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Bildung
20.06.2022

Schüler tricksen Stellwerktest-Programm aus

Bild: Glenn Carstens-Peters / Unsplash
Schüler einer Oberstufenklasse in Buttikon (SZ) haben den Stellwerktest «überlistet» und so bessere Resultate erzielt. Eine Programm-Schwachstelle im System machte dies möglich. Der St.Galler Lehrmittelverlag konnte diese rasch beheben.

Nachdem in einer Oberstufenklasse in Buttikon (SZ) einzelne Schüler bei einem Stellwerktest auffällig hohe Punktzahlen erzielten, räumten sie ein, mittels Tastenkombination den Quellcode bearbeitet zu haben. Die Schüler haben den Quelltext in der Browsersitzung aktiv verändert und eine Lücke genutzt. Somit konnten sie die Prüfungslösungen aufrufen und eingeben.

Dass der Quelltext im Browser der Webseite angezeigt werden kann, um Seitenbestandteile zu untersuchen, ist in der Webentwicklung ein gängiges Tool. Der St.Galler Lehrmittelverlag hat als Testanbieter in Zusammenarbeit mit dem Applikationsprovider Arcadix unverzüglich reagiert, die Schwachstelle lokalisiert und behoben.

«Fehler könnte schon seit Jahren existieren»

Die Analysen zeigen, dass die Schüler das System nicht aktiv gehackt, sondern eine Schwachstelle in der Applikation ausgenutzt haben. Personendaten waren zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Von einer flächendeckenden Wiederholung wird derzeit abgesehen.

Es ist auch gut möglich, dass dieser Programmierungsfehler seit ein oder zwei Jahren existiert, wie Christian Grob, Geschäftsführer des Lehrmittelverlags St.Gallen, gegenüber stgallen24 sagt. «Eben weil es sich um einen Schwachpunkt in der Programmierung handelt und nicht um einen Hackerangriff, lässt sich kein genaues Datum feststellen.» Es gebe wahrscheinlich wenige falsche Stellwerkergebnisse, die unerkannt blieben.

Verdächtige Ergebnisse sollen gemeldet werden

Die Standortbestimmungen generieren Resultate, die über das gesamte Schuljahr gesammelt werden und sich verifizieren lassen. Ausreisser können dadurch erkannt werden. «Es ist suspekt, wenn der Test nach nur 15 Minuten abgegeben wird oder wenn ein Schüler, der in der Vororientierung 500 Punkte holt, im Stellwerk mit der Maximalpunktzahl abschliesst», so Grob.

Die Lehrpersonen wurden dazu aufgerufen, verdächtige Testresultate dem Amt für Volksschule zu melden und den Schülern besser auf den Bildschirm zu schauen. Stellt sich heraus, dass der Schüler den Trick angewendet hat, muss der Test wiederholt werden.

Mit den Stellwerktests können einmal jährlich schulische Standortbestimmungen durchgeführt werden. Das online-basierte, standardisierte Testsystem macht es möglich, schulische Kernkompetenzen in den Fächern Mathematik, Deutsch, Natur und Technik, Französisch und Englisch miteinander zu vergleichen. Das individuelle Testergebnis wird auf einer normierten Skala von 200 bis 800 Punkten abgebildet. Der St.Galler Lehrmittelverlag ist Lizenznehmer der Applikation und betreut diese für andere Kantone.

pez/pd