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Gesundheit
27.05.2022
25.05.2022 15:55 Uhr

Die Affenpocken rücken näher

Droht uns eine neue Epidemie - der neue Feind heisst Affenpocken
Droht uns eine neue Epidemie - der neue Feind heisst Affenpocken Bild: faktastisch.de
Die Infektionen mit Affenpocken bei Menschen häufen sich, bisher gab es nur in anderen Ländern wie Deutschland und jetzt auch Österreich bestätigte Fälle. Nun ist auch in der Schweiz eine Infektion registriert worden.

In der Schweiz ist vor einigen Tagen der erste Mensch mit Affenpocken diagnostiziert worden. Dabei handelt es sich laut den Gesundheitsbehörden um einen Mann mittleren Alters aus dem Kanton Bern mit milden Symptomen. Er steckte sich wohl im europäischen Ausland an und klagte danach über Fieber, Unwohlsein und Bläschen auf der Haut. Er befand sich zuletzt zu Hause in Isolation.

Typische Symptome

Erst am Sonntag wurde der erste Fall in Österreich bestätigt. Ein 35-Jähriger wurde in der Nacht auf Sonntag mit typischen Symptomen wie leichtem Fieber und Pusteln im Gesicht in eine Klinik in Wien-Favoriten eingeliefert.

Affen sind gleich wie Menschen eigentlich «Fehlwirte» dieser Pockenerkrankung, die hauptsächlich in Nagetieren kursiert Bild: stern.de

Wegen mehrerer Fälle von Affenpocken in anderen europäischen Ländern hatten die nationalen Gesundheitsbehörden und die Weltgesundheitsorganisation WHO die Ärztinnen und Ärzte bereits für die Virusinfektion sensibilisiert. Die WHO rief zu einer Nachverfolgung aller Kontakte der Betroffenen auf.

Superspreader-Event in Belgien

Wie es scheint, war eine «Fetisch-Party» in Belgien ein Superspreader-Event für die nur über Körperflüssigkeitsaustausch und nur ganz selten über Tröpfcheninfektion übertragbare Krankheit.

Seit Anfang Mai wurden in mehreren europäischen und nordamerikanischen Ländern Dutzende Verdachtsfälle und bestätigte Infektionen mit Affenpocken gemeldet. Nach ersten Patienten in Grossbritannien meldeten auch Spanien, Portugal und Frankreich sowie die USA und Kanada bestätigte Fälle und Verdachtsfälle.

Eine Frage der Zeit

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Affenpocken auch in unseren Regionen nachgewiesen werden konnten. »Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse gehen wir davon aus, dass das Virus nicht so leicht übertragbar ist und dass dieser Ausbruch eingegrenzt werden kann«, beruhigte Deutschlands Gesundheitsminister und gelernter Virologe Karl Lauterbach, »Wir werden jetzt das Virus genauer analysieren und prüfen, ob es sich um eine ansteckendere Variante handelt.«

Der Charité-Infektiologe Leif Erik Sander beschrieb die Affenpocken am Donnerstag bei Twitter als weniger krank machend als die frühere Schreckenskrankheit Pocken, es sei aber »dennoch eine ernste und in Einzelfällen tödliche Erkrankung«.

Affen und Menschen als Fehlwirte

Die Krankheit trägt den Namen Affenpocken, nachdem der Erreger 1958 erstmals bei Affen in einem dänischen Labor nachgewiesen wurde. Fachleute vermuten, dass das Virus eigentlich in Hörnchen und Nagetieren zirkuliert, Affen und Menschen gelten als sogenannte Fehlwirte. Die Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch ist neu.
Zu den Symptomen der Affenpocken beim Menschen gehören Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und ein Ausschlag, der oft im Gesicht beginnt und dann auf andere Körperteile übergreift. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb mehrerer Wochen von der Krankheit, ein tödlicher Verlauf ist selten.

Keine spezifische Therapie

Es gibt keine spezifische Therapie und auch noch keine Impfung gegen Affenpocken. Historischen Daten zufolge schützt aber eine Pockenimpfung gut vor Affenpocken – und das wohl lebenslang. Weite Teile der Weltbevölkerung haben allerdings keinen Impfschutz, da die früher verpflichtende Pockenimpfung nach der impfbedingten Ausrottung der Seuche, die ursprünglich Millionen Menschenleben kostete, 1972 eingestellt wurde.

Die Abklärungen zur Verfügbarkeit und Beschaffung eines Impfstoffes seien im Moment im Gang, sagte BAG-Vizedirektorin Linda Nartey dem Schweizer Fernsehen SRF. Es würde sich dabei wohl um einen Impfstoff der zweiten Generation gegen die «normalen» Pocken handeln, da es noch keinen spezifischen Affenpockenimpfstoff gibt.

rheintal24/gmh/uh/stgallen24