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Kanton
13.06.2022
13.06.2022 14:44 Uhr

«Lehrermangel ist ein reelles Problem»

(Symbolbild)
(Symbolbild) Bild: Symbolbild
Der Kantonsrat nimmt in der laufenden Session von der Antwort zur Interpellation «Lehrpersonenmangel – was unternimmt die Regierung» Kenntnis. In einer Mitteilung äussert sich der Verband St.Galler Volksschulträger kritisch dazu.

Im Februar wurde ein Vorstoss zum Thema Lehrpersonenmangel eingereicht. Die Interpellanten wollten wissen, was die Regierung gegen den Mangel unternimmt. «Bereits auf das Schuljahr 2021/2022 konnten an den Volksschulen bis Schulbeginn nicht alle Stellen besetzt werden. Vor den Sommerferien 2021 waren noch 19 Stellen offen. Das Bildungsdepartement liess zwar verlauten, dass zum Schulbeginn bis auf wenige Ausnahmen alle Stellen besetzt werden konnten. Es hat dabei aber ausser Acht gelassen, dass die Schulträger enorme Mühe hatten, die Stellen zu besetzen», heisst es im Vorstoss.

Nun ist der Antwort der Regierung zu entnehmen, dass der Bildungsrat die Bildung einer Arbeitsgruppe unter Einbezug aller Anspruchsgruppen vorsehe, um dem Lehrpersonenmangel mit geeigneten Massnahmen zu begegnen. Dies, weil die Schulträger die Rekrutierungssituation trotz guter kantonaler Rahmenbedingungen und vielfältiger Unterstützungsangeboten als herausfordernd wahrnehmen würden.

Erfreut über Arbeitsgruppe

Der Verband St.Galler Volksschulträger (SGV) begrüsst die Bildung dieser Arbeitsgruppe, ist er doch überzeugt davon, dass Lösungen zur Behebung des Lehrpersonenmangels nur gemeinsam gefunden werden können. «Bildungsdepartment, Pädagogische Hochschule, Schulleitungen, Lehrpersonen und Schulträger müssen miteinander auf verschiedenen Ebenen Massnahmen erarbeiten, damit möglichst viele Interessierte den Lehrerberuf ergreifen und darin verweilen.»

Irritierende Antworten von der Regierung

Erstaunt und irritiert ist der SGV darüber, dass die Regierung Antworten auf die Behebung eines möglichen Lehrermangels gibt. Sie schreibt von einem durch die Schulträger wahrgenommenen Lehrpersonenmangel. Das Gesamtpensum der Lehrpersonen habe zwischen den Schuljahren 2014/15 und 2020/21 um 6,3 Prozent zugenommen, die Anzahl der Schüler im gleichen Zeitraum jedoch lediglich um 3,2 Prozent.

Zudem sei der Anteil an teilzeitbeschäftigten Lehrpersonen hoch, über den gesamten Kanton teilten sich 5883 Lehrpersonen 4052 Vollzeitstellen. Entsprechend kommt die Regierung zum Schluss, dass vor allem die Schulträger durch die Führung grösserer Klassen sowie die Erhöhung der Anstellungspensen selber dafür sorgen könnten, dass sie weniger Lehrpersonen suchen und einstellen müssten.

Mehr Lohn in Nachbarkantonen

Laut SGV ist aber Tatsache, dass der Lehrpersonenmangel ganz reell und die Sicht der Regierung eindeutig zu kurz gegriffen ist. «Dass die gesellschaftliche Entwicklung mit immer heterogeneren Klassen und die verstärkte Integration von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Bildungsbedarf tendenziell zur Bildung von kleineren Klassen führen, bleibt unerwähnt, so der Verband in der Mitteilung.

Ebenso unerwähnt bleib der der Umstand, dass die Anmeldezahlen an der Pädagogischen Hochschule (PH) abnehmen, eine grosse Zahl von PH-Abgängern nach Studienabschluss gar nicht in den Beruf einsteigen und die Verweildauer im Lehrberuf im Sinken begriffen sei. «Es ist eine Tatsache, dass Nachbarkantone höhere (Einstiegs)-Löhne bezahlen, viele Lehrpersonen Teilzeit arbeiten und die Ausbildungsplätze an der Hochschule für Heilpädagogik zu knapp bemessen sind.»

Für den SGV ist es darum unerlässlich, dass alle Beteiligten die Problematik des Lehrpersonenmangels anerkennen und gemeinsam Lösungen entwickeln, um diesem zu begegnen. Dafür müsse bei allen genannten Aspekten, auch bei den kantonalen Rahmenbedingungen und Unterstützungsangeboten, angesetzt werden.

pez/pd