco Fürer bewirtschaftet mit seinen Eltern in einer Generationengemeinschaft einen Betrieb im Weiler Enggetschwil bei Gossau. Auf dem Betrieb tummeln sich Zucht- und Mastschweine, Milchkühe, Aufzuchtrinder und Mästkälber. Der junge Bauer betreibt Futter- und Ackerbau und vermarktet das Obst seiner Hoch- und Niederstammbäume direkt im Hofladen und auf dem Wochenmarkt in Gossau, wie der St.Galler Bauernverband in einer Mitteilung schreibt.

«Ich bin die vierte Generation Fürer auf diesem Hof. Wir alle sind verantwortlich für das Wohlergehen aller unserer Tiere auf dem Hof», sagt Fürer. Er kritisiert an der Massentierhaltungsinitiative, dass sie über das Ziel hinausschiesst. «Wir in der Schweiz haben ein strenges Tierschutzgesetz und Höchsttierbestände», sagt er. «Massentierhaltung gibt es bei uns gar nicht.»

Eine maximale Anzahl

In der Schweiz gibt es Höchsttierbestände. So dürfen in einem Stall maximal 1500 Mastschweine gehalten werden, bei den Zuchtsauen ist der Bestand auf 250 Tiere begrenzt. Schweinehochhäuser, wie sie derweil in China wie Pilze aus dem Boden schiessen, wären in der Schweiz ein Ding der Unmöglichkeit, so der Bauernverband.

«Aber auch in Europa selbst gibt es kein Limit. Dieser Fakt machte im März vor einem Jahr auch Schlagzeilen, als bei einem Grossbrand einer Schweinezuchtanlage im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern rund 50'000 Sauen und Ferkel den Tod fanden. Helfer konnten lediglich 1300 Tiere aus den brennenden Ställen retten.»

Fürers gehörten zu einem Ferkelring und haben 22 Abferkelbuchten, wie der Verband weiter schreibt. Ein Ferkelring ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Landwirten mit kleineren Schweinebetrieben mit dem Ziel, die Ferkelerzeugung durch überbetriebliche Zusammenarbeit rentabel zu gestalten. Daneben hält die Familie 600 Mastschweine, die von Marco Fürer und seinen Eltern alleine versorgt werden können.

In der Schweiz dürfen in einem Stall maximal 1500 Mastschweine gehalten werden, bei den Zuchtsauen ist der Bestand auf 250 begrenzt. Bild: Calvin Mattes, Mattes Films AG

Natur im Stall

«Bei den Zuchtsauen wie auch bei den Mastschweinen gibt es Beschäftigung für die Tiere. Damit sich die Tiere wohlfühlen, erhalten sie eine naturnahe Unterbringung im Stall», erklärt der Landwirt. Im Innenbereich befänden sich Strohnester, die Schweine können darin herumwühlen und sich in den Ruhezonen darauf ausruhen. Mit der Belüftung werde das Stallklima optimiert.

Fürers bieten ihren Tieren einen Auslauf. «Die Mastschweine lieben es, sich im Auslauf frei bewegen zu können. Hier haben sie frische Luft und hochwertiges Futter.» Dieses Futter soll ausgewogen sein. Darum handle es sich um eine Multiphasen-Fütterung, in der die Nährstoffe im Futter bei jeder Phase (Alter) optimal auf das Tier abgestimmt seien. «In diesem Futter sind zahlreiche Vitamine und Spurenelemente enthalten. Gleichzeitig füttern wir Nebenprodukte aus der menschlichen Ernährung und verhindern so Foodwaste», sagt Fürer.

Umbau kostet Geld

Der junge Bauer zeigt Begeisterung für seine Arbeit. «Mir gefällt die Abwechslung und Freude an der Arbeit mit den Tieren.» Doch hinsichtlich der Massentierhaltungsinitiative macht er sich Gedanken. «Würde die Initiative angenommen werden, müsste der junge Landwirt viel Geld in die Hand nehmen und Investitionen für bauliche Anpassungen und Ausläufe tätigen», so der St.Galler Bauernverband.

Dazu müsste er auch das Baubewilligungsprozedere durchlaufen. Die Ställe müssten vergrössert und die Tierzahl müsste reduziert werden. Das wäre aber nicht alles. Marco Fürer sagt: «Müssten wir unsere Ställe oder Ausläufe vergrössern, würde dies auch bedeuten, dass wieder Kulturland verloren geht.»

pez/pd