Wirtschaft
20.05.2020
20.05.2020 14:59 Uhr

Können SRI-Geprellte nun auf Löhne hoffen?

Die Zeitung «Work» vom 15. November 2019.
Die Einzelfirma Daniel Bächtold aus St.Gallen ist konkurs. Der Inhaber war mit diversen Bau- und Immobilienfirmen in die Schlagzeilen geraten.

«St. Galler Bau-Gauner: Millionen-Betreibungen und noch mehr Geprellte im Fall Bächtold» titelte die Zeitung «Work» der Gewerkschaft Unia am 29. November 2019. Damals ging es um die SRI Baumanagement AG aus St.Gallen, die im August 2019 ihre Belegschaft entlassen hatte – und ihr etliche Monatslöhne schuldig blieb. Hauptaktionär der SRI: Daniel Bächtold, deckte «Work» schon zwei Wochen zuvor auf («Ein Big Boss fliegt auf»).

Der Immobilier aus Rheineck hat in der Branche einen schlechten Ruf, seit er mit seiner Palu Suisse AG in die nationalen Schlagzeilen geriet. Die Firma war an einem der umfangreichsten Gerichtsfälle beteiligt, welchen die St.Galler Strafvollzugsbehörden je gesehen hat. Gegen mehr als 220 Beschuldigte wurde 2013 ein Verfahren eröffnet, die Aktenlage füllte 800 Bundesordner, berichtete das «Tagblatt». Das Verfahren erstreckte sich über neun Jahre, die Hauptangeklagten trugen bedingte Freiheitsstrafen davon.

Die SRI war Teil eines intransparenten Konglomerats, das seit Jahrzehnten in Immobilien macht (Schweizer Rendite Immobilien AG, Area-Real Holding AG, Ideal-Real Immo AG, Bellevue Immobilien Eins, Zwei und Drei AG, Build AG Swiss Property International AG Innover AG, Immocept AG, Calamata AG, Riwal Immobilien AG, Prime Property Management AG, Reloni Immobilien AG usw., usw.). Zentrale Figur war oder ist jeweils Aktionär Daniel Bächtold.

Was bedeutet Bächtolds Konkurs?

Bei einer Einzelfirma muss der Unternehmer während und nach dem Konkursverfahren selbst für die Schulden aufkommen. Im Rahmen des Verfahrens erhalten die Gläubiger einen Verlustschein über die ausstehende Summe. Der gibt ihnen das Recht, ihre Forderung durchzusetzen, falls sich die finanzielle Lage des Konkursiten verbessern sollte. Dieser kann jedoch nur betrieben werden, wenn er zu neuem Vermögen gelangt. So soll es Pleitiers ermöglicht werden, eine neue Firma zu gründen.

Bei einer Einzelfirma stellt das Privatvermögen des Unternehmers im Falle eines Konkurses die pfändbare Masse dar. Dazu gehören sowohl Ersparnisse als auch Immobilien und Wertpapiere. Das Vermögen von Ehepartnern, Ersparnisse für die Pensionskasse und die dritte Säule A sowie Lebensversicherungen, die zugunsten von Ehepartnern und Kindern abgeschlossen wurden, werden nicht eingerechnet.

In diesem Fall bedeutet das: Falls Daniel Bächtold privates Vermögen besitzen sollte, würde dieses zur Tilgung seiner – ebenfalls privaten – Schulden herangezogen. Die um ihren Lohn geprellten ehemaligen SRI-Angestellten haben davon allerdings nichts, weil Bächtold dort nur Aktionär war. Allerdings müsste er auch seine Aktien verwerten, um seine Schulden zu bezahlen, und würde so aus dem Aktionariat der unzähligen Bau- und Immobilienfirmen unter seiner Kontrolle ausscheiden – sofern noch Wertpapiere auf ihn persönlich laufen und er sie nicht seiner Frau, seinen Kindern oder Dritten überschrieben hat.

stgallen24/stz.